Eine Frau die glaubt, eine Frau die liebt, eine Frau die arbeitet. Die Frau die glaubt, begibt sich auf schlanken Beinen mit wuchtigem Bauch am Tag der offenen Tür in eine Moschee und lässt sich selbst und die Welt um sie herum explodieren. Weil einer sie verteidigen muss, die abendländische Kultur. Die Frau die liebt, liebt von heute auf morgen keinen Mann mehr, sondern einen lebendig versehrten Helden.

Jetzt pflegt die Frau die Reste seines Daseins und entdeckt die Liebe als Vermarktungsmöglichkeit. Weil die Geschichte von der unbesiegbaren Liebe immer gehört werden will. Die Frau die arbeitet, hat eine neue Geschäftsidee: Sie betreibt eine Agentur, in der sie sich und einige Kollegen als Mietopfer anbietet. Das bringt nicht nur Geld, sondern eine kathartische Funktion der Gesellschaft mit sich, weil der Kunde seinen Gewaltfantasien unter geregelten Geschäftsbedingungen freien Lauf lassen kann.

John Birke hat in enger Zusammenarbeit mit der Regisseurin Felicitas Brucker drei Szenarien entworfen, in denen es um die Unbedingtheit der Selbstaufgabe bzw. -hingabe geht, wie man sie etwa von Judith aus dem Alten Testament und aus Zeiten kennt, in denen die Verknüpfung von Opfer und Heiligem, Gewalt und Kult, Tod und Verehrung selbstverständlicher zu sein schien. Welche Radikalität braucht es, um in der heutigen Gesellschaft mit ihren Gesetzen und Wirkungsmechanismen für sich und sein Anliegen eine Öffentlichkeit zu finden?

John Birke heißt John Birke, weil er 1981 in Toronto zur Welt kam. Er ist in Stuttgart aufgewachsen und lebt in Hildesheim, wo er seinem Studium (Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus) längst über den Kopf gewachsen ist: Er übersetzt Mark Ravenhill und andere Kollegen aus dem Englischen, seit 2006 arbeitet er regelmäßig mit dem Performerkollektiv Electronic Music Theater zusammen und Stücke schreibt er auch. Zuletzt entstanden "Madonna singt nicht mehr" im Rahmen des Autorenlabors am Düsseldorfer Schauspielhaus und "Kill Willy" für die Reihe Deutschlandsaga an der Berliner Schaubühne. An den Münchner Kammerspielen wurde "Pas de Deux beim 2. Wochenende der jungen Dramatiker vorgestellt und anschließend in einer Werkstattaufführung gezeigt, inszeniert von Felicitas Brucker.

Felicitas Brucker hat in England Regie studiert und an den Münchner Kammerspielen "Draussen tobt die Dunkelziffer" von Kathrin Röggla und "Engel" von Anja Hilling im Werkraum inszeniert, das 2007 zum Festival Radikal Jung des Münchner Volkstheaters eingeladen wurde. Felicitas Brucker arbeitet in Berlin, Freiburg, Hamburg, Hannover und Wien. Ihre Inszenierung von Ewald Palmetshofer "Hamlet ist tot. Keine Schwerkraft" wurde zu den Mülheimer Theatertagen 2008 eingeladen.


Armes Ding
Uraufführung: So 30. November 08, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:
02.12.08, 20.00 Uhr
15.12.08, 20.00 Uhr
30.12.08, 20.00 Uhr
24.01.09, 20.00 Uhr
02.02.09, 20.00 Uhr
16.02.09, 20.00 Uhr
24.02.09, 20.00 Uhr
08.03.09, 20.00 Uhr
31.03.09, 20.00 Uhr
04.04.09, 20.00 Uhr

Münchner Kammerspiele, Werkraum
Hildegardstraße 1
D - 80539 München

W: http://www.muenchner-kammerspiele.de/

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  •  30. November 2008 4. April 2009 /
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