26. September 2019 - 5:45 / Ausstellung / Malerei 
27. September 2019 22. Januar 2020

Arnulf Rainer zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Am 8. Dezember feiert er seinen 90. Geburtstag – diesen Anlass greift die Albertina auf, um ihn mit einer Hommage aus den reichen Beständen der eigenen Sammlung zu ehren.

Präsentiert wird eine Auswahl an Schlüsselwerken und richtungsweisenden Werkgruppen. Sie veranschaulichen als zentrale Positionen die prinzipiell dialektische Grundhaltung des Künstlers. In sowie zwischen seinen Bildern entsteht eine intensive Zwiesprache zu Themen malerischer Qualitäten und grafischer Linienstrukturen, eröffnen sich künstlerische Dialoge über ein Ausloten von Fläche und Raum, Farbe und reduziertem Schwarz-Weiß, zwischen Fülle und Leere, Ruhe und Bewegung, Stille und Aufregung, zwischen Abstraktion und Figuration.

Die impulsiven, abstrakten Zeichnungen treffen auf mit Farben und Flächen experimentierende Werke. Einen Schwerpunkt bilden die Übermalungen beziehungsweise Zumalungen, die der Künstler ab Mitte der 1950er-Jahre gestaltet und mit denen er international identifiziert wird. Arnulf Rainer wollte damit zunächst eine tief empfundene Leere füllen. Die Kreuzform, die das Vertikale und das Horizontale vereint, wird die für ihn typische und kennzeichnende Malfläche. Diese Form transportiert zahlreiche inhaltliche Bedeutungen wie Tod, Mysterium und Transitorik.

Einen weiteren Schwerpunkt der Präsentation bilden Arbeiten ab den Jahren 1968/69, in denen Rainer seine Gesichtsmimik ins Zentrum seines künstlerischen Interesses stellt. In öffentlich zugänglichen Fotoautomatenkabinen verzerrt er sein Gesicht zu Grimassen. Diese Fotos werden zum Ausgangspunkt genommen und in einem nächsten Schritt vergrößert, über-und bearbeitet. Es entstehen die „Face Farces“ und „Body Poses“, die mit einem Fotografen im Atelier inszeniert werden. Sie stellen Rainers performativen Beitrag zur Aktionskunst dar und zeigen seinen völlig eigenständigen Umgang mit dem Medium Fotografie.

Als dialektische Antwort auf die Zumalungen entstehen ab Ende der 1990er-Jahre die farbigen, transparent irisierenden Schleierbilder. Frei auf den leeren, jeweiligen Malgrund aufgetragen, entwickeln sich komplexe Licht-und Farbräume. Wie kaum ein anderer hat Arnulf Rainer in seiner kompromisslosen Suche nach Ausdrucksmitteln von Anfang an radikal neue Verfahrensweisen entwickelt. Rainer zählt damit seit den 1960er-Jahren weltweit zu den einflussreichsten Künstlern der Nachkriegszeit, mit Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz, Maria Lassnig und Bruce Nauman oder Yves Klein.

Die Ausstellung spannt den Bogen von bedeutenden Werken aus Rainers Frühzeit, über die Fotoarbeiten und -überarbeitungen der 60er- und 70er-Jahre zu den Kreuzen und Schleierbildern der 80er- und 90er-Jahre bis hin zu jüngsten Werken der Gegenwart. Mit der Präsentation in der ALBERTINA wird einmal mehr die überragende Bedeutung von Arnulf Rainer für die Kunstgeschichte nach 1945, weit über die Landesgrenzen Österreichs hinaus, unterstrichen.

Arnulf Rainer. Eine Hommage
27. September 2019 bis 22. Jänner 2020

Albertina
Albertinaplatz 1
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 534 83-555
F: 0043 (0)1 534 83-430
E: info@albertina.at
W: http://www.albertina.at/

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  •  27. September 2019 22. Januar 2020 /
Aus der Himmelserie: Ohne Titel, 1999-2002, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Aus der Himmelserie: Ohne Titel, 1999-2002, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Ohne Titel, 2013-2015, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Ohne Titel, 2013-2015, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Face Farces: Farbstreifen, 1972, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Face Farces: Farbstreifen, 1972, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Rotes Land, 1960/1963, Albertina, Wien. Sammlung Batliner © Arnulf Rainer
Rotes Land, 1960/1963, Albertina, Wien. Sammlung Batliner © Arnulf Rainer
Schlaf, 1973-74, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Schlaf, 1973-74, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Schranken, 1974-75, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Schranken, 1974-75, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Schwarze Rinnen, 1974, Albertina, Wien © Arnulf Rainer
Schwarze Rinnen, 1974, Albertina, Wien © Arnulf Rainer