Arnulf Rainer und die Art Brut

Das Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien gibt ab dem 18. Oktober 2025 Einblicke in die vielschichtige Beziehung zwischen Arnulf Rainer und der Art Brut. Letztere zählte zu seinen wichtigsten Inspirationsquellen, auf die er bereits in der Nachkriegszeit durch seine Beschäftigung mit dem Surrealismus aufmerksam wurde.

Der Begriff „Art Brut” (zu Deutsch: „rohe Kunst”) wurde 1945 von Jean Dubuffet (1901–1985) eingeführt. Dubuffet bezeichnete damit Kunst, die außerhalb etablierter Normen entsteht, etwa durch Kinder oder Menschen mit psychischen Erkrankungen. „Roh“ beziehungsweise „Brut“ meint in diesem Zusammenhang so viel wie unberührt von kulturellen Einflüssen.

Neben dem Surrealismus befeuerte die Entdeckung der Gugginger Künstler Rainers Interesse für Art Brut. Über die 1965 erschienene Publikation Schizophrenie und Kunst von Leo Navratil, dem Gründer des Zentrums für Kunst-Psychiatrie Gugging, kam Rainer mit den dortigen Künstlern in Kontakt. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine langjährige Auseinandersetzung, die sich sowohl in Rainers Sammlungstätigkeit als auch in seinem künstlerischen Schaffen widerspiegelte.

So entstanden in den 1970er-Jahren seine bekannten Art-Brut-Hommagen, bei denen er Bilder von Künstlern wie Johann Hauser, Jean Dubuffet oder Friedrich Schröder-Sonnenstern übermalte, jedoch nicht, um sie zu verändern, sondern um mit ihnen in einen künstlerischen Dialog zu treten. Eine direkte Zusammenarbeit mit anderen Künstlern gab es 1984 bei drei Zeichnungen, davon zwei mit Fritz Koller und eine mit Johann Hauser. 1994 folgte ein umfangreiches Projekt mit 58 Übermalungen, das Rainer gemeinsam mit acht Gugginger Künstlern umsetzte.

In der Ausstellung werden Werke von Arnulf Rainer, Johann Garber, Johann Hauser, Margarethe Held, Rudolf Horacek, Fritz Koller, Hans Krüsi, Rudolf Liemberger, Michel Nedjar, Philipp Schöpke, Friedrich Schröder-Sonnenstern, Volkmar Schulz, Rumpold, Sava Sekulić, Oswald Tschirtner, August Walla und Adolf Wölfli sowie die Gemeinschaftsarbeiten von Rainer mit Koller und Hauser gezeigt.

Neben der Sammlung Zambo, die den Schwerpunkt der Ausstellung ausmacht, und Privatleihgaben wird erstmals ein größeres Konvolut der Sammlung Navratil präsentiert. Leo Navratil hat diese der Landessammlung Niederösterreich als Vorlass übergeben.

Arnulf Rainer & Art Brut
18. Oktober 2025 bis 4. Oktober 2026