8. Dezember 2019 - 5:26 / Ausstellung / Medienkunst 
24. November 2019 29. Dezember 2019

Dieses Jahr feiert die Regionale, eine Partnerschaft zwischen 18 Kulturinstitutionen in der Schweiz, Deutschland und Frankreich, ihr 20-Jahr-Jubiläum. Die Regionale widmet sich der künstlerischen Vielfalt in der Region und setzt damit ein klares Statement für ein Grenzen überschreitendes Zusammenarbeiten im trinationalen Raum.

Das HeK (Haus der elektronischen Künste Basel) präsentiert dieses Jahr eine Auswahl von 12 KünstlerInnen, die Avatare, Doppelgänger, allegorische Landschaften und Umgebungen gestalten, um die vielfältigen Identitäten des Menschen im digitalen Zeitalter zu untersuchen.

Der Doppelgänger ist eine fantastische Figur in der Literatur, die immer wieder als Vorahnung kommender, oft dramatischer Ereignisse auftritt, die sich noch entfalten müssen. Dieser imaginäre Charakter hat bis heute überlebt und sich zu zahlreichen modernen Variationen entwickelt. Unsere vernetzte Kultur fördert die Verbreitung multipler digitaler Identitäten von uns selbst: von Social-Media-Accounts bis hin zu Alter Egos in Videospielen und anderen privaten Plattformen für Onlinekommunikation. Wir erschaffen Avatare, um unsere physischen Grenzen zu überwinden, und diese Avatare prägen uns im Gegenzug und beeinflussen unsere Identität und unsere sozialen Beziehungen. Nicht nur die Trennung zwischen privatem und öffentlichem Leben wird verwischt, auch die verschiedenen Sphären des Sozialen werden multipliziert.

Die Unterhaltungsindustrie stellt den Menschen in den Mittelpunkt ihres Spektakels, während das Internet eine radikale Version von Reality-Shows in Form von Live-Streams liefert, bei denen Millionen von Jugendlichen aus ihren Wohnzimmern senden. In dieser Arena narzisstischer Selbstbespiegelung kreieren wir ein möglichst verführerisches Bild unserer selbst, um uns gegenseitig besser zu verführen. Ebenso verändern Industriedesign und Landschaftsarchitektur unsere Umgebung, um sie besser an unsere Bedürfnisse und Wünsche anzupassen, während digitale Technologien es einer wachsenden Anzahl von automatisierten Geräten ermöglichen, aus unseren persönlichen Daten, Verhaltensweisen und Emotionen zu lernen. Die Umgebung in der wir leben, bestehend aus massgeschneiderten Objekten und Möbeln, intelligenten Städten, die mit Benutzerdaten programmiert sind, und künstlichen Landschaften, ist langsam zu einem Spiegel unserer Persönlichkeit geworden. Diese Landschaften und Umgebungen, die den menschlichen Körper über seine biologische Begrenzung hinaus erweitern, stellen eine Allegorie menschlicher Gier dar, die Welt zu besetzen und beherrschen.

Wir sind nicht mehr überrascht von Doppelgängern, sondern wir erschaffen sie. Diese Avatare sind unser digitales Pendant in unseren sozialen Netzwerken, unsere intelligenten persönlichen AssistentInnen, sie sind die automatisierten Umgebungen und Smart Cities. Welche neuen Bilder und Facetten von uns bleiben uns zwischen dem Vergnügen am technologischen Eskapismus und der Vorstellung unserer posthumanen Existenz noch zu entdecken? Die KünstlerInnen der Ausstellung untersuchen die Konstruktion unserer Identität, indem sie erkunden, welche neuen Bedeutungen im Zusammenhang mit der Erzeugung von Avataren, Doppelgängern, allegorischen Landschaften und reaktiven Umgebungen hervorgebracht werden.

Regionale 20 - Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften
Mit Alessia Conidi, Andreas Lutz, Christine Camenisch & Johannes Vetsch, Lara Hampe & Vera Sebert, Dirk Koy, Jansa Jakub, Katrin Niedermeier, Lucas Lejeune, Raphael Spielmann und Till Langschied.
Kurator: Boris Magrini
24. November bis 29. Dezember 2019

HeK
Haus der elektronischen Künste Basel
Freilager-Platz 9
CH - 4142 Münchenstein/Basel

T: +41 / (0)61 331 58 41
W: https://www.hek.ch/

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