5. Oktober 2020 - 9:28 / Ausstellung / Sammlung / Geschichte 
3. Oktober 2020 28. Februar 2021

Die Sonderausstellung "Sehen, wer wir sind" bietet einen Streifzug durch die Sammlung des Vorarlberg Museums in Gestalt von 100 Objekten, die die Kuratorinnen und Kuratoren des Hauses ausgewählt haben.

Dabei wurden nicht nur für die wertvollen Bestände, etwa Bilder von Angelika Kauffmann und Rudolf Wacker ausgewählt, sondern auch unscheinbare Dinge, anhand derer man erstaunliche Geschichten über das Land und das Leben seiner Bewohnerinnen und Bewohner abseits der Higlights im Vorarlberg Museum erzählen kann.

Das kleinste Objekt misst zwei, drei Zentimeter, unscheinbarer gehts nicht. Es stammt aus einem Knochenfund in Koblach. Das Museum finanzierte eine Altersbestimmung mithilfe der C-14-Methode. Das Ergebnis ließ das Herz des Archäologen Gerhard Grabher schneller schlagen: Das Knöchelchen eines menschlichen Halswirbels ist 9.500 Jahre alt! Es lieferte den ältesten Nachweis menschlichen Lebens in Vorarlberg und zahlreiche weitere Fragen ….

Torfstecher in Lauterach fanden 1880 einen wahren Schatz, den Lauteracher Silberschatz. Armreifen, Münzen, Schmuck – alles aus der Keltenzeit, aber warum wurden diese Dinge im 2. Jh. v. Chr. vergraben? Vielleicht war es eine Weihgabe an eine Gottheit, vielleicht wurden die Reichtümer in Sicherheit gebracht und das, was wir heute als Schatz bezeichnen, ist der Grund für und der Hinweis auf eine große menschliche Tragödie.

Die Ausstellung berichtet von technischen Meisterleistungen, anhand von Skizzenbüchern der Bregenzerwälder Barockbaumeister oder der Entwurfszeichnung von Hasso Gehrmann für die erste vollautomatische Küche der Welt (1969/70). Sie verdeutlicht, wie Menschen früher bestraft wurden: Aus einer Folterkammer in Bregenz stammt eine Leibfessel, aus dem ehemaligen Gefängnis der Bregenzer Oberstadt ein Schandmantel. In das fassähnliche Ungetüm wurden Menschen als Vergeltung für geringere Delikte gesteckt. Sie durften verhöhnt und bespuckt werden, Strafe durch Bloßstellung. Die verschlissene Sporttasche mit der Aufschrift "Rote Stern Bregenz" eines jugoslawischen Einwanderers führt in die Fußball-"Jugo"-Liga im Vorarlberg der 1970er Jahre, die Tür zu den Vereinen blieb für Zuwanderer meist geschlossen. Ein Feuerwehr-Spritzenwagen aus dem Jahr 1786, weibliche und männliche Votivfiguren aus dem 5. Jh. v. Christus, ein Hochrad, das romanische Vortragskreuz aus Ludesch, eine Puppenküche, Harpunen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus, die bei der Rheinbalme bei Koblach gefunden wurden.

Das Spektrum der Kunst reicht vom Silbertaler Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Herbert Albrecht, Gottfried Bechtold, Claudia Larcher, Alexandra Wacker und Monika Grabuschnigg sind unter anderem mit Arbeiten vertreten. Von Mariella Scherling Elia ist die Installation "Die Burkas, die Frau" zu sehen. Zehn lebensgroße, in Burkas verhüllte Gestalten geben ein beklemmendes Zeugnis über die Stellung der Frau in manchen islamischen Ländern ab. Die Burkas stammen aus einem Frauenlager in Islamabad. Von Edmund Kalb sind vier Zeichnungen ausgestellt. Ein Teil seines Nachlasses kam in den 1970er Jahren in die Sammlung des Landesmuseums. Den weit größeren Teil, rund 600 Zeichnungen, hat sein Neffe Georg Kalb vernichtet. Der Kapuzinerpater hielt Aktzeichnungen für eine Schweinerei.

"Sehen, wer wir sind" zeigt nicht die Highlights des Vorarlberg Museums, weil sich herausragende Objekte als Leihgaben in anderen Häusern oder in weiteren Ausstellungen des Vorarlberg Museums befinden. Die Schau folgt auch keinem einheitlichen Erzählstrang, zeigt vielmehr fragmentarisch, "wer wir sind".

Sehen, wer wir sind
100 Objekte aus der Sammlung
3. Oktober 2020 bis Februar 2021

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 46050
E: info@vorarlbergmuseum.at
W: http://www.vorarlbergmuseum.at

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  •  3. Oktober 2020 28. Februar 2021 /
Edmund Kalb (1900 – 1952), Selbstbildnisse, entstanden 1918 – 1937, Aquarell, Bleistift, Kreide und Tusche auf Papier, Foto: Markus Tretter
Edmund Kalb (1900 – 1952), Selbstbildnisse, entstanden 1918 – 1937, Aquarell, Bleistift, Kreide und Tusche auf Papier, Foto: Markus Tretter
Lois Hechenblaikner, geb. 1958, Genieße das Leben, (Teil einer Werkserie), 2007, Fotografie, Foto: Markus Tretter
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Männliche Votivfigur, 5. Jhd. v. Chr. Fundort: Bludenz, nahe der Kirche St. Peter, Bronze, Foto: Markus Tretter
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Foto: Miro Kuzmanovic
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