24. April 2020 - 9:39 / Ausstellung / Online 

Jeden Monat steht ein ausgewähltes Werk aus der Sammlung des Aargauer Kunsthaus im Mittelpunkt. Weil das Museum im April aufgrund des Coronavirus geschlossen ist, hat es das Bild des Monats gefilmt und im Video besprochen: eine vertiefte Bildbetrachtung für Interessierte jeden Alters.

Das Gemälde Häuserblock in Paris. Porte de Châtillon, Boulevard Brune von 1936 zeigt den Ausblick aus Cuno Amiets (1868–1961) Pariser Wohnung am Boulevard Brune, in der sich der Schweizer Maler in den 1930er-Jahren regelmässig aufhielt.

Die Komposition der Stadtlandschaft basiert auf einer in ihrer Einfach-heit fast radikalen Anlage. Der Horizont unterteilt die Leinwand in zwei gleich grosse Flächen. Dabei ist die obere von einem farblich nur leicht modulierten Himmel besetzt. Der untere Bildteil wird von einem imposan-ten Häuserblock dominiert, neben dem der Boulevard Brune von der unteren rechten Bildecke perspektivisch in die Bildtiefe hineinführt. Wie der Überbauung kommt auch der Grünfläche im Bildvordergrund eine wichtige Rolle zu, eine ungepflegte Brache, der die getrampelten Fusswege der Passanten eine Strukturierung verliehen haben. Das Abendlicht fällt einem gerichteten Theaterscheinwerfer ähnlich auf das Gebäude und hebt den Baukörper von der tonal reduzierten Umgebung ab. Farblich wird die graubraune Fassade in ein pastellenes Lachsrosa getaucht, worin sich der Farbkünstler Cuno Amiet zu erkennen gibt.

Innerhalb von Cuno Amiets Schaffen nimmt dieses Ölgemälde eine besondere Stellung ein, einerseits wegen der Sujetwahl und anderseits durch deren künstlerische Umsetzung. So hebt sich das Motiv dieser rauen Stadtszenerie von Cuno Amiets favorisierten Themen wie Figurenbild, Landschafts- und Naturdarstellung ab. Sein gesamtes Œuvre ist zudem von einer sinnlichen Farbigkeit und inhaltlichen Leichtigkeit bestimmt, auf welche der Künstler bei Häuserblock in Paris zugunsten einer Hinwendung zur (fast) ungeschönten Lebensrealität verzichtete.

Cuno Amiets Bestreben, eine authentische Stadtlandschaft zu malen, ist deutlich spürbar. So präsentiert er keine idyllische Postkartenansicht der Seine-Metropole, sondern beschäftigt sich mit dem alltäglichen, urbanen Paris – mit der Stadt vor seinem Fenster.

Aargauer Kunsthaus
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CH - 5001 Aarau

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Aargauer Kunsthaus, Aarau, Aussenansicht
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