Die Sammlung von Werken Alberto Giacomettis (1901–1966) erhält mit dem Chipperfield-Bau des Kunsthauses Zürich eine neue Heimat. Den Auftakt bildet eine konzentrierte Ausstellung mit Hauptwerken aus der surrealistischen Periode sowie den weltberühmten Plastiken aus der Zeit nach 1945.
Diese erste Präsentation markiert den Beginn eines größeren Projekts: Im Herbst 2026 wird die Ausstellung neu kuratiert, deutlich erweitert und in vier aufeinanderfolgenden Räumen das gesamte Schaffen des Künstlers zeigen.
Alberto Giacometti zählt zu den bedeutendsten Kunstschaffenden des 20. Jahrhunderts. 1901 im bündnerischen Bergell in der Schweiz geboren, wirkte er als Bildhauer, Maler und Zeichner in Paris und erlangte mit seinem Werk Weltruhm. Für das Kunsthaus Zürich ist Giacometti von zentraler Bedeutung: Dank der Dauerleihgaben der Alberto Giacometti-Stiftung verfügt das Museum über die weltweit bedeutendste museale Sammlung seiner Werke.
Die Bestände der Stiftung umfassen Arbeiten aus allen Schaffensphasen und werden im Kunsthaus durch Werke aus der eigenen Sammlung sowie der Kunstfreunde Zürich ergänzt. Die Alberto Giacometti-Stiftung wurde 1965 in Zürich gegründet. Zu ihrem Grundstock zählen bedeutende Erwerbungen aus der Sammlung des amerikanischen Industriellen G. David Thompson sowie Schenkungen von Alberto Giacometti selbst kurz vor seinem Tod. Über die Jahre wurde der Bestand kontinuierlich erweitert, unter anderem durch umfangreiche Schenkungen von Bruno und Odette Giacometti, dem Bruder des Künstlers und dessen Frau.
Nach fünf Jahren der Präsentation im sogenannten Müller-Bau von 1976 wird Giacomettis Werk ab Februar 2026 im Chipperfield-Bau neu verortet. Die Auftaktausstellung konzentriert sich in zwei Räumen im zweiten Geschoss auf die surrealistischen Hauptwerke sowie auf ikonische Plastiken der Nachkriegszeit. Ab Herbst 2026 wird diese Präsentation neu kuratiert und erweitert, sodass dann das gesamte künstlerische Schaffen Giacomettis – von den frühen Arbeiten bis zum Spätwerk – in vier Räumen gezeigt wird.
Schon früh von seinem Vater Giovanni Giacometti gefördert, entwickelte Alberto Giacometti in Paris eine eigenständige künstlerische Sprache. Mit seinen neuartigen Objekten und Plastiken wurde er Teil der surrealistischen Avantgarde. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte er zur intensiven Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur zurück und fand zu jenem unverwechselbaren Stil, der ihn weltberühmt machte: hoch aufragende, fragile Figuren und eindringliche Büsten, die das Verhältnis von Mensch und Raum neu definieren. Trotz seines internationalen Wirkens blieb Giacometti dem Bergell eng verbunden.
Ein besonderer Höhepunkt der Auftakt-Ausstellung ist eine neue Leihgabe der Alberto Giacometti-Stiftung und einer Schweizer Privatsammlung, die erstmals präsentiert wird: ein Bronzeguss des surrealistischen Hauptwerks „L’Objet invisible” (1934/35). Die berühmte Plastik zeigt eine stilisierte Frauenfigur, deren Hände scheinbar ein nicht sichtbares Objekt umfassen – ein Schlüsselwerk der Moderne, das das Unsichtbare und Unbekannte erfahrbar macht. Ergänzt wird die Präsentation durch ausgewählte Gemälde von Wegbegleiterinnen und Zeitgenossen Giacomettis aus der Sammlung des Kunsthauses Zürich.
Die Ausstellung, die im Februar 2026 startet, ist bewusst als Auftakt konzipiert. Mit der umfassenden Erweiterung im Herbst 2026 positioniert sich das Kunsthaus Zürich als international bedeutendes Zentrum für die Erforschung, Vermittlung und Präsentation von Alberto Giacomettis Werk – eines Künstlers von Weltrang mit starken Wurzeln in der Schweiz.