24. September 2020 - 12:14 / Ausstellung / Geschichte 
25. September 2020 31. Januar 2020

Das Mumok präsentiert in gleich zwei Ausstellungen kaum gezeigte Arbeiten und blickt damit hinter die Fassade der weltberühmten Pop-Art-Ikone. Dabei wird Warhols Fähigkeit als bahnbrechender Ausstellungskurator und Installationskünstler neu entdeckt.

Mit den Ausstellungen "Andy Warhol Exhibits a glittering alternative" und einer Hommage an Warhols wegweisendes Projekt "Raid the icebox 1 with Andy Warhol" gibt das Mumok erstmals einen exemplarischen Überblick über die Ausstellungspraxis des Universalkünstlers, ohne dabei dessen Früh- und Spätwerk außer Acht zu lassen. Dieser Querschnitt eröffnet neue Perspektiven auf die vielfältigen, von Warhol eingesetzten Medien und zeigt, dass seine Präsentationsmodi als wesentliche Bestandteile seines Werkes zu verstehen sind.

Die Ausstellung demonstriert, wie Warhol bereits in den 1950er-Jahren mit künstlerischen Strategien auf dem zweidimensionalen Blatt experimentiert und diese in den folgenden drei Jahrzehnten im dreidimensionalen Raum perfektioniert. So präsentiert sich das Ausstellungsformat in Warhols Oeuvre weniger als finales "Werk" denn als künstlerisches Medium. Während der traditionelle Werkbegriff einer statischen Auffassung des autonomen Kunstobjekts im Raum entspricht, nähern sich Warhols Einzelausstellungen immer mehr einer raumspezifischen Installation. Die Ausstellung fungiert als temporär isoliertes Modul, das je nach Kontext variiert und den Betrachter als interpretierende Instanz miteinbezieht. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob Warhol als Illustrator, Maler, Bildhauer, Filmemacher, Installationskünstler oder Konzeptkünstler auftritt. Entscheidender ist die wechselseitige Beziehung zwischen Produktion und Präsentation. Warhol geht über das einzelne Bild hinaus – er relativiert es – beschränkt sich nicht auf das Machen und Zeigen, sondern zielt auf eine allumfassende Präsentation ab, die sich von der raumspezifischen Hängung in Serien über den Ausstellungskatalog – der gleichsam selbst zum Werk wird – bis hin zur Eröffnungszeremonie erstreckt. Anstatt daher einen einzelnen Aspekt seines Werkes herauszuarbeiten – wie dies in der Vergangenheit nur allzu häufig der Fall war – setzt sich die Ausstellung zum Ziel, mit über 200 Exponaten Warhols modularen und installativen Arbeitsprozess in den Mittelpunkt zu rücken.

Dass Warhol bereits zu Lebzeiten die Präsentation seines Frühwerks – also jener Werke, die vor 1962 entstanden sind – untersagte und deren Wahrnehmung in bewusster Manier steuerte, ist nur Wenigen bekannt. Beginnend mit der "Campbell’s Soup Can"-Schau in der Ferus Gallery 1962 konzentrierten sich die Folgeausstellungen der frühen 1960er-Jahre auf die Präsentation einzelner serieller Themen: Campbell’s Soup Cans, Brillo Boxes, Flowers, Disasters und Celebrity Portraits. Andy Warhol kreierte ein für die Öffentlichkeit bestimmtes Image, das bis zum heutigen Tag erfolgreich seine Rezeption prägt. Ein Image, das dringend einer kritischen, zeitgenössischen Perspektive bedarf.

"Andy Warhol Exhibits" wirft einen Blick hinter das erwähnte öffentliche Image des Künstlers und rückt stattdessen bisher kaum beleuchtete Aspekte von Warhols Universum in den Fokus. So werden zwei Seiten seiner "Doppelpersona" – zum einen eine vielzitierte inszenierte, zum anderen eine von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, versteckte Persönlichkeit – auf zwei Ebenen des Mumok einander gegenübergestellt. Die Eingangsebene beschäftigt sich mit Warhols kuratorischen Intentionen und vorherrschenden Motiven/Abstraktionen der 1950er-Jahre. Gezeigt werden "Blotted Line"-Drucke und Zeichnungen, die den männlichen Körper, Drag sowie homoerotische Symbole und Gesten thematisieren – ein Themenkomplex, der den Künstler bis an sein Lebensende beschäftigen sollte. Die Spannweite reicht von Werken aus Warhols erster Ausstellung "Fifteen Drawings Based on the Writings of Truman Capote" (1952) über bisher noch nie gezeigte "marmorierte Papierskulpturen" (1954) bis hin zu kaum gezeigten "Drag-Zeichnungen" (1953) und Buchprojekten wie "In the Bottom of My Garden" (1958).

Die ausgewählten Arbeiten verdeutlichen Warhols frühe Beschäftigung mit ikonografisch klar definierten Serien – insbesondere sein Interesse an Varianten der Geschlechterperformance – sowie die Entwicklung einer spezifischen Motivsprache, die in unterschiedlichsten Kontexten immer wieder aufs Neue erscheint. So lässt sich Andy Warhols Frühwerk nicht mehr als rein "kommerziell" abstempeln.

Die zweite Ebene stellt Warhols Ausstellungsmodi der 1960er-, 1970er- und 1980er- Jahre mit Schwerpunkt auf die Präsentation einzelner Werkserien in den Mittelpunkt. Thematisiert wird die enge Verwobenheit von Werk und Präsentationsmodus.

Die Ausstellung wird von einer umfangreichen wissenschaftlichen Publikation begleitet. Mit aktuellen Textbeiträgen von Marianne Dobner, Naoko Kaltschmidt, Natalie Musteata, Neil Printz, Nina Schleif und Jennifer Sichel, die sich Warhols umfassender Ausstellungsgeschichte auf unterschiedlichste Art und Weise nähern.

Andy Warhol Exhibits a glittering alternative"
Defrosting the icebox.
25. September 2020 bis 31. Jänner 2021
Kuratiert von Marianne Dobner

Mumok
Museumsplatz 1
A - 1070 Wien

T: 0043 (0)1 52500
E: info@mumok.at
W: http://www.mumok.at/

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  •  25. September 2020 31. Januar 2020 /
Andy Warhol, Male Portrait, 1950s, Kugelschreiber auf Hanfpapier, Gesamt: 42.5 × 35.2 cm © The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. 1998.1.1768.2 /Licensed by Bildrecht Wien, 2020
Andy Warhol, Male Portrait, 1950s, Kugelschreiber auf Hanfpapier, Gesamt: 42.5 × 35.2 cm © The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. 1998.1.1768.2 /Licensed by Bildrecht Wien, 2020
Andy Warhol, Fish, 1983, Acryl und Siebdrucktinte auf Leinen, Aufgespannt: 20.3 × 25.4 cm © The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. 1998.1.280/Licensed by Bildrecht Wien, 2020
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Andy Warhol, Blow Job, 1964, 16mm s/w Film, stumm, 41 Minuten mit 16 Bildern pro Sekunde © 2019 The Andy Warhol Museum, Pittsburgh, PA, a museum of Carnegie Institute. All rights reserved. Film still courtesy The Andy Warhol Museum
Andy Warhol, Blow Job, 1964, 16mm s/w Film, stumm, 41 Minuten mit 16 Bildern pro Sekunde © 2019 The Andy Warhol Museum, Pittsburgh, PA, a museum of Carnegie Institute. All rights reserved. Film still courtesy The Andy Warhol Museum
Andy Warhol, In the Bottom of My Garden, ca. 1956, Künstlerbuch, Offsetdruck auf Papier, handkoloriert, 21,9 x 28,6 x 1 cm, 2013, Udo und Anette Brandhorst Stiftung, Photo: Haydar Koyupinar Courtesy Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Museum Brandhorst München © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Bildrecht, Wien, 2020
Andy Warhol, In the Bottom of My Garden, ca. 1956, Künstlerbuch, Offsetdruck auf Papier, handkoloriert, 21,9 x 28,6 x 1 cm, 2013, Udo und Anette Brandhorst Stiftung, Photo: Haydar Koyupinar Courtesy Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Museum Brandhorst München © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Bildrecht, Wien, 2020
Ausstellungsansicht, "Andy Warhol Exhibits a glittering alternative", Photo: Klaus Pichler © mumok
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Ausstellungsansicht, "Defrosting the icebox", Die versteckten Sammlungen der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museum Wien und des Weltmuseum Wien zu Gast im Mumok, Photo: Klaus Pichler © mumok
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Ausstellungsansicht, "Defrosting the icebox", Photo: Klaus Pichler © mumok
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Raid the Icebox 1 with Andy Warhol, April 23 – June 30, 1970, Museum of Art, Rode Island School of Design, Providence, RI
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