12. Mai 2008 - 3:57 / Ausstellung / Archiv 
1. Februar 2008 18. Mai 2008

Adolf Wölfli (1864-1930) wird heute zu den bedeutenden Künstlern des 20. Jahrhunderts gezählt. Eine Ausstellung im Berner Kunstmuseum zeigt nun vom 1. Februar bis 18. Mai 2008 Wölflis persönlich-obsessives Universum, das in einzigartiger Weise die Welt spiegelt, von der er ausgestossen war.

Anfang des 20. Jahrhunderts hat Adolf Wölfli auf über 25"000 Seiten sein Leben neu erfunden, zuerst in Form einer spektakulären Kindheit, dann als glorreiche Zukunft, von ihm "Skt. Adolf-Riesen-Schöpfung" genannt. Er transformierte seine Vergangenheit als Waise und Verdingbub, gedemütigter Knecht, Handlanger und Wanderarbeiter, Zuchthausinsasse und schliesslich als Patient der psychiatrischen Heilanstalt Waldau bei Bern. 1895 hatte er dort auf Geheiss der Ärzte seine erste Lebensgeschichte verfasst, die er in den darauffolgenden Jahrzehnten durch Prosa und Poesie, Musik und Kompositionen, Zahlen und Zeichnungen zur endlosen Erzählung erweiterte.

Die Skt. Adolf-Riesen-Schöpfung war nach Gottes Schöpfung die Zweite. Bis in alle Details beschreibt Wölfli, wie in naher Zukunft sein wirklicher Neffe Rudolf dank eines endlosen Vermögens die Erde und das Universum aufkaufen, urbanisieren und umbennen wird. Wölfli selbst wird zu Skt. Adolf II. und ihrem MIttelpunkt. Für die Konstruktion der Skt. Adolf-Riesen-Schöpfung nutzt Wölfli die Aussenwelt schamlos als Steinbruch, ersetzt dabei aber ihre Konventionen und Normen durch seine eigenen. Damit hinterliess er ein hochpersönliches Werk, das gleichzeitig unsere Welt auf einzigartige Weise spiegelt. Wölflis Kunst hat bis heute nichts an Radikalität, Dramatik, Komik und Schönheit eingebüsst.

Adolf Wölfli Universum präsentiert in einer bisher ungesehenen Fülle Wölflis Kunst und Weltentwurf. Dazu gehören nicht nur Bilder, Texte und Musik, sondern auch eine Projektion, welche den 8000-seitigen Trauer-Marsch und Wölflis Denken und Vorgehen exemplarisch zugänglich macht.

Adolf Wölfli (* 29. Februar 1864 in Bowil, † 6. November 1930 in Bern) lebte ab 1895 bis zu seinem Tode in der Psychiatrischen Klinik Waldau bei Bern. Während seines über dreißigjährigen Aufenthalts schuf er ein umfassendes Werk von rund 1500 Zeichnungen, 1500 Collagen und 25.000 zu Heften gebundenen Seiten. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Art Brut oder der Outsider Art.


Zur Ausstellung erscheint "Adolf Wölfli Universum" mit Texte und Beiträgen von u.a. Adolf Wölfli, Aristophanes, Kurt Schwitters, Daniel Baumann, Tobias Madison, Emmanuel Rossetti, Otto Nebel, Hugo Ball, 120 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, CHF 20.-

Adolf Wölfli Universum. Eine Retrospektive
1. Februar bis 18. Mai 2008

Kunstmuseum Bern
Hodlerstrasse 8-12
CH - 3000 Bern

T: 0041 (0)31 32809-44
F: 0041 (0)31 32809-55
E: info@kunstmuseumbern.ch
W: http://www.kunstmuseumbern.ch/

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Campell's Tomato Soup, 1929. Seite 3359 aus dem Trauer-Marsch; Bleistift, Collage auf Zeitungspapier, 70 x 50 cm. © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
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Zungsang-Skt.Adolf-Roosali, 1917. Bleistift, Farbstift und Collage auf Zeitungspapier. Aus: Hefte mit Liedern und Tänzen, Heft 15, S.383, 99 x 69 / 70 cm. © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
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Die Skt.Wandanna-Kathedrale in Band-Wand, 1910. Aus: Von der Wiege bis zum Graab, Heft 4, S.205. Bleistift und Farbstift auf Zeitungspapier, 99,4 x 71,8 cm. © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
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Adolf Wölfli, von ihm selbst koloriert, um 1927. © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
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Adolf Wölfli um 1920. © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern