11. März 2019 - 6:05 / Ausstellung 
23. März 2019 30. Juni 2019

Eine doppelte Premiere: In der ersten umfassenden österreichischen Retrospektive zu Asger Jorn (1914 Vejrum, DK – 1973 Aarhus, DK) wird gleichzeitig dessen druckgrafisches Œuvre erstmals außerhalb Dänemarks in seiner Gesamtheit gezeigt. In der Ausstellung "Asger Jorn. Das druckgrafische Werk" präsentiert das Museum der Moderne Salzburg rund 550 Druckgrafiken des bedeutendsten dänischen Künstlers aus den Techniken Lithografie, Holzschnitt, Radierung, Linolschnitt, Siebdruck und Kartoffeldruck. Ebenfalls nach Salzburg kommen 52 kürzlich in Dänemark wiederentdeckte Werke aus den Jahren 1933–1939, die bisher erst einmal vollständig der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Die zwischen den 1930er- und 1970er-Jahren parallel zur Malerei entstandenen – und von Jorn als gleichwertig mit dieser angesehenen – Druckgrafiken zeugen von der Experimentierfreude des Künstlers und seinem Interesse an den Möglichkeiten des Materials ebenso wie von seiner reichen Fabulierkunst und seinem Witz. Wie kein anderer Künstler verbindet er dabei den klassischen Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts mit den figurativ-expressiven Strömungen der Gegenwartskunst und schafft eine Synthese von Surrealismus, Informel, Action-Painting und nordischer Volkskunst. Als Inspirationsquellen zur Schaffung einer spezifisch skandinavischen Kunst der Moderne dienen oftmals nordische Sagen, Mythen und ein göttlicher Kosmos, der von gescheiterten Persönlichkeiten bevölkert ist. In seinen Bildern und zahlreichen Schriften feiert Jorn einen fröhlichen künstlerischen Vandalismus, der sich von allen klassischen Wert- und Formbegriffen frei macht und stattdessen die Schaffung des Wunderbaren, Unbekannten, Rätselhaften, Imaginären und Chaotischen zur Aufgabe der Kunst erklärt.

Um sein Ziel einer Verbindung von Kunst, Politik und Gesellschaft zu erreichen, pflegt Jorn zeit seines Lebens – beginnend schon in den 1930er-Jahren – ein internationales Netzwerk. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Paris ab 1936, wo er das Atelier de l’Art Contemporaine von Fernand Léger besucht und Kontakt zu Le Corbusier hat, kehrt Jorn 1938 nach Dänemark zurück. Während der Besatzungszeit arbeitet er an der Zeitschrift Helhesten (Höllengaul) mit, die sich als inoffizielles Organ des künstlerischen Widerstands der Verbreitung von subkulturellen Phänomenen und nationalsozialistisch diffamiertem Gedankengut widmet. 1942 ist er aktiv an Druck und Herausgabe der verbotenen kommunistischen Monatszeitschrift Land og Folk beteiligt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gründet Jorn zusammen mit dänischen, belgischen und niederländischen Künstlern im Herbst 1948 die Gruppe Cobra – die Bezeichnung ist ein Akronym aus den englischsprachigen Hauptstadtnamen der drei vertretenen Nationen. Die Mitglieder von Cobra eint die Begeisterung für eine radikal visionäre Kunst, die keine Gattungsgrenzen kennt und sich durch Spontaneität, Experimentierfreude und Offenheit auszeichnet. Immer wieder initiiert Jorn unterschiedlich ausgerichtete Künstlerkollektive, so unter anderem die Bewegungfür ein imaginäres Bauhaus, die Situationistische Internationale und das Skandinavische Institut für vergleichenden Vandalismus. Durch seine unbändige, geradezu rastlose künstlerische Experimentierfreude beeinflusst Asger Jorn maßgeblich die Weiterentwicklung des modernen Kunstbegriffs und der Nachkriegsavantgarde und zählt – neben Edvard Munch und Per Kirkeby – zu den bedeutendsten skandinavischen Künstlern des 20. Jahrhunderts.


Katalog zur Ausstellung: "Asger Jorn. Ausgeschnittene Holzwege". Hg. von Thorsten Sadowsky für das Museum der Moderne Salzburg. Mit Texten von Lucas Haberkorn, Barbara Herzog, Lena Nievers und Thorsten Sadowsky. Hardcover, ca. 144 Seiten, ca. 100 Abbildungen. Deutsche Ausgabe: Klinkhardt & Biermann, München, 2019; Englische Ausgabe: Hirmer Verlag, München, 2019. ISBN 978-3-943616-62-0 (Deutsch), ISBN 978-3-943616-63-7 (Englisch), EUR 20.-

Asger Jorn. Das druckgrafische Werk
23. März bis 30. Juni 2019

Museum der Moderne Mönchsberg
Mönchsberg 32
A - 5020 Salzburg

T: 0043 (0)662 842220-403
F: 0043 (0)662 842220-700
E: info@museumdermoderne.at
W: http://www.museumdermoderne.at/

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  •  23. März 2019 30. Juni 2019 /
Asger Jorn: Ausgeschnittene Holzwege, 1970; Aus der Serie Ohne Titel, 1970. Farbholzschnitt; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn: Ausgeschnittene Holzwege, 1970; Aus der Serie Ohne Titel, 1970. Farbholzschnitt; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn: Nasobois – La laie qui se croit un Sphinx, 1971 (Nasobois – Die Wildsau, die sich für eine Sphinx hält); Aus der Serie Études et surprises (Studien und Überraschungen), 1971. Farbholzschnitt; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn: Nasobois – La laie qui se croit un Sphinx, 1971 (Nasobois – Die Wildsau, die sich für eine Sphinx hält); Aus der Serie Études et surprises (Studien und Überraschungen), 1971. Farbholzschnitt; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn: Ursprung der Familie, 1970; Aus der Serie Ohne Titel, 1970. Farbholzschnitt; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn: Ursprung der Familie, 1970; Aus der Serie Ohne Titel, 1970. Farbholzschnitt; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn: Portrait de Trois Imprimeurs, 1955 (Porträt von drei Druckern). Farblithografie; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn: Portrait de Trois Imprimeurs, 1955 (Porträt von drei Druckern). Farblithografie; Museum Jorn, Silkeborg. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn bei der Arbeit an der Holzschnittserie Études et surprises bei Peter Bramsen in Paris, 1971; Archiv Museum Jorn, Silkeborg / Foto: Pierre Alechinsky. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019; © Pierre Alechinsky: Bildrecht, Wien, 2019
Asger Jorn bei der Arbeit an der Holzschnittserie Études et surprises bei Peter Bramsen in Paris, 1971; Archiv Museum Jorn, Silkeborg / Foto: Pierre Alechinsky. © Donation Jorn, Silkeborg / Bildrecht, Wien, 2019; © Pierre Alechinsky: Bildrecht, Wien, 2019