Accessoires sind mehr als nur modische Zierden. Die Ausstellung im Landesmuseum in Zürich beleuchtet, wie Accessoires von Status, Identität und gesellschaftlichem Wandel zeugen. Dafür werden über 200 Objekte aus vier Jahrhunderten gezeigt. Zu sehen sind Hüte, Foulards, Fächer, Taschen, Schuhe und viele weitere Alltagsbegleiter. Ein Streifzug durch die Kulturgeschichte „von Kopf bis Fuß”.
Was sagen ein Hut, ein Paar Handschuhe oder ein elegantes Foulard über ihre Trägerin oder ihren Träger aus? Wie heute waren Accessoires auch früher weit mehr als bloßes Zubehör, sondern schmückende Objekte voller Botschaften und Bedeutungen. Die Ausstellung präsentiert kunstvoll gestaltete Hüte, luxuriöse Schals, elegante Spazierstöcke, extravagante Taschen, filigrane Fächer und sinnliche Schuhe aus der umfangreichen Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums. Sie spannt einen Bogen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart und erzählt von gesellschaftlichem Wandel, Status, Identität und kulturellem Ausdruck.
Kopfbedeckungen wie das samtene Barett eines Berner Ratsherrn aus dem frühen 18. Jahrhundert, ein Kindertaufhäubchen oder ein prachtvolles Schappel aus dem Kanton Schaffhausen zeigen, wie sie als Zeichen von Stand, regionaler Identität oder gesellschaftlicher Ausgrenzung fungierten. Moderne Beispiele wie der pinke „Pussyhat” veranschaulichen, wie Kopfbedeckungen auch heute noch politische Statements setzen.
Accessoires, die in den Händen gehalten werden, erweitern den Körper und unterstützen Gesten. Wer nicht arbeiten musste, hatte die Hände frei für Taschen, Fächer, Schirme oder Spazierstöcke. Viele dieser Dinge hatten Funktionen, die heute in Vergessenheit geraten sind. Ein Beispiel ist ein kunstvoll gearbeiteter Stock aus Zürich mit silbernem Rocaillen-Knauf, der die repräsentative Selbstdarstellung wohlhabender Herren beim Flanieren symbolisiert.
Die gezeigten Taschen und andere am Körper getragene Objekte reichen vom barocken Almosenbeutel über die Brieftasche bis zur heutigen Handtasche. Besonders eindrucksvoll ist eine Tasche des Schweizer Designers Kévin Germanier. Sie ist aus upgecycelten Wollresten und Duschvorhangringen gefertigt und ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit in der Mode.
Die Ausstellung weist auch auf den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Modeaccessoires hin: von strengen Kleiderordnungen über den gestalterischen Reichtum regionaler Trachtenaccessoires bis hin zum heutigen Spiel mit Geschlechternormen. Eine rosafarbene Herren-Hausmütze aus dem 18. Jahrhundert thematisiert beispielsweise, warum die Farbe heute eher als weiblich empfunden wird, während die von Nemo zum Eurovision Song Contest 2024 getragenen Unisex-Sneakers mit rosa Tüll Geschlechternormen auflösen.
Schließlich setzen sich Kurzfilme des Studiengangs „Major Trends & Identity” der Zürcher Hochschule der Künste mit der heutigen Vielfalt und Relevanz von Accessoires auseinander und fragen, wie Accessoires das Körperbild in der Gegenwart prägen.
Die Ausstellung bietet somit einen facettenreichen Einblick in die Rolle von Accessoires in Alltag, Kultur und Politik. Sie regt dazu an, über Kleidung als kulturelle Praxis nachzudenken, und macht deutlich: Accessoires sind weit mehr als modische Zierde – sie sind kulturelle Zeugnisse, die Geschichten „von Kopf bis Fuß” erzählen.
Accessoires – Objekte der Begierde
Bis 12. April 2026