250 Jahre Albertina

Anfang Juli 1776 übergab der österreichische Gesandte in Venedig, Conte Giacomo Durazzo, dem Herzog Albert von Sachsen-Teschen und der Erzherzogin Marie Christine ein Konvolut von 10.000 Kupferstichen. Dieser Moment fällt mit der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika am 4. Juli 1776 zusammen und markiert rückblickend den Beginn der berühmten Albertina-Sammlung. Er steht am Anfang einer Epoche tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche am Vorabend der Französischen Revolution. Zugleich ist es die Zeit der Aufklärung, in der Vernunft, Wissenschaft, Bildung und die Freiheit des Individuums zu zentralen Leitideen werden. Aus diesem geistigen Klima heraus entwickelte sich eine Sammlung, die bis heute von der Überzeugung getragen ist, Kunst nicht nur zu bewahren, sondern auch für kommende Generationen nutzbar zu machen.

250 Jahre später zählt die Albertina mit rund 1,2 Millionen Werken zu den bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Aus einer aristokratischen grafischen Privatsammlung wurde ein international renommiertes Museum, dessen Bestände von Zeichnung und Druckgrafik über Fotografie, Malerei und Skulptur bis hin zu Installations- und Medienkunst reichen. Diese Entwicklung ist das Ergebnis des Weitblicks vieler Generationen von Direktoren, Kuratoren, Sammlern und Förderern.

Das Jubiläum im Jahr 2026 bietet Anlass, die Geschichte des Sammelns neu zu betrachten. Wer hat gesammelt? Was und wie wurde gesammelt? Wo wurden die Werke aufbewahrt, wie wurden sie präsentiert und wem wurden sie zugänglich gemacht? Solche Fragen führen mitten hinein in die Geschichte der Institution und ihrer Protagonist:innen. Dabei rückt auch Erzherzogin Marie Christine stärker in den Blick. Obwohl die Albertina nach Herzog Albert benannt ist, ermöglichte ihr Vermögen in entscheidendem Maß den Erwerb von Kunst. Ebenso brachte sie ihre früh entwickelte Begeisterung für Kunst in die Ehe ein und prägte damit den Ursprung der Sammlung wesentlich mit.

Die Ausstellung erzählt von dieser Entstehung und von jenen Werken, die heute untrennbar mit der Albertina verbunden sind. Wann und wie gelangte Dürers „Feldhase” in das Haus, jene Meisterzeichnung, die weltweit zum Markenzeichen der Albertina wurde? Wann kamen die berühmten Blätter von Gustav Klimt und Egon Schiele in die Sammlung? Seit wann gibt es einen Bestand an fotografischen Werken? Und wann öffnete sich das Haus für Malerei, Skulptur, Installation und Medienkunst? All diese Fragen zeigen, dass Sammlungsgeschichte immer auch Museumsgeschichte ist.

Die Albertina hat sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder verändert, ohne ihren Kern zu verlieren. Aus dem privaten Palais der Erzherzöge wurde ein öffentliches Museum nach zeitgemäßen Standards, das ein internationales Publikum erreicht. Die wachsenden Bestände erforderten neue Depot- und Ausstellungsflächen, neue wissenschaftliche Methoden und neue Formen der Vermittlung. Zugleich blieb der Anspruch bestehen, Kunst der eigenen Zeit zu sammeln und dadurch die Zukunft mitzugestalten.

Anlässlich dieses besonderen Jubiläums konnte die international renommierte Künstlerin Rosa Barba für eine ortsspezifische Arbeit gewonnen werden. Diese befasst sich mit den historischen Dimensionen der Albertina als einer Mischung von Gestern, Heute und Morgen und wird im Anschluss an die Ausstellung Teil jener Sammlung, die es heute zu beschreiben und für die Zukunft zu definieren gilt.

Denn ein Jubiläum ist nicht nur Anlass zur Rückschau. Es fordert auch dazu auf, nach vorne zu denken: Sammlung bedeutet Verantwortung, Erbe und Auftrag – für Gegenwart und Zukunft der Albertina.

Sammeln für die Zukunft
250 Jahre Albertina
bis 11.10.2026