8. Dezember 2020 - 1:36 / Ausstellung / Malerei 
8. Dezember 2020 23. Mai 2021

Mit mehr als einhundert Arbeiten präsentiert die Ausstellung den bislang umfassendsten Einblick in das Werk von Maja Vukoje. Die Künstlerin verschränkt in ihrem Werk Themen unserer globalisierten Lebenswelt mit aktuellen Malereidiskursen. Für ihre bislang umfassendste Personale schuf Vukoje eine ortsspezifische Rauminstallation im Pavillon des Belvedere 21.

Maja Vukoje nimmt die Vermischung und Verschmelzung von Elementen verschiedener Kulturen mehrfach in den Blick. Die Künstlerin beschäftigen Fragen wie: Was erzählen uns Materialien wie Jute und Produkte wie Zucker, Kaffee, Kakao über Wirtschaft und Macht in einer globalisierten Welt? Wie hängt dies mit dem Autonomieanspruch der malerischen Abstraktion der Moderne zusammen? Und welche Ansätze verfolgt die Malerei heute, um sich selbst, ihre Geschichte und ihre vielfältigen Wechselverhältnisse zu reflektieren?

In ihrer Ausstellung treffen tropische Früchte und andere Handelswaren mit kolonialen Spuren auf Symbole unseres digitalisierten Alltags und der Überwachung unserer Körper, Motive aus der Populärkultur begegnen ikonischen Werken der malerischen Abstraktion. In den dargestellten Motiven wie auch in den gewählten malereifremden Materialien und künstlerischen Verfahren betont die Künstlerin das Überschreiten medialer Grenzen. Seit 2014 verwendet sie als Bildträger ausschließlich grob gewebte, nicht grundierte Jute. Materielle Eigenschaften und inhaltliche Bedeutungsebenen lotet sie in Experimenten mit (mal-)technischen Prozessen aus. So setzt Maja Vukoje in einer Reihe von Arbeiten Zucker, Kaffee oder Kakao sowohl als Bildsujet als auch als Malmittel ein.

Eine eindrucksvolle Werkserie zeigt halbgeschälte Früchte wie Avocado, Orange oder Süßkartoffel in plastisch-illusionistischer Darstellung. In ihrer vereinzelnden, monumentalen Inszenierung lassen diese an Bildkompositionen der Porträtmalerei denken. Durch Gesten des Auf- und Abtragens von Farbe arbeitet Vukoje die taktilen Beschaffenheiten von Fruchtoberfläche, Schale und Fruchtfleisch heraus. In einer Reihe großformatiger gemalter Collagen treffen Motive aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen auf solche aus unserer Gegenwart: Masken aus dem Neolithikum auf Unterwäsche und einen Flipflop oder auch Hygieneartikel wie Toilettenpapier und Desinfektionsmittel – in der aktuellen Pandemie stark aufgeladene Gegenstände. Als Dinge aus unserem Alltag erzählen sie von sozialem Zusammenleben, aber auch von Verhältnissen und Abhängigkeiten zwischen Mensch und Natur, Mensch und Technik.

Die ikonische Serie "Homage to the Square" des Malers Josef Albers ist für Maja Vukoje ein wichtiger Bezugspunkt. Diese Werkgruppe lotet die Wirkung reiner Farben abhängig von ihrer Kombination und Proportion zueinander im gleichbleibenden Bildaufbau eines stufenweise vergrößerten Quadrats aus. Vukoje zitiert diesen Bildaufbau nicht nur in den erwähnten Arbeiten, die Zucker, Kaffee und Kakao als Malsubstanzen verwenden. Für die Ausstellung im Belvedere 21 erarbeitete sie zudem die mehrteilige ortsspezifische Intervention Nach Albers im Obergeschoss des Karl-Schwanzer-Pavillons, eines Paradebeispiels der österreichischen Nachkriegsmoderne: Industriell vorgefärbte Jutebahnen sind in spezieller Anordnung in die Gliederung der Innenfassade eingepasst. Sie entfalten ein lebendiges Spiel von Licht und Schatten, Farbe und Materialität und lenken den Blick auf die Qualitäten des offenen Raumplans. Für Passant_innen ist die Installation von Arsenalstraße und Schweizergarten aus Tag und Nacht wahrnehmbar und fungiert so als Signal in den Außenraum.

Maja Vukoje, 1969 in Düsseldorf geboren, in Belgrad aufgewachsen, lebt seit 1988 in Wien. Sie studierte Malerei bei Maria Lassnig und Christian Ludwig Attersee an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Ihr Werk ist seit den 1990er-Jahren mit zahlreichen Stipendien und Preisen gewürdigt worden.

Maja Vukoje
Auf Kante
8. Dezember 2020 bis 23. Mai 2021

Belvedere 21
Quartier Belvedere
Arsenalstraße 1
A - 1030 Wien

W: https://www.belvedere.at/bel_de/belvedere/belvedere_21

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  •  8. Dezember 2020 23. Mai 2021 /
 Maja Vukoje, Orange, 2017,  Foto: Roland Krauss, © Bildrecht, Wien
Maja Vukoje, Orange, 2017, Foto: Roland Krauss, © Bildrecht, Wien
 Maja Vukoje, Billboard, 2011, Land Tirol, Foto © Wolfgang Woessner © Bildrecht, Wien
Maja Vukoje, Billboard, 2011, Land Tirol, Foto © Wolfgang Woessner © Bildrecht, Wien
 Maja Vukoje, Albersburg, 2017, Sammlung Myung Il Song, Foto © Roland Krauss © Bildrecht, Wien
Maja Vukoje, Albersburg, 2017, Sammlung Myung Il Song, Foto © Roland Krauss © Bildrecht, Wien
 Maja Vukoje, Paravent, 2014, Foto: Markus Wörgötter, © Bildrecht, Wien
Maja Vukoje, Paravent, 2014, Foto: Markus Wörgötter, © Bildrecht, Wien
 Ausstellungsansicht "Maja Vukoje. Auf Kante",  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien © Bildrecht, Wien 2020
Ausstellungsansicht "Maja Vukoje. Auf Kante", Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien © Bildrecht, Wien 2020