12. August 2007 - 2:48 / Ausstellung / Archiv 
4. Mai 2007 19. August 2007

William Eggleston zählt zu den großen Legenden der Fotografie, als Nestor der künstlerischen Farbfotografie übt sein Werk seit mehr als 30 Jahren starken Einfluss auf die zeitgenössische Fotografie aus. Das erst kürzlich mit Unterstützung von PIN erworbene Portfolio »Southern Suite« ist nun Anlass, vier der wichtigsten frühen Portfolios des Künstlers erstmals in der Münchner Pinakothek der Moderne vorzustellen.

William Eggleston (*1939 Memphis, Tennessee) wuchs auf der elterlichen Baumwollplantage auf und begann bereits als Jugendlicher zu fotografieren. Während seines Studiums an der Vanderbilt University setzte er sich intensiv mit Fotografie auseinander und wurde vor allem durch das Werk von Walker Evans und Henri Cartier-Bresson inspiriert. Nach ersten Versuchen mit Schwarzweißfotografie arbeitet er seit 1965 ausschließlich in Farbe. Während einer Reise nach New York lernte Eggleston nicht nur führende Fotografen seiner Zeit wie Diane Arbus, Lee Friedlander und Gary Winogrand kennen, sondern er begegnete dem einflussreichen Fotokurator John Szarkowski.

Neun Jahre später richtete Szarkowski ihm eine Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art aus, die Egglestons Ruhm begründete und bis heute zu den Meilensteinen der Fotografie zählt ebenso wie der gleichzeitig erschienene, inzwischen als Reprint erhältliche »William Eggleston"s Guide«.

Im Laufe seiner fotografischen Karriere hat Eggleston mehr als zwanzig Portfolios und Künstlerbüchern publiziert und war auf einer Vielzahl von Ausstellungen vertreten. Bis heute unternimmt er Reisen weltweit und dokumentiert seine Eindrücke in umfangreichen Fotoprojekten. Neben vielen Auszeichnungen erhielt er für sein Lebenswerk den Hasselblad Award (1998) sowie den Getty Images Lifetime Achievement Award (2004).

Egglestons Oeuvre umfasst Zehntausende von Fotografien, von denen bis heute nur ein geringer Teil vergrößert, ausgestellt und publiziert wurde. Seine Fotografien zeichnen sich durch die meisterhafte Gestaltung von Farbe aus: Eggleston sieht in Farbe und überträgt sie in virtuos inszenierte Bildkompositionen, deren Wirkung durch das technisch aufwendige Dye-Transfer-Verfahren intensiviert wird. Sein fotografischer Stil ist dabei der Schnappschussästhetik entliehen, Eggleston fotografiert aus dem Moment heraus, was immer seine Aufmerksamkeit fesselt: Triviale, beiläufig anmutende Dinge, Orte oder Situationen aus dem Alltagsleben, die er durch seine Sichtweise atmosphärisch auflädt und zu einem sich ständig fortschreibenden, visuellen Roman über amerikanischen Süden verdichtet.

Doch nie sind seine Fotografien Dokumente, sie sind autonome Bilder, die vor allem eins wollen: sich selbst genügen. Lakonisch, geistreich, manchmal melancholisch, manchmal voll Ironie erzählen sie von Schönheit und Hässlichkeit der uns umgebenden Welt, von der Oberfläche der Erscheinungen und ihren verborgenen Rätseln. Dabei wird jede Fotografie Teil eines stetig wachsenden, komplexen Bilderkosmos, in dem jedes Sujet gleichwertig ist. »Demokratisch« nennt Eggleston diesen Blick auf die Welt.

1974, noch vor seiner Bahn brechenden, kontrovers diskutierten Ausstellung im Museum of Modern Art, publizierte Eggleston sein erstes Portfolios, »14 Pictures«, im Rückblick ein Präludium für den zwei Jahr später erscheinenden »William Eggleston"s Guide«. In loser Folge manifestieren die hier versammelten Bilder Egglestons spezifischen Blick auf die Welt, seinen eigenwilligen, die konventionellen Standards fotografischer Bildkunst unterlaufenden Ansatz, den er in den Portfolios »Troubled Waters« (1980) und »Southern Suite« (1981) fortführt.

1983 erhält Eggleston den Auftrag, Graceland, das letzte Refugium Elvis Presleys, für einen Touristenführer zu fotografieren. Entgegen seiner sonstigen Vorgehensweise muss er unter beengten Verhältnissen nachts arbeiten und künstliche Lichtquellen einsetzen. Nur kurz wird der Führer mit seinen Bildern vertrieben, 1984 publizierte Eggleston eine eigene Auswahl von elf Fotografien, die ein eindrückliches Psychogramm von Presley und seiner posthumen Glorifizierung zeichnen.


William Eggleston - Portfolios
04. Mai bis 19. August 2007

Pinakothek der Moderne
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Aus '14 Pictures', 1974; © Egglestone Artist Trust; Penny Pritzker and Bryan Traubert
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Aus '14 Pictures', 1974; © Egglestone Artist Trust; Penny Pritzker and Bryan Traubert
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Aus '14 Pictures', 1974; © Egglestone Artist Trust; Penny Pritzker and Bryan Traubert
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Aus '14 Pictures', 1974; © Egglestone Artist Trust; Penny Pritzker and Bryan Traubert
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Aus 'Southern Suite', 1981; © Egglestone Artist Trust; Siemens Arts Program