Die siebte Ausgabe der Reihe „Vitrine Extra” der Antikensammlung im Kunsthistorischen Museum Wien lenkt die Aufmerksamkeit auf oft übersehene Inschriften auf griechischen Vasen – von schnell eingeritzten Händlernotizen bis zu Signaturen stolzer Werkstattbesitzer. Letztere wirken wie Vorläufer des heutigen „Made by”-Hinweises zur Kennzeichnung einer besonderen Marke.
Wer an antike Inschriften denkt, hat meist monumentale, in Stein gemeißelte Texte vor Augen. Doch es geht auch zart geritzt und flott gepinselt. Die Ausstellung zeigt, wie griechische Aufschriften auf Vasen nicht nur informieren, sondern auch überraschen und spannende neue Bilder erzeugen können.
In der griechischen Antike wurden Vasen nicht nur kunstvoll bemalt, sondern auch mit Schrift versehen – teils eingeritzt, teils gemalt. Ritzinschriften erfolgten üblicherweise nach dem Brand und stehen selten in Zusammenhang mit dem Dargestellten auf einem Gefäß. Im Gegensatz dazu sind gemalte Inschriften gleichzeitig mit dem Vasenbild entstanden und somit Teil des Gesamtkonzepts. Sie haben das Potenzial, den Alltag und die Kultur der Menschen vor über 2.000 Jahren sichtbar zu machen.
Erstmals rückt die große Vielfalt dieser Texte ins Zentrum. In zwei Sondervitrinen werden Vasen fast auf den Kopf gestellt, sodass ihre sonst verborgenen Unterseiten sichtbar werden. Besucher:innen entdecken dort Markierungen und Notizen antiker Händler:innen und Töpfer:innen, die ein Zeugnis von Verwendung und Geschichte weit über die Funktion als kunstvoll gestaltetes Gebrauchsobjekt hinaus darstellen.
An weiteren sieben Stationen im Ausstellungsraum beleuchtet die Präsentation Aspekte wie die Entwicklung des griechischen Alphabets, Namensbeischriften, Werkstattsignaturen und die sogenannten Kalos-Inschriften, die Lobpreisungen auf junge Männer – seltener auch Frauen – sind und heute ebenso Rätsel aufwerfen wie die sogenannten „Nonsens-Inschriften“, die sprachlich keinen Sinn ergeben. War der Vasenmaler Analphabet? Sind die Zeichen fantasievolle Ergänzungen von Vorlagen oder haben sie lediglich eine dekorative Funktion?
Für die Ausstellung wurden alle Inschriften übersetzt und kompakt erklärt. Auch moderne Beschriftungen sind zu sehen. Etiketten, Inventarnummern und Vermerke früherer Besitzer zeigen: Jede Vase ist nicht nur ein Objekt der Antike, sondern präsentiert auch ein Stück Sammlungsgeschichte.
Vitrine Extra #7
Zart geritzt, flott gepinselt, gut versteckt
Inschriften auf griechischen Vasen
Bis 1. März 2026