17. Januar 2011 - 4:00 / Walter Gasperi / Zoom

Sie war die harte Rancherin in Sam Fullers "Forty Guns", die Frau, die für die Karriere Familie oder große Liebe aufgab in Douglas Sirks "All I Desire" und "There´s Always Tomorrow" und die eiskalte Mörderin in Billy Wilders "Double Indemnity". Brave Hausfrauen gehörten dagegen kaum zu Barbara Stanwycks Repertoire. Das Filmpodium Zürich widmet der 1990 verstorbenen amerikanischen Schauspielerin derzeit eine Filmreihe.

"High Riding Woman With a Whip" war der Arbeitstitel von Sam Fullers Western "Forty Guns" (1957), der Barbara Stanwyck eine ihrer letzten großen Kinorollen bot. Der Titel sagt schon einiges über die Rancherin Jessica Drummond, die ihr Reich mit eiserner Hand und der Hilfe von 40 Revolverhelden regiert – und trifft gleichzeitig auch das Image von Barbara Stanwyck. Am Ende einer Serie von starken und unabhängigen Frauenrollen steht diese Figur, verwirklicht scheint in ihr das, wofür frühere Stanwyck-Figuren vielfach erfolglos kämpften. Gleichzeitig hat die Rolle der Jessica Drummond auch Stanwycks spätere Fernseherfolge als Rancherin in der Serie "Big Valley" (1965 – 1968) oder Familienoberhaupt in "The Thorn Birds" (1983) vorbereitet.

Das Kämpferische, das Selbstständige hat die 1907 in Brooklyn als Ruby Stevens geborene Schauspielerin wohl nicht spielen müssen, sondern hat es aus persönlicher Erfahrung gekannt und ist nur dadurch groß geworden. Schon als Zweijährige verlor sie ihre Mutter durch einen Unfall, worauf der Vater die Familie verließ und Barbara in Kinderheimen aufwuchs. Mit 15 trat sie als Chorgirl in einem New Yorker Nachtclub auf, spielte 1926 unter ihrem Künstlernamen Barbara Stanwyck ihre erste Hauptrolle im Hudson-Theater am Broadway und 1927 eine Nebenrolle in "Broadway Nights", ihrem einzigen Stummfilm.

Die ersten großen Filmrollen gab ihr dann Frank Capra in "Ladies of Leisure" (1930), "The Miracle Woman" (1931) und "The Bitter Tea of General Yen" (1933), ehe sie für ihre Verkörperung einer Mutter, die sich für ihr Kind aufopfert, in King Vidors Melodram "Stella Dallas" (1937) zum ersten von insgesamt vier Mal für den Oscar nominiert wurde. Gewonnen hat Stanwyck die Trophäe allerdings nie, wurde aber 1982 mit einem Ehren-Oscar für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.

Bewegend spielte sie auch in Jean Negulescus "Titanic" (1953) eine Mutter, kam aber im wirklichen Leben mit ihrem Adoptivsohn Anthony Dion Fay nicht zurecht. "Sie hat mich weggeworfen wie Müll", gab dieser später zu Protokoll. Ihrem Charakter scheinen somit harte Frauenfiguren mehr entsprochen zu haben. In Billy Wilders klassischem Film noir "Double Indemnity" (1944) spielte sie eine prototypische Femme fatale, die einen Versicherungsvertreter zum Mord an ihrem reichen Gatten anstiftet. Geld und Karriere sind den Figuren Stanwycks oft wichtiger als Gefühle. Idealbesetzung war sie in Douglas Sirks Melodramen "All I Desire" (1953) und "There´s Always Tomorrow" (1956). Kehrt sie in "All I Desire" nach jahrelanger Abwesenheit in die Kleinstadt zurück, in der sie einst Mann und Kinder zurückließ um in der Großstadt eine Theaterkarriere zu machen, so trifft sie in "There´s Always Tomorrow" auf den Geliebten aus Jugendtagen, den sie für eine Karriere als Modedesignerin verließ.

Wie wohl keine zweite Schauspielerin verkörperte Barbara Stanwyck so schon in den 40er und 50er Jahren eine moderne und selbstständige Frau, für die Familie und Haushalt nicht an erster Stelle stehen. Kaum einmal lässt sie passiv die Dinge auf sich zukommen, sondern versucht sie aktiv zu gestalten. Eine Ausnahme stellt da Anatol Litvaks nervenzerrender Thriller "Sorry, Wrong Number" (1948) dar, in dem sie als ans Bett gefesselte Frau befürchten muss, Ziel eines Mordkomplotts ihres Mannes zu sein.

Aktiv ist sie auch in ihren komischen Rollen, führt Henry Fonda als weltfremden Millionärssohn in Preston Sturges "The Lady Eve" (1941) an der Nase herum und bringt als Gangsterbraut in Howard Hawks´ "Ball of Fire" (1941) gehörig Unruhe in eine Gruppe Sprachforscher. Ganz ohne Peitsche ging das in diesen Scewball-Komödien und doch bleibt am stärksten in Erinnerung die ganz in Schwarz gekleidete Reiterin auf einem Schimmel, die an der Spitze von 40 Revolverhelden über die Prärie prescht.

Tribute to Barbara Stanwyck

Filmpodium Zürich
Nüschelerstrasse 11
CH - 8001 Zürich

W: http://www.filmpodium.ch/

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Barbara Stanwyck (1907-1990)
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Stella Dallas (King Vidor, 1937)
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Ball of Fire (Howard Hawks, 1941)
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Double Indemnity (Billy Wilder, 1944)
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Sorry, Wrong Number (Anatole Litvak, 1948)
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Forty Guns (Sam Fuller, 1957)