16. Dezember 2020 - 20:08 / Ausstellung / Kunst 
18. Dezember 2020 7. Februar 2021

Das Kunstforum Montafon rückte in den vergangenen Jahren im Rahmen der Winterausstellungen jeweils die Werke zweier interessanten, jüngeren Positionen in einen Dialog. Nach Alfredo Barsuglia und der Künstlergruppe Gelitin, die vor einem Jahr unter dem Titel „Daily Golem“ mit Zuckerwatte und keramischen Penetrationsexperimenten aufwarteten, geben sich diesmal mit der Malerin Doris Piwonka und der Bildhauerin Toni Schmale zwei Künstlerinnen aus der Wiener Kunstszene ein Stelldichein.

Die malerische Praxis von Doris Piwonka ist ein Paradebeispiel für eine Malerei, die sich den eigenen historischen wie aktuellen Bedingungen bewusst ist. Sie steht zudem für ein Weiterverfolgen eines Diskurses zur zeitgenössischen Malerei und behauptet jenes im Vertrauen auf des Mediums stets inhärenter, erneuerbarer, ästhetischer und visueller Energien.

Das eigene Bild als Quelle

Die Bilder der 1968 im steirischen Judenburg geborenen und seit 1989 in Wien lebenden Künstlerin sind formensprachlich heterogen und bedienen sich, häufig auch gleichzeitig nebeneinander, unterschiedlicher Auffassungen von Bildräumlichkeit. „Der Bildraum zeigt sich teilweise linear-geometrisch mittels weniger Farblinien oder Striche strukturiert, teilweise atmosphärisch-diffus aus einer Vielzahl geschichteter, unkonturierter oder unscharfer Bildlagen aufgebaut. Nicht Analogien von Form oder Farbe bilden die Verbindung zwischen den Arbeiten, Piwonkas Bilder entfalten vielmehr interpiktorale Verweise, die sich dem Betrachter im Verlauf der Betrachtung erschließen. Die formale Heterogenität der Arbeiten verweist also nicht subjekttheoretisch auf ein 'Ich bin viele', ein Nebeneinander unterschiedlicher 'Stile' oder Bildbegriffe, derer sich die Künstlerin bedient, sie basiert im Wesentlichen stets auf der Verwendung von Piwonkas eigenen Bildern im Sinne eines Bildfundus.“ (David Komary)

**Die Härte des Stahls auf die Probe gestellt **

Toni Schmale, geboren 1980 in Hamburg, 2017 Gewinnerin des Msgr. Otto Mauer-Preises, reizt in ihrer neuen Werkserie „170 grad 400 grad“ die Möglichkeiten des Stahls aus, strapaziert ihn durch extreme Hitze. Durch Strukturveränderung tritt von innen eine schillernde, sogenannte Andersfarbigkeit an die Oberfläche. Genau das sucht man in der Industrie zu vermeiden, weil der Stahl, der eigentlich widerstandsfähiger werden soll, so angreifbarer wird. Die Rohre aus nunmehr farbigem Stahl werden von Händen aus Beton gehalten. Inspiriert hat Schmale die Art, wie in der Münchner Glyptothek mit Leerstellen von Körpern umgegangen wird – dann, wenn von Figuren etwa nur ein Knie oder eine Hand übrig ist: Die Rekonstruktion mit Fragmenten und Edelstahlverbindungen dazwischen reicht, um sich alle Formen von Körpern vorzustellen.

"Die Skulpturen von Toni Schmale mögen an viele Gerätschaften erinnern, die eng mit dem menschlichen Körper verbunden sind, an Geräte zur Lust und an Geräte zur Qual. Sie mögen Vorstellung von Machtausübung, von Herrschaft über andere, von Zwang wachrufen. Doch diese Assoziationen legen sich wie ein Schleier über etwas anderes. All diese Gebilde weisen auf etwas hin, so nah vor Augen, dass es leicht übersehen wird. Jedes dieser bildhaften Objekte markiert eine Leerstelle, den Ort des abwesenden Körpers. Toni Schmale erschafft in ihrer Kunst Räume ohne Körper, körperlose Orte. Sie schreien nach dem Körper. Doch die Leere muss ertragen werden." (Gustav Schörghofer)

Doris Piwonka - Toni Schmale
Kunstforum Montafon, Schruns
18.12.-7.2.2021
Eröffnung: 18.12. (soft opening v. 16 – 20 Uhr,
die Künstlerinnen sind anwesend)
15.1., 17.30 Uhr: Konzert mit dem "Ensemble Plus"
Di-Fr u. So 16 – 18
https://kfm.at

Kunstforum Montafon
Kronengasse 6
A - 6780 Schruns

W: http://www.kfm.at/

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  •  18. Dezember 2020 7. Februar 2021 /
Piwonka Doris - 04/1, 2020, Gouache, Eitempera, Öl auf Baumwolle (© Piwonka)
Doris Piwonka: 04/1, 2020, Gouache, Eitempera, Öl auf Baumwolle (© Piwonka)
Toni Schmale: Im Eimer, #1#2#3, 2020, feuerverzinktes Stahlblech, Beton (© Toni Schmale)
Toni Schmale: Im Eimer, #1#2#3, 2020, feuerverzinktes Stahlblech, Beton (© Toni Schmale)
Doris Piwanka: Gouache, Öl auf Baumwolle (© Piwanka)
Doris Piwanka: Gouache, Öl auf Baumwolle (© Piwanka)
Tone Schmale: Skulptur (© Schmale)
Tone Schmale: Skulptur (© Schmale)