Aufgespürt – Provenienzforschung der Tiroler Landesmuseen

In den Depots der Tiroler Landesmuseen lagern zahlreiche Exponate, darunter ein geschnitzter Engel, ein präparierter Andenkondor, ein Mumienfuß und sogar ein Medaillon mit Barthaaren von Andreas Hofer. Doch wie gelangten diese Objekte dorthin? Die Provenienzforschung hat ihre Wege rekonstruiert. Die Ausstellung „Aufgespürt. Objekte, Geschichten, Geheimnisse“ zeigt anhand von 21 besonderen Objekten, dass hinter jedem Exponat mehr als nur eine Geschichte steckt, und macht die intensiven Forschungen zu Herkunfts- und Besitzer:innengeschichten an den Tiroler Landesmuseen gleichzeitig greifbar.

Ob eindrucksvolle Porträts, wertvolle Skulpturen, historische Alltagsgegenstände oder auch außergewöhnliche Exponate wie ein einzelner Mumienfuß oder eine durchlöcherte Schützenscheibe – hinter jedem Museumsobjekt steckt eine ganz besondere Herkunftsgeschichte. „Es sind Geschichten von unterschiedlichen, manchmal ungeklärten Besitzverhältnissen, Geschichten von Schenkung, von Raub und Geschichten mit mehreren Stationen und Verzweigungen. Die Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunfts- und Besitzer:innengeschichte eines Objekts – denn es geht nicht immer nur darum, wer ein Objekt geschaffen oder besessen hat, sondern auch, unter welchen Umständen es letztlich ins Museum gelangt ist“, erklärt Sonia Buchroithner, Kuratorin und Provenienzforscherin.

In der Ausstellung „Aufgespürt“, die bis zum 4. April 2027 im Tiroler Volkskunstmuseum zu sehen ist, wird anhand von 21 ausgewählten Objekten ihr Weg in die Sammlungen der Tiroler Landesmuseen nachgezeichnet. Die Auswahl der Exponate erfolgte dabei gezielt, um die Vielfältigkeit der Wege, Schicksale und historischen Hintergründe von Objekten eindrücklich zu vermitteln. „So ist zum Beispiel nicht jeder Weg in unsere Sammlungen lückenlos rekonstruierbar“, sagt Buchroithner und nennt Beispiele: „Es lässt sich zum Beispiel bis heute nicht klar belegen, wie eine durchlöcherte Schützenscheibe aus Kastelruth, datiert auf 1832, nach Tirol gelangte. Oder: Das Gemälde von Malerin Martha Strele aus 1921 galt lange Zeit als Selbstbildnis der Künstlerin – aktuelle Recherchen führen jedoch zu einer Frau mit nationalsozialistischer Vergangenheit.“

Nicht nur Lücken sollen in der Provenienzforschung gefüllt werden, auch die Rechtmäßigkeit, wie Objekte in Museumssammlungen gekommen sind, wird geprüft und aufgearbeitet: „Bei belasteten Provenienzen – etwa aus nationalsozialistischen Kontexten – stehen Rückgaben mit Herkunftsgesellschaften im Mittelpunkt“, betont Buchroithner. So übernahm das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum im Jahr 1951 den Inhalt von drei Kisten, die auf Schloss Friedberg bei Volders lagerten und laut Aufschrift im Besitz von Gauleiter Franz Hofer waren. Ein Gemälde konnte bisher an seine ursprünglichen Besitzer restitutioniert werden, die übrigen 15 verblieben bisher mangels identifizierbarer Vorbesitzer:innen im Museumsbestand. Ein einzelner Mumienfuß bringt hingegen den Schutz kolonialen Kulturerbes aufs Tapet und wirft die Frage auf: Wurde der Fuß von ägyptischen Händlern abgetrennt, um mehr Gewinn aus der Mumie zu schlagen? Einzelne Mumienteile finden sich nämlich in unterschiedlichsten europäischen Sammlungen.

Aufgespürt. Objekte, Geschichten, Geheimnisse
bis 4.4.2027