Artist Talk mit Unbekannt im Kunsthaus Bregenz

Wer ist die Person, die in das KUB ein parasitäres, funktionsfähiges Haus mit Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss stellt? „The Artist is not present“, doch über den Silmultanübersetzer können wir mit dem/der Unbekannten ins Gespräch kommen. Höchst spannend. No-Name ist diese Person gewiss nicht, zu groß wäre das Wagnis für Künstlerpersönlichkeit sowie Institution. Und am Anfang war die Einladung, dann erst die Idee zur Anonymität.

Direktor Thomas D. Trummer zollt der Person Respekt und findet es mutig, in dieser Radikalität zu verzichten – auf öffentliche Aufmerksamkeit, Anerkennung, Marktgewinne, Sichtbarkeit, Vermächtnis und natürlich auch darauf, je darüber zu reden – „ein Werk, mit dem am Ende nichts gewonnen wird“. Wie kommt man zu diesem Ansatz, der die Strukturen des Kunsthauses fundamental hinterfragt? ███████ spricht über den Vermittler, der aus dem Englischen übersetzt: Sie sei beeindruckt über die lange Liste der bedeutenden Ausstellungen im KUB, doch was ist die Institution, wenn es keinen Namen gibt. Es stünden doch zweifellos die Namen im Vordergrund, die das Haus so berühmt gemacht haben. „Was passiert, wenn ich meinen Namen nicht auf diese Liste stelle, ihn loslöse, von meiner Identifikation. Dann steht das Kunstwerk ganz alleine im Raum“. Die Person habe die Freiheit in der Gestaltung und auch die ultimative Last von Verantwortung erlebt, „ich musste alles ablegen und von Null beginnen. Was kann das Bedeutende sein, wenn die Identität weggelassen wird“.

Die Skulptur ist ein zweckgewidmetes Haus, das sich im dritten Obergeschoß eingenistet hat. Eine funktionelle Struktur aus Aluminium. Zwei Fassadenteile lassen sich als Kipptore öffnen. Das Modulhaus ist bewohnbar ausgestattet: Küche, Herd, Kühlschrank, Waschbecken, weiters Dusche und WC, eine dicke weiche Matratze und ein versenkbarer Tisch. Ein Parasit, der sich an das Wasser- und Abwassersystem des Kunsthauses angedockt hat, Strom absaugt. Im Stockwerk darunter – leerer Raum. Nur ein Spalt in der Glasdecke legt das schwarze Leitungsrohr frei. Im ersten Stock steht fragmentarisch ein Vorschlag für die Außenhaut der Struktur, wobei die Isolierung dem Klima in Bregenz angepasst ist. Das Haus könnte nämlich überall stehen, Funktionalität und Langlebigkeit im Material waren die Prämisse.

„Ich konnte damit mehr Abstand halten zum Kunstwerk“, alle Elemente seien aus einem Grund hier. Ein Prinzip von Architektur ist die Zweckmäßigkeit. „Architektur ist eine Kunstform, die einer ganz klaren Logik folgt!“ Das Haus habe einen Zweck, es ist gewidmet, steht nicht zum Verkauf, darf nicht besessen oder archiviert werden. Es ist eine Gabe, die als Artist Residency – „ein geschützter Unterschlupf“ – weiter bestehen oder produziert werden kann, eine lebendige, funktionierende Struktur – gebaut, um zerlegt und andernorts wieder zusammengesetzt zu werden. Es widersetzt sich dem Nachleben der Kunst als Ware, sabotiert damit den Kunstmarkt.

Und noch eine Bedingung ist die Aktivierung: es soll benutzt werden, Dusche, WC, Herd funktionieren … doch wie weit das Publikum gehen darf, diese Frage löst der KUB-Direktor elegant … es gäbe Sicherheitsvorschriften im Kunsthaus Bregenz, die natürlich eingehalten werden müssen …

███████
11 | 10 | 2025—18 | 01 | 2026
Kunsthaus Bregenz