Das Kunsthaus Zürich widmet der Genfer Künstlerin Alice Bailly zwei Ausstellungsräume. Im Mittelpunkt stehen ihre innovativen Wollbilder, die heute als Meilenstein der Schweizer Moderne gelten.
Im Zentrum der Sammlung im Moser-Bau werden 22 Werke gezeigt, darunter Ölgemälde, Arbeiten auf Papier und insbesondere die „tableaux-laine” – Alice Baillys legendäre Wollbilder. Baillys Werk bewegt sich zwischen Abstraktion und gegenständlicher Darstellung und ist von futuristischen und kubistischen Einflüssen inspiriert. Ihre Bilder zeigen Figuren, Gegenstände und Szenen, die unterschiedlich stark abstrahiert sind. Bailly wurde 1926 an der Biennale von Venedig ausgezeichnet und 1936 mit der Ausmalung des Foyers im Stadttheater Lausanne betraut.
Ihre Wollbilder gelten heute als wegweisend, zu ihren Lebzeiten wurden sie jedoch als kunsthandwerkliche Experimente abgetan und fanden entsprechend wenig Anklang beim Publikum. Bailly selbst war stets von der Relevanz ihrer Wollbilder überzeugt und hielt sie der Ölmalerei für ebenbürtig. Die taktile Qualität der Wolle verleiht den Werken eine einzigartige Oberfläche und Wirkung: Figuren und Landschaften wirken haptisch und zugleich abstrahiert – ein einzigartiger Beitrag zur Entwicklung der modernen Bildsprache in der Schweiz.
Baillys künstlerische Sprache entwickelte sich im Austausch mit der Avantgarde in der Schweiz und in Frankreich. In Paris, wohin sie 1906 zog, kam sie früh mit dem Fauvismus in Berührung, der ihre Farbgebung nachhaltig prägte. Auch der Futurismus hinterließ Spuren in ihren Werken, indem Bailly Bewegung auf der Leinwand festhielt und sichtbar machte. Bald konnte Bailly erste Erfolge in den Pariser Salons des Indépendants und d’Automne verbuchen und hatte 1913 ihre erste Einzelausstellung im Musée Rath in Genf. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte sie nach Genf zurück, wo sie sich mit der Dada-Bewegung auseinandersetzte und ihre Wollbilder schuf.
Alice Bailly (1872–1938) wurde in Genf geboren. Sie besuchte die École des demoiselles, die „Töchterschule” der Genfer École des Beaux-Arts, und verbrachte künstlerisch prägende Aufenthalte im Wallis, in Paris und in der Bretagne. In Paris begegnete sie Künstlerinnen und Künstlern wie Cuno Amiet, Sonia Delaunay, Raoul Dufy oder Marie Laurencin und erhielt dreimal ein eidgenössisches Kunststipendium. 1907 entdeckte sie die Bretagne. Die Begegnung mit Landschaft und Licht inspirierte sie zu den „Scènes bretonnes”.
Über die Jahre zog sie zwischen Paris und Genf hin und her, bevor sie sich 1923 in Lausanne niederließ, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1938 lebte. Bereits zu Lebzeiten wurden Baillys Werke mehrfach im Kunsthaus Zürich ausgestellt.
Bailly war nicht nur in ihrem Schaffen wegweisend, sondern galt auch als eine der modernsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Sie lehnte geschlechtsspezifische Abgrenzung ab und setzte sich über Rollenbilder hinweg.
Alice Bailly – Pionierin der Moderne
Bis zum 15. Februar 2026