21. Juli 2019 - 4:13 / Ausstellung 
20. Juli 2019 24. November 2019

Die britische Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg (*1982, London) beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Natur und Mensch und untersucht, wie sich dieses durch den Fortschritt von Design und Technologie verändert. Basierend auf ihren Forschungsarbeiten entwickelt sie suggestive Kunstwerke, die bedrohlich und poetisch zugleich wirken. Eine Auswahl davon zeigt die Gallery des Vitra Design Museums vom 20. Juli bis 24. November 2019 in einer Einzelausstellung und verfolgt den Weg der Künstlerin und kritischen Designerin.

Die ausgebildete Architektin und Interaktionsdesignerin interessiert sie sich besonders für die »Synthetische Biologie«, eine aufkommende Technowissenschaft, die sich mit dem Design lebender Materie beschäftigt. In diesem Zusammenhang ist Ginsberg schon lange von der Prämisse fasziniert, die allem Design zugrunde liegt: dem Bedürfnis nach »Verbesserung«. Aber was genau bedeutet »besser«? Besser für wen? Und wer entscheidet, was besser ist? Diese Fragen sind besonders in Zeiten von radikalem technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt entscheidend und stellen die Grundlage für »Better Nature« dar.

»Als ich als Studentin 2008 das erste Mal von der Synthetischen Biologie hörte, war ich direkt fasziniert von der dahinterstehenden Ideologie. Durch Fortschritte in der Biotechnologie begannen Wissenschaftler und insbesondere auch Ingenieure, lebende Materie zu gestalten. Ich war neugierig: Wenn Ingenieure nun auch gestaltend tätig werden, wie wird dann Natur gestaltet, wie wird Design definiert und durch wen – und welche Aufgabe haben Designer in einer solchen Zukunft? Um dieser Frage nachzugehen, habe ich in den letzten zehn Jahren Labore besucht und mit Vertretern der Synthetischen Biologie zusammengearbeitet. Dabei habe ich tiefe Einblicke in die politische, kulturelle, wirtschaftliche und technologische Bedeutung dieses Forschungsfelds gewonnen,« so Ginsberg. Ihre Auseinandersetzungen mit möglichen zukünftigen Realitäten, die mithilfe von Synthetischer Biologie erzeugt werden könnten, laden Besucher ein, den technologischen Fortschritt aus neuen Perspektiven zu betrachten.

Die Ausstellung präsentiert sechs Arbeiten Ginsbergs, von denen vier zwischen 2009 und 2015 entstanden. Sämtliche Werke entwickelte sie in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten, von Wissenschaftlern und Ingenieuren über Künstler und Historiker bis hin zu Sozialwissenschaftlern. »E. chromi« (2009) schlägt ein neues Diagnoseverfahren vor, bei dem uns in der Nahrung aufgenommene gentechnisch veränderte Bakterien vor möglichen Krankheiten warnen können. Bessere Medizin oder innere Überwachung? In »Growth Assembly« (2009), welches in Zusammenarbeit mit dem Künstler Sascha Pohflepp entstand, präsentiert die Künstlerin eine Zukunft, in der Pflanzen gentechnisch verändert werden, um Konsumgüter oder Werkzeuge herzustellen. Eine bessere, nachhaltigere Zukunft? In »The Synthetic Kingdom« (2009) erzeugen Bakterien biologisch abbaubares Plastik, Computerchips bestehen aus Nanobakterien und Glühbirnen leuchten mit Hilfe von biolumineszierenden Enzymen. Was jedoch, wenn diese »lebenden Maschinen« auch unerwünschte Ergebnisse liefern? »Designing for the Sixth Extinction« (2013–15) beschreibt eine neue Biodiversität, in der künstliche »Begleitspezies« in die Natur eingeführt werden, um gefährdete Tiere und Pflanzen zu unterstützen.

»Better Nature« präsentiert diese Arbeiten zusammen mit zwei neuen Projekten, die eine neue Phase in Ginsbergs künstlerischer Laufbahn markieren. »Resurrecting the Sublime« (2019), eine Zusammenarbeit mit Christina Agapakis vom Biotechnologieunternehmen Ginkgo Bioworks und der Geruchsforscherin und Künstlerin Sissel Tolaas, ermöglicht es den Besuchern, eine ausgestorbene Blume zu riechen, deren Duft mit Hilfe von DNA-Proben aus dem Pflanzenarchiv der Harvard University rekonstruiert wurde. »The Wilding of Mars« (2019), eine digitale Arbeit, die erstmals in der Vitra Design Museum Gallery gezeigt wird, schlägt eine Alternative zur Kolonisierung fremder Planeten vor: eine, die frei von menschlicher Ausbeutung ist.

Dr. Alexandra Daisy Ginsberg studierte Architektur an der University of Cambridge, war Gastwissenschaftlerin an der Harvard University und erhielt 2009 ihren MA in Design Interactions am Londoner Royal College of Art. Im Jahr 2017 schloss sie ihre praktische Doktorarbeit »Better« am Royal College of Art ab; Thema war die Frage, wie mächtige Träume einer besseren Zukunft die Dinge prägen, die heute entworfen werden (betreut von Professor Sarah Teasley und Professor Anthony Dunne). Im Jahr 2011 erhielt Ginsberg den »World Technology Award« für Design vom World Technology Network und 2012 die »London Design Medal for Emerging Talent« des London Design Festival. Ihre Arbeit wurde zweimal vom London Design Museum für »Designs of the Year« (2011, 2015) nominiert. Sie stellt international aus, darunter im MoMA New York, dem Museum of Contemporary Art in Tokio, dem National Museum of China, dem Centre Pompidou und dem Cooper Hewitt Museum New York. Ihre Werke befinden sich in Museen und Privatsammlungen. Sie ist Hauptautorin des Buchs »Synthetic Aesthetics: Investigating Synthetic Biology's Designs on Nature« (MIT Press, 2014) und gibt Vorträge bei TEDGlobal, PopTech, Design Indaba oder dem New Yorker Tech Fest. Ginsberg ist Resident Artist in den Somerset House Studios, London.

Alexandra Daisy Ginsberg: Better Nature
20. Juli bis 24. November 2019

Vitra Design Museum
Charles Eames-Strasse 1
D - 79576 Weil am Rhein

T: 0049 (0)7621 7023-200
F: 0049 (0)7621 7023-590
E: info-weil@design-museum.de
W: http://www.design-museum.de/

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Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, E. chromi Flaschen, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, Foto: Åsa Johannesson
Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, E. chromi Flaschen, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, Foto: Åsa Johannesson
Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, E. chromi, 2009 © iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, Foto: James King
Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, E. chromi, 2009 © iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, Foto: James King
Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, E. chromi scatalog, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, Foto: Åsa Johannesson
Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, E. chromi scatalog, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg und James King mit dem iGEM 2009 Team der Universität Cambridge, Foto: Åsa Johannesson
Alexandra Daisy Ginsberg, The Synthetic Kingdom, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Carole Suety
Alexandra Daisy Ginsberg, The Synthetic Kingdom, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Carole Suety
Alexandra Daisy Ginsberg, The Synthetic Kingdom, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Carole Suety
Alexandra Daisy Ginsberg, The Synthetic Kingdom, 2009 © Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Carole Suety
Portrait von Alexandra Daisy Ginsberg © Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Nathalie Théry
Portrait von Alexandra Daisy Ginsberg © Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Nathalie Théry