23. Oktober 2019 - 9:44 / Ausstellung 
24. Oktober 2019 17. Januar 2019

Häusler Contemporary Zürich präsentiert erstmals eine Doppelausstellung der gebürtigen Italienerin Gaia Fugazza und des pakistanisch-britischen Künstlers Haroon Mirza. Ihre Werke verbinden auf unterschiedliche Weise zeitgenössische und urtümliche Prozesse mit natürlichen und menschgemachten Materialien, um so einen vielschichtigen Reflexionsraum zum Menschen in seiner Welt zu eröffnen.

Elektronische Gerätschaften und organische Substanzen, geometrische Strukturen und archaisch-figürlich anmutende Bildwelten – auf den ersten Blick wirkt das Zusammentreffen der Werke von Gaia Fugazza und Haroon Mirza gegensätzlich und divers. Es ist das erste Mal, dass die Kunstschaffenden, die privat ein Paar sind, in einer Doppelausstellung auftreten. Häusler Contemporary Zürich eröffnet damit einen Raum für die parallele Betrachtung dieser zwei sehr eigenständigen Œuvres, die beide Fragen zur von uns bewohnten Welt aufwerfen – vom Anthropozän bis zur Quantenelektrodynamik.

Haroon Mirza (geb. 1977, London, GB, lebt in London) war seit 2018 in verschiedenen Gruppenausstellung bei Häusler Contemporary zu sehen. Er ist international bekannt für seine Installationen, in denen er mittels Elektrizität Licht, Klang und Objekte zu sensorisch vielschichtigen Erlebnissen orchestriert. Mit der Verwendung kunstferner Materialien und Techniken knüpft er auch an den postmodernen Diskurs unseres Galerieprogramms an: Alte Möbel oder andere ausgediente Alltagsgegenstände sind oft Teil seines Vokabulars, in den letzten Jahren kamen Solar-Panels, Steine oder psychoaktive Pflanzen als weitere «Ingredienzen» dazu.

Letztere spielen auch in der Schau eine Rolle: Kupferplatten, die normalerweise zur Produktion von elektrischen Schaltkreisen dienen, wurden stattdessen mit psychoaktiven Pilzen, der Säure von Kirschsteinen, kristallisierendem Zucker, oder mit elektrogeäztem Ingwer behandelt. Mit den Substanzen, die er für diese "Copper Works" verwendet, verweist Mirza darauf, dass die Unterscheidung in Pflanze, Essware, Arznei und Narkotikum nur von unserer Kategorisierung abhängt. Zudem präsentiert er LED-Lichtarbeiten, die auf dem Quadrat – einer kunsthistorisch aufgeladenen Form – basieren. Sie leuchten rot, blau und grün und führen uns die verblüffende Essenz des RGB-Farbraums vor Augen: Im Zusammentreffen der unterschiedlich getönten Lichter auf der gegenüberliegenden Wand ergibt sich ein weisser Schein, der Gaia Fugazzas Werke beleuchtet.

Gaia Fugazza (geb. 1985, Mailand, IT, lebt in London) thematisiert in ihren Gemälden und Performances die Verbindung des Menschen zu seiner natürlichen Umgebung, die Fortpflanzung und die Intelligenz der Pflanzen sowie transzendentale Erfahrungen. Die Frau beispielsweise, die in ihren Bildern häufig als Protagonistin auftritt, wird ebenso als "Urmutter" wie als zeitgenössisches Subjekt mit einer vielfachen Rollenteilung gezeigt. Formal erinnern ihre Darstellungen an Höhlenmalereien, doch interagieren die hybriden Gestalten mit der natürlichen wie auch der technologischen Welt. Die Materialien, die Fugazza für ihre haptisch reizvollen Arbeiten nutzt, transportieren wiederum Ideen von Ursprünglichkeit und Naturverbundenheit: Sie sind in Holz geritzt, gebrannt, mit Wachs bearbeitet oder mit selbst hergestellten mineralischen Farben bemalt.

Bei Häusler Contemporary präsentiert Fugazza einige der ersten Werke, die so entstanden, und neue Arbeiten, welche die vermeintliche Dominanz der Menschheit kontextualisieren. So dreht sich ein grosses Triptychon um die Geschichte der Empfängnisverhütung, bei der Ahninnen der Alternativmedizin von der modernen cartesianischen Medizin verdrängt wurden. Zwei andere Gemälde koppeln Veganismus und invasive Pflanzen, die durch die Globalisierung in Städten gedeihen.

So zeigt sich in der Ausstellung, wie Gaia Fugazza und Haroon Mirza je unterschiedlich auf die zeitgenössische Lebenswelt verweisen und einen Brückenschlag leisten zwischen der technologisierten Gegenwart und urtümlichem Wissen. Es ist eine Ausstellung, die sowohl den Intellekt als auch all unsere unterschiedlichen Sinne anspricht.

«Antidotes and their Counterparts» Gaia Fugazza | Haroon Mirza
24. Oktober bis 17. Januar 2020

Häusler Contemporary (CH)
Stampfenbachstrasse 59
CH - 2006 Zürich

W: http://www.haeusler-contemporary.com

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  •  24. Oktober 2019 17. Januar 2019 /
Gaia Fugazza, »Present and distracted«, 2016 Bienenwachs, Weisskreide, Kaninchenfell, Pigmente, Acryl, Holz, Porzellantinte, Papier, Jin Shofu, Glas | 190 x 122 cm Foto: die Künstlerin
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Gaia Fugazza, »The contraceptive series«, 2015 (Detail) Kupferprofil, Bienenwachs, Weisskreide, Kaninchenfell, Kleber, Pigmente, Acryl auf geschnitztem Holz 3-teilig, je 40 x 60 cm | Foto: die Künstlerin
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Haroon Mirza »3rd Stone«, 2015 Kollaboration mit Mattia Bosco | Nero-Portoro-Stein, LED-Klebeband, Verstärker, Lautsprecher, Arduino, Mikrofonkabel | Stein 90 x 60 x 60 cm | Lautsprecher 30 x 18 x 20 cm | Courtesy: der Künstler und Lisson Gallery | Foto: Günter König
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Haroon Mirza, »Light Work XXVI«, 2017 LED-Streifen, Kabel, Halterung, Zeichnung | 140 x 120 cm | Courtesy: der Künstler und Lisson Gallery Foto: James Hems
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Haroon Mirza, »OxyContin 80mg«, 2019 (Detail) Elektrogeätzte Ingwerwurzel auf Kupfer PCB blank | 30 x 20 cm | Foto: Günter König
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Haroon Mirza, »Solar Powered LED Circuit Composition 25 (Five Liberty Caps)«, 2015 Photoelektrische Platte, Kabel, LED-Band mit Abdrücken von Sporen des Spitzkegeligen Kahlkopfs, schwarz laminierte Pressspanplatte | 94 x 139 x 5 cm | Courtesy: der Künstler und Lisson Gallery | Foto: Mischa Scherrer
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