Rachsüchtige Chemielehrerinnen im innigen Gebet, Models auf dem Klo beim Koksen, Haustierhalter mit ihren Vierbeinern auf der Flucht vor der Einsamkeit. Der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl beobachtet in seinen Dokumentar- und Spielfilmen abgründige Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Als geduldiger, zugewandter Voyeur hört und sieht er den Gewohnheiten, Obsessionen und intimen Situationen von Menschen zu, die ihm ihr Leben in oft erstaunlichen Geständnissen offenbaren.

Wie kaum ein anderer Künstler dringt Seidl ins Private vor, zum Vögeln, Sterben, Beten, und führt uns in Wirklichkeiten, die wir uns gern zu kennen weigern oder für die wir uns schämen. Es ist das Hässliche und das Gemeine, das ihn interessiert, das zutiefst Verletzliche und Gebrochene, Unerfüllte, das er uns zumutet.

"Böse Buben" ist Ulrich Seidls zweite Arbeit für das Theater. Für sie wird er David Foster Wallaces "Kurze Interviews mit fiesen Männern" benutzen, eigene Texte schreiben und seinen Film über den Österreicher und seine Keller weiterentwickeln. Er beschäftigt sich mit männlichen Versagensängsten, Gewaltphantasien, Zwangshaltungen; mit dem fetischisierten Keller als Ort der ungebremsten Überlegenheit; mit dem ganzen männlichen Dilemma in Beziehung zur Frau und zu anderen paranoiden Dominanzansprüchen.

"Ich interessiere mich für das sogenannte Private und dessen Abgründe, die ja alle in uns stecken. Jeder Mensch hat seine Abgründe. Und darin liegt auch eine Wahrheit." (Ulrich Seidl)

Böse Buben / Fiese Männer
Uraufführung: 28. Juni, 19.30 Uhr
Ein Projekt von Ulrich Seidl
Mit Texten von David Foster Wallace und Ulrich Seidl
Eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen

Weitere Vorstellungen:
30.06./ 02.07./ 15.07./ 22.07. 2012

Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus
Maximilianstraße 26-28
D - 80539 München

T: 0049 (0)89 233 37100
F: 0049 (0)89 233 96605
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  •  28. Juni 2012 22. Juli 2012 /
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