In einer Soloausstellung werden in der Galerie Gugging Arbeiten von Marko Djurdjevic gezeigt. Seine Malerei liest sich wie ein aufgeschlagenes Tagebuch. Erinnerungen, Erlebnisse und Orte verdichten sich auf seinen Ölbildern und Holzdrucken in einem eindrucksvollen Blau, das seit 2020 als Grundton sein Werk prägt. Die Farbe fungiert dabei als emotionaler Filter, Träger biografischer Schichten und Raum der Reflexion. Sie verweist auf einen Weg, der nicht immer geradlinig verläuft, der jedoch mit beeindruckender Klarheit und Entschlossenheit beschritten wird.
Der 2001 in Wien geborene Künstler lebt und arbeitet in Klosterneuburg. Er erlernte die Malerei sowie später das Holzschnittverfahren autodidaktisch. Mit knapp fünf Jahren kam er in das Kinderheim Klosterneuburg, in dem er bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr lebte. Diese prägenden Jahre bilden die zentrale Grundlage seines autobiografisch geprägten Œuvres. In seinen großformatigen Ölgemälden verarbeitet er Themen wie Zugehörigkeit, Einsamkeit, Geborgenheit und Aufbruch. Neben Natur und biografischen Orten spielen dabei Tiere eine wesentliche Rolle – als frühe Bindungen –, wie etwa ein von der Mutter verstoßenes Lamm, das er einst im Heim liebevoll mit der Flasche aufzog. Ein wiederkehrendes Motiv ist auch Djurdjevics Hund Vincent, den der Künstler aus einem Tierheim auf Sardinien adoptierte und der zu seinem ständigen Begleiter und Teil seines künstlerischen Alltags wurde.
Galerie-Gugging-Direktorin Nina Katschnig ist beeindruckt von der fokussierten Ausrichtung des gerade einmal 24-jährigen Künstlers, den ihre Galerie seit Herbst 2025 vertritt: „Marko Djurdjevic ist mit seinem ganzen Sein Künstler! Die Zielstrebigkeit, mit der er seinen Weg beschreitet, ist einzigartig. Marko malt täglich und verkaufte sogar sein Motorrad, um sich seinen Katalog finanzieren zu können. Wenn in Markos Leben einmal etwas nicht so glatt läuft, fährt er in sein Atelier in Klosterneuburg, verarbeitet seine Emotionen in einem neuen Ölbild und transformiert so die negative Energie in etwas Berührendes, das bleibt.“ Die dabei entstehende Tiefe, gepaart mit den autobiografischen Motiven des Künstlers in markantem Blau, ist in den Arbeiten spürbar und macht den unverwechselbaren Charme von Djurdjevics Kunst aus. Neben den kleinen und großformatigen Ölbildern nimmt der Holzdruck mittlerweile eine zentrale Stellung im Werk des Künstlers ein. Djurdjevic eignete sich die Technik des Holzschnitts in der Tradition von Werner Berg vor rund zweieinhalb Jahren autodidaktisch an und kaufte hierfür eigens eine Druckerpresse aus Deutschland. Ein weiterer Beweis für die beeindruckende Entschlossenheit, mit der der junge Künstler seinem Herzen folgt und seine Visionen in die Tat umsetzt.
Bei seinem kreativen Schaffen zieht es den Künstler oft mitten in der Nacht in die Natur. Viele Werke entstehen im Freien – in den Donauauen, in den Wäldern rund um Maria Gugging oder auf der Pionierinsel – und werden dann in seinem Atelier in Klosterneuburg vollendet. Regentropfen, Wind, Hundehaare oder andere zufällige Spuren bleiben dabei bewusst als Bestandteile der Malerei erhalten. So schreiben sich die Natur, die Umgebung und der Malprozess unmittelbar in seine Werke ein. Viel authentischer und biografischer geht es kaum. Die Arbeiten von Marko Djurdjevic finden sich in der Diamond Collection, der Sammlung des Stiftes Klosterneuburg, den Niederösterreichischen Landessammlungen sowie in zahlreichen privaten Sammlungen.
Marko Djurdjevic – Am Weg
12. Februar bis 22. Mai 2026