Im Jahr 2026 widmet sich das Barockbaumeister Museum Au unter dem programmatischen Titel "Adel verpflichtet" der historischen Bedeutung von Franz Beer von Bleichten.
Ein vielfältiges Ausstellungs-, Vortrags- und Veranstaltungsprogramm lädt bis zum 31. Oktober zur Auseinandersetzung mit den Werken der Barockbaumeister der Auer Zunft, mit zeitgenössischer Kunst und mit regionaler Identität ein. Mit diesem breit gefächerten Programm positioniert sich das Barockbaumeister-Museum 2026 als lebendiger Ort des Dialogs.
Anlässlich des 300. Todestages von Franz Beer von Bleichten widmet das Museum diesem bedeutenden und zugleich rätselhaften Baumeister des Bregenzerwaldes ein umfangreiches Programm. Unter dem Titel „Adel verpflichtet“ rückt eine Ausstellung bis zum 31. Oktober das Leben, das Werk und die Nachwirkung von Franz Beer von Bleichten ins Zentrum. Herzstück der Ausstellung sind hochrangige Originale: der Adelsbrief Kaiser Karls VI., mit dem Franz Beer von Bleichten in den Adelsstand erhoben wurde, sowie die beiden Originalporträts von Franz Beer und seiner Tochter Anna Maria, der späteren Ehefrau des berühmten Barockbaumeisters Peter Thumb. Gezeigt wird auch ein bislang wenig bekannter, eindrucksvoller Altarschreindeckel. Darauf ist Franz Beer von Bleichten als Baumeister des Klosters Weißenau inmitten eines farbenfrohen Panoramas von Personen und Symbolen dargestellt. Diese Exponate erlauben einen seltenen, unmittelbaren Blick auf die Persönlichkeit, die gesellschaftliche Stellung und die familiären Verflechtungen eines der prägendsten Barockbaumeister.
Am 15. Mai übergab Tobias G. Natter als Kurier eines privaten Leihgebers den originalen Adelsbrief an den Obmann Walter Lingg und das Museumsteam.
Tobias G. Natter (Kunsthistoriker): „Es ist immer wieder eine Freude, zu sehen, wenn man sich mit der Geschichte des Landes beschäftigt - den Versuch zu wagen, zu hinterfragen, wer wird sind und woher wir kommen. Die Barockbaumeister sind dabei nun einmal eine wesentliche Facette und höchst spannend für die Vorarlberger Geschichte. So ist es höchsterfreulich, dass diese Ausstellung, die meines Erachtens ganz gelungen und großartig ist, zum 300. Todestag des Franz Beer von Bleichten stattfindet. Es sind etliche Hauptwerke in dieser Ausstellung, die als Originalobjekte unmittelbar und direkt über ihre Strahlkraft in die Geschichte zurückführen, die wiederum sehr viel mit unserer Gegenwart zu tun hat. Dieses Adelsdiplom, dass in Wien von Kaiser Karl VI ausgestellt wurde, vom Vater der Maria Theresia, ist wohl die glanzvolle Krönung einer ungewöhnlichen Karriere des Franz Beer von Bleichten.
Mathias Moosbrugger (Theologe mit Schwerpunkt Baubaumeisterforschung): „Für den Historiker ist es großartig, dass eigentlich alle ikonographischen Quellen zu Franz Beer von Bleichten erstmals an einem Ort greifbar sind. Das gab es in dieser Form noch nie. Wir haben ein Portrait, das ihn in voller Adelsherrlichkeit zeigt, ein Portrait, das ihn als Baumeister auf einem Altarschrein zeigt und ein Portrait seiner Tochter. Dann gibt es zentrale Dokumente, nicht nur die Adelserhebungsurkunde, sondern auch solche zur rechtlichen Transformation der Alpe Bleichten, auf die sich der Adelstitel bezogen hat. Ausgestellt ist hiermit in wenigen Schritten ein ganzes Leben.
Feierliche Eröffnung am 22. Mai mit Gottfried Bechtold: „colonna infinita“ Obmann Walter Lingg konnte zur Eröffnung zahlreiche Gäste begrüßen – mit großer Freude auch eine Abordnung des Auer Zunftvereins. Er hebt das Motto des Barockbaumeister-Museums hervor: „Brücken bauen“ – vor Ort zur Auer Zunft, regional und überregional, aber auch von der Vergangenheit in die Gegenwart.
Der international bekannte Künstler Gottfried Bechtold steuert der Sonderausstellung eine Edition und einen Text bei, in dem er die barocken Denkmuster Universalität, Paradoxie und „Anything goes” als Vorboten zeitgenössischer Kunst benennt. Seine Säulenskulptur ist in der Reduktion zwar antibarock, doch in der Entfaltung von Denk- und Spielräumen purer Barock. Am 22. Mai wurde die „colonna infinita” im Museumspark feierlich enthüllt. Direkt im Anschluss fand ein Künstlergespräch statt. Gottfried Bechtold betonte seine Faszination für das Barock, insbesondere für die Unerschrockenheit im Umgang mit den Stilelementen. Seine Colonna Infinita vereint zwei Gegensätze in sich: den Kreis und das Quadrat, die Überführung von einer Form in die andere. Gottfried Bechtold ist ein großer Bewunderer handwerklicher Fähigkeiten und betont, wie wichtig Können und Wissen im Umgang mit Material sind. Dafür steht für ihn das Handwerk im Bregenzerwald – früher wie heute.
Zu den Veranstaltungen
„Adel verpflichtet“
Programm zum 300. Todestag des Franz Beer von Bleichten
Bis 31. Oktober 2026