20. September 2009 - 3:12 / Ausstellung / Grafik 
5. Juli 2009 27. September 2009

Die englische Karikatur zwischen 1780 und 1830 zählt zu den Höhepunkten in der Karikaturgeschichte. Mit ihr etablierte sich diese Gattung als eine anerkannte künstlerische Bildform, die vor dem Hintergrund der Presse- und Meinungsfreiheit in Großbritannien den gesellschaftlichen und politischen Meinungsprozess stark mitprägte.

Eines ihrer wesentlichen Merkmale ist die öffentliche Bloßstellung der karikierten Personen und aktuellen Themen. Neue künstlerische Ausdrucksmittel wurden entwickelt, die in ihrer Heftigkeit und Schlagkraft einer "Arena des Spotts" gleichkommen: Die humorvoll-satirischen wie anklagend-aggressiven Karikaturen setzen eine neue Rolle der Öffentlichkeit voraus, die sie zugleich mitgestalten.

Anders als die ältere szenische Bildsatire oder die Porträtkarikatur verstanden die englischen Karikaturisten ihre Werke als eine gesellschaftlich relevante Gattung mit künstlerischem Anspruch. Ihre Blätter richteten sich an alle Gesellschaftsschichten und waren in Graphikhandlungen einer breiten Masse zugänglich. Als Gegenbewegung zur traditionellen, "idealen" Hochkunst warfen die Karikaturisten ihre schonungslosen Blicke auf gesellschaftliche Themen genauso wie auf tagespolitische Ereignisse.

Die Komplexität und Attraktivität der Arbeiten zeigt sich gerade in der Verbindung von kunsthistorisch etablierten und populären Motiven und Texten. Dadurch entsteht eine gänzlich neue Bildsprache, die alle Betrachtergruppen anspricht. In ihrer bissigen, teils groben Darstellungsweise und der schonungslosen Bloßstellung ihrer Inhalte, die einer spöttischen Öffentlichkeit preisgegeben werden, besitzt die englische Karikatur ihre ästhetische und historische Bedeutung.

Die Ausstellung zeigt zudem, wie relevant das neue Selbstverständnis der Öffentlichkeit für die Bildsprache der englischen Karikatur war. Mit ihren drastischen Formen und Motiven nahmen die Karikaturisten auf die gewandelte Öffentlichkeit Bezug und prägten zugleich neue Bilder für das Volk und seine Repräsentanten. Die expressive Bildsprache dieser Druckgraphiken, die durch die Kolorierung noch verstärkt wird, reagiert auf die Selbstinszenierung der Gesellschaft, die ebenfalls Thema der Karikatur ist.

Zahlreiche Arbeiten von James Gillray und Thomas Rowlandson, den ersten bedeutenden Vertretern der englischen Karikatur, sowie von George Cruikshank, ihrem wichtigsten Nachfolger, und von Künstlern wie Isaac Cruikshank und Richard Newton werden in der Ausstellung zu sehen sein.


Arena des Spotts
Englische Karikaturen 1780-1830
5. Juli bis 27. September 2009
Saal der Meisterzeichnung

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
D - 20095 Hamburg

T: 0049 (0)40 428 131 200
F: 0049 (0)40 428 5434 09
E: info@hamburger-kunsthalle.de
W: http://www.hamburger-kunsthalle.de/

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  •  5. Juli 2009 27. September 2009 /
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James Gillray (1757-1815); Very slippy weather, 1808
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George Cruikshank (1792-1878); The Umbrella, 1820
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Thomas Rowlandson (1756-1827); Six Stages of Mending a Face, 1792