21. April 2010 - 3:32 / Film 

Sie hat Literaten, Poeten, Künstler und Theoretiker so stark beeindruckt, dass sie immer und immer wieder über sie schrieben, Gedichte verfassten, sie malten, zeichneten und ihr – wie Béla Balázs – filmphilosophische Überlegungen widmeten. Aber Asta Nielsen spielte nicht nur in Filmen, sie eröffnete in und mit ihrer Darstellung auch neue Einsichten in das Filmschauspiel und in die Möglichkeiten des Films überhaupt.

Die Nielsen erregte Aufsehen mit ihrer physisch spürbaren Exponierung des weiblichen Körpers. Sie fügte sich nicht ein, sondern emanzipierte sich von alt hergebrachten Ideen der Weiblichkeit. Asta Nielsen steht am Anfang eines Kinos, das unser Verständnis davon, wie es gewesen sein soll, grundlegend infrage stellt.

Seit vielen Jahren widmet das Filmarchiv Austria dem Kino der ersten beiden Dekaden der Filmgeschichte besondere Programmschwerpunkte. Mit der von Karola Gramann und Heide Schlüpmann kuratierten Retrospektive "Die Unheimlichkeit des Blicks – Subversion und Geschlecht im Kino der Kaiserzeit" wurde das hierzulande bis dato kaum präsente deutschsprachige Kino der 1910er-Jahre vorgestellt. Ein der Filmgeschichte praktisch verloren gegangenes Jahrzehnt beanspruchte Aufmerksamkeit. Eigenwillige Erzählformen und eine eigenständige Ästhetik galt es zu entdecken – und vor allem eine alles überragende, die Produktion wie Repräsentation dieser Periode präsentierende Frau: Asta Nielsen. Die Basis war gelegt für ein umfassendes, ihrer Bedeutung angemessenes Nielsen-Projekt, das eine erste große Retrospektive und eine internationale Publikation umfassen sollte.

Durch die intensive Zusammenarbeit europäischer Filmarchive, die eng verschaltet mit den Kuratorinnen nicht weniger als die Aufarbeitung eines wesentlichen Kapitels des europäischen Filmerbes der 1910er-Jahre leisteten, kann nun eine Retrospektive mit allen erhaltenen Arbeiten des ersten Kinoweltstars präsentiert werden. Und im Verlag Filmarchiv Austria erscheint eine erste, zweibändige filmwissenschaftliche Publikation zu Asta Nielsen, die gleichzeitig ein kulturhistorisches Panorama früher Filmkultur aufbreitet.

Buchpublikation: Heide Schlüpmann/Eric de Kuyper/Karola Gramann/Sabine Nessel/Michael Wedel (Hg.). Asta Nielsen – (Unmögliche Liebe. Asta Nielsen, ihr Kino. & Nachtfalter. Asta Nielsen, ihre Filme), Wien: Verlag Filmarchiv Austria, 2010. ISBN-13 987-3-902531-77-3. Zwei Bände im Schuber, br., EUR 39,90 Subskriptionspreis (gültig bis 17. Mai 2010), EUR 34,90

Asta Nielsen Retrospektive
16. April bis 17. Mai

Metrokino Wien
Johannesgasse 4
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 512 18 03
F: 0043 (0)1 512 18 03-15
E: metrokino@filmarchiv.at
W: http://www.filmarchiv.at/

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