4. Juli 2019 - 7:57 / Architektur 
6. Juli 2019 28. September 2019

Mit Hauptsitz in Rotterdam und Niederlassungen in Paris und Shanghai ist Mvrdv eines der derzeit erfolgreichsten Architekturbüros in den Niederlanden. An die 250 ArchitektInnen, DesignerInnen und StadtplanerInnen arbeiten an Gebäuden und städtebaulichen Projekten jeder Art und Größenordnung und auf der ganzen Welt.

Gegründet wurde das Büro 1993 von Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries, drei ArchitektInnen, die gemeinsam an der TU Delft studierten und 1991 mit ihrem Beitrag „Berlin Voids“ den Wettbewerb „Europan 2 “ in Berlin gewannen. Mit innovati­ven und experimentellen Gebäuden, bei denen immer auch Ironie und Risikobereit­schaft spürbar sind, wurde Mvrdv in relativ kurzer Zeit international bekannt.

So realisierten sie 1997 in Amsterdam ihr erstes Wohnbauprojekt „Wozoco“ auf einem Bauplatz, der zu klein für die Wünsche des Bauherren erschien. Sie präsentier­ten ein spielerisches Konzept, bei dem zusätzliche Einheiten als monumentale Kuben aus dem Hauptvolumen auskragen, eine Lösung, die Anklang fand und umgesetzt wurde. Dem Motto „Holland creates Space“ entsprechend entwarfen sie den Nieder­ländischen ­Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover in Form von sechs, in einer Struktur ohne ­Außenmauern übereinandergestapelten Landschaftstypen, die zusammen ein unabhängiges Ökosystem bildeten. Es folgten markante Wohnbauprojekte wie das an ein beladenes Containerschiff erinnernde „Silodam“ (Amsterdam, 2003 ) oder das Hochhaus „Mirador“ (Madrid, 2005 ), wo kleine Wohneinheiten rund um einen riesigen Luftraum angeordnet sind. Eines der meist publizierten Projekte von Mvrdv ist die 2014 fertig gestellte Markthalle in Rotterdam, eine 110 Meter lange, 70 Meter breite und 40 Meter hohe Gebäudehülle mit rund 250 Wohnungen, die eine gigantische Halle für Marktstände, Gastronomien und Geschäfte überspannt.

Die Vielfalt an formalen Lösungen macht deutlich, dass es Mvrdv weniger darum geht, einen spezifischen architektonischen Stil zu entwickeln. Viel mehr interessieren sie sich für Entwurfsmethoden, mit deren Hilfe die das jeweilige Projekt betreffenden Fragestellungen wie Programm, Kontext und Typologie erforscht werden können. Jedes Projekt wird in interdisziplinären Teams entwickelt, „ausprobiert“ und nicht von vorne herein „gemacht“. Als wichtigstes Werkzeug innerhalb des Entwurfsprozesses hat sich über die Jahre eine eigene Sprache entwickelt, ein Vokabular, das dabei hilft, anderen und sich selbst zu erklären, was getan wird, warum es getan wird und wie mit ihren Projekten Ideen vermittelt und Veränderungen in Gang gesetzt werden können.

Mit „stack“, „pixel“, „village“ und „activator“ werden in der von Nathalie de Vries kuratierten Ausstellung im aut zentrale Begriffe innerhalb des Designprozesses von Mvrdv in Form von vier Türmen verkörpert. Durch jede der vier Öffnungen der ehe­maligen Sudkessel ragt ein Turm, der inhaltlich und formal ein Thema der Arbeits­methodik von Mvrdv aufgreift und zentrale Fragen der Gestaltung unserer Zukunft aufwirft: Kollektivität, Mannigfaltigkeit, Soziales und Nachhaltigkeit. Jeder dieser Türme vermittelt bereits durch seine spezifische Gestaltung die jeweilige Thematik, die durch Modelle, Projektionen, Manifeste, Gespräche, Filme etc. von und über Projekte von Mvrdv vertieft wird.

Mvrdv
1993 von Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries in Rotterdam gegründetes Büro, das heute verteilt auf drei Bürostandorte in Rotterdam, Shanghai und Paris mit ca. 250 MitarbeiterInnen weltweit Projekte in den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur entwickelt.

Winy Maas
geb. 1959 in Schijndel ( NL ), 1978 – 83 Studium der Landschaftsarchitektur an der Rhstl Boskoop und 1984 – 90 Studium der Architektur und Stadtplanung an der Tech­nischen Universität Delft; Lehraufträge und Gastprofessuren an zahlreichen Hoch­schulen; Professor für Stadtplanung und Architektur sowie Gründer des Forschungsin­stituts „The Why Factory“ an der TU Delft; derzeit u. a. Gastredakteur der Zeitschrift Domus, urban research curator der Manifesta 2020 Marseille und Mitglied des urban committee Qianhai in Shenzhen

Jacob van Rijs
geb. 1964 in Amsterdam ( NL ), 1983 – 84 Studium an der Freien Akademie Den Haag und 1984 – 90 an der Technischen Universität Delft; Lehraufträge und Gastprofessuren an zahlreichen Hochschulen; derzeit u. a Professor am Institut für Architektur der TU Berlin, Chairman of the Board of Archiprix International und Chairman of the Board of the Architecture Film Festival Rotterdam

Nathalie de Vries
geb. 1965 in Appingedam ( NL ), 1984 – 90 Studium an der Technischen Universität Delft; u. a. Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf und der TU Berlin; Visiting Critic an der Harvard GSD , Boston; Chief Railroad Architect for ProRail/NS; 2003 – 06 Mitglied des Gestaltungsbeirates der Stadt Salzburg; Vorstandsmitglied mehrerer Niederländischer Kunst- und Designmuseen; derzeit u. a. Professorin für Architektur an der Delft University of Technology sowie Chairman of the Royal Institute of Dutch Architects

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  •  6. Juli 2019 28. September 2019 /
Silodam, Amsterdam Bildnachweis: © Rob ’t Hart
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Markthal, Rotterdam Bildnachweis: © Daria Scagliola & Stijn Brakkee
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Expo 2000, Hannover Bildnachweis: © Van Reeken
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MVRDV House, Rotterdam Bildnachweis: © Ossip van Duivenbode
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Ausstellungskonzept: Jeder dieser Türme verkörpert inhaltlich und formal ein zentrales Konzept der Ausstellung – © MVRDV
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Ausstellungskonzept - Axonometrie: Das aut wird durch 4 Türme transformiert. – © MVRDV
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Ausstellungskonzept „Architecture speaks: The language of MVRDV“ Bildnachweis: © MVRDV
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Ausstellungskonzept: Vier Türme vermitteln vier zentrale Begriffe des Desigenprozesses von MVRDV. – © MVRDV
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