8. August 2019 - 7:54 / Ausstellung / Grafik  / Reminder
14. März 2019 25. August 2019

Unter dem Titel „next stop Linz“ spannt das Nextcomic-Festival zu seinem 10-jährigen Jubiläum einen Bogen rund um das Thema Reisen. Die Landesgalerie Linz beteiligt sich daran mit einer Ausstellung, die Künstler/innen dazu einlädt, sich intensiver mit den Arbeiten Alfred Kubins auseinanderzusetzen. In den Zeichnungen der zeitgenössischen Künstler/innen werden Kubins eigener Zugang zu Humor, Karikatur und Groteske ebenso aufgegriffen wie das Monströse, Grauenhafte und Bedrohliche.

Mit Arbeiten von: Atak, Brigitta Falkner, Anke Feuchtenberger, Nicolas Mahler, Thomas Ott, Christina Röckl, Franz Suess, Edda Strobl und Alfred Kubin Im Rahmen von: Nextcomic

Passend zum Thema Reisen werden im Rahmen des Nextcomic-Festivals im KubinKabinett der Landesgalerie Linz zwei Illustrationszyklen gezeigt, die wesentlich für das Leben und Schaffen Alfred Kubins sind. In seinem phantastischen Roman „Die andere Seite“ beschreibt Kubin die freiwillige Emigration des Protagonisten in ein fiktives „Traumreich“ in Zentralasien. Im Jahr 1908 in nur wenigen Wochen verfasst und illustriert, steht dieses aus einer Schaffenskrise heraus entstandene Werk am Beginn der großen Zeit Kubins als Tuschezeichner und Illustrator von zahlreichen Büchern.

Seine Doppelbegabung als Autor und Zeichner beweist Kubin erneut mit seinem 1935 entstandenen Zyklus „Phantasien im Böhmerwald“. Seit 1922 verbrachte er immer wieder seine Ferien in dieser „Heimat seiner Seele“ und ließ sich von der Schönheit, aber auch vom Geheimnisvollen und Unheimlichen der Landschaft inspirieren.

Nicolas Mahler

„Illustrierte Bücher haben mich schon damals sehr angesprochen und Kubin war bestimmt einer der ersten, die ich auch namentlich zuordnen konnte. Später hat mich dann fasziniert, dass ein Zeichner auch einen Roman schreiben kann. Als junger Zeichner hatte ich ja eher die Vorstellung, dass ein Zeichner zeichnet und ein Schriftsteller schreibt, dass beides auch geht, hat mich irgendwie ermuntert ebenfalls beides zu probieren.“ (Nicolas Mahler)

Der fremde! störenfried der ruhe eines sommerabends der ruhe eines friedhofs In „Der fremde!“ greift Nicolas Mahler einen 1969 erschienenen Text der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek auf und interpretiert diesen neu. Dabei handelt es sich um keine visuelle Nacherzählung der literarischen Vorlage, sondern vielmehr um einen verdichteten Dialog zweier Medien. Mit feiner Strichführung zitiert Mahler in seinem mysteriösen, vampirartigen Protagonisten F. W. Murnaus Filmfigur Nosferatu (1922) und persifliert dabei mit viel Witz und Humor Klischees des klassischen Horrorfilms.

Atak

„Indirekt taucht Kubin immer wieder in meinen Arbeiten auf. Vor allem in den Momenten, wenn die Phantasie sich einen realistisch dargestellten Ausdruck sucht.“ (Atak)

Daily paintings
Seit 2006 malt und zeichnet ATAK jeden Morgen ein kleinformatiges, farbenfrohes Bild mit Gedanken und Szenerien, die ihn bewegen. Inspiriert wird er durch historische Gemälde, Filme oder Comics sowie Begebenheiten des täglichen Lebens. Zumeist sind diese humorvollen Szenerien, häufig in Landschaften oder Interieurs gebettet, gespickt mit menschlichen und tierischen Figuren, kleinen Monstern und phantasievollen Fabelwesen. Dabei führen bekannte Comic-Helden neben Kunstikonen und alltäglichen Charakteren eine geistreiche Koexistenz in einer bizarren Parallelwelt.

Brigitta Falkner

„Meine frühesten Erinnerungen an Kubin sind untrennbar mit den Werken der Schwarzen Romantik und ersten prägenden Leseerfahrungen verknüpft, wie Edgar Allan Poes von Kubin eindringlich in Szene gesetzte Ästhetik des Grauens, E.T.A. Hoffmanns ‚Nachtstücke‘ oder Dostojewskis ‚Doppelgänger‘, den Kubin mit nervösem Strich zum Leben erweckte.“ (Brigitta Falkner)

Strategien der Wirtsfindung
Falkners Graphic Novel kann als Experiment zwischen Grafik, Lyrik und Wissenschaft gelesen werden. Mit ihren reduzierten Schwarz-Weißzeichnungen, die manchmal durch Farbzugabe 3D-Effekte erzielen, illustriert sie anschaulich den flirrenden Mikrokosmos von Parasiten. Die teils als kleinteiliges, seitenüberspannendes Ornament, teils als einzelne Grafiken mit und ohne Rahmen umgesetzten Illustrationen werden durch Texte ergänzt, die von wissenschaftlichen Abhandlungen über Zitate hin zu eigenen Gedichten führen.

Populäre Panoramen
In ihrer ersten Fotoarbeit inszeniert die Künstlerin eine fiktive Reise, in der am Anfang die Vorstellung ihrer Protagonistin steht, sich in eine Fliege zu verwandeln. Während dieser Zugreise ereignen sich allerlei alltägliche, aber auch außergewöhnliche Szenen inner- und außerhalb des Zugabteils. Die Fliege ist stets unterschwellig präsent. Typisch für Falkner ist die Ergänzung ihrer Arbeiten durch von ihr selbst eingesprochene Filme, die häufig auch Ausgangspunkt ihrer medienübergreifenden Untersuchungen sind.

Thomas Ott

„Ich war schon als Teenager sehr fasziniert von Kubins düsteren, traumartigen SchwarzWeißzeichnungen. Vor etwa zwei Jahren kam mir dann auf einem Flohmarkt das Buch ‚Die andere Seite‘ in die Hände, ich habe es vor gar nicht so langer Zeit gelesen und es gefiel mir auch sehr gut. Die Welt von Kubin liegt nicht weit von meiner Welt.“ (Thomas Ott)

Goodbye
Otts Charaktere sind stets tragische Figuren, gesellschaftliche Randgruppen und Verlierer, die sich unweigerlich ins Verderben stürzen. In der Serie Goodbye ist der Protagonist ein erfolgloser Selbstmörder, der, egal welche Methode er auch anwendet, durch Fehlschläge und unkonventionelle Begebenheiten kläglich an seinen Versuchen scheitert. Durch verschieden große Panele, die durch ein oder mehrere Zeichnungen gebildet werden, erzeugt er einen stark filmisch anmutenden, dynamischen Erzählfluss.

Körperbilder
Typisch für Thomas Ott sind beklemmende, düstere Darstellungen mit einem Hang zum Makabren. Beeinflusst von Film noir, Horror- und Kriminalgeschichten schneidet und ritzt er seine Visionen aus schwarzem Schabkarton heraus. Völlig ohne Text auskommend, sind seine Bilder verdichtete, ausdrucksstarke Darstellungen unserer heutigen Gesellschaft, ihrer Angstzustände und Alpträume, die nonverbal kommunizieren. Das ausgestellte Triptychon lebensgroßer Körperbilder visualisiert eindringlich Otts morbide, kafkaeske Imaginationen.

Franz Suess

„Graue Nebel, graues Licht; Düsternis, sterbende Natur, deformierte Körper, Albträume, Fantastik: Mir kommt es vor, als hätte ich die Arbeiten von Alfred Kubin ‚immer schon‘ gekannt.“ (Franz Suess)

Und Manu
Suess‘ Figuren sind häufig Sonderlinge, Einzelgänger oder introvertierte Individualisten. In „Und Manu“ entdecken zwei Kinder die halb verwahrloste Hütte eines Odachlosen, die sie magisch anzieht. Dort erproben sie sich im Verhalten Erwachsener, konsumieren allerlei Verbotenes: rauchen, trinken und vertiefen sich in erregende Hefte. Wie viele von Suess‘ Geschichten ist sie geprägt von Einsamkeit, dem Bedürfnis, geliebt und anerkannt zu werden sowie seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Das feuerschwarze Tier
Diese düstere Kurzgeschichte aus dem Leben eines kleinen Buben erschien 2017 gemeinsam mit zwei anderen Comics in der Publikation Leck (2017). Wie so oft ist Suess‘ Protagonist ein namenloses Kind, das in einer schwarzweißen, trostlosen Welt aufwächst und dort mit allerlei Widrigkeiten, wie Krankheit, Alptraum und Krieg, konfrontiert wird. Suess‘ poetische Bilder, die durch eine Mischung von Kratzen, Schaben und Wischen entstehen, verdeutlichen eindringlich die Gefühlswelt seiner Charaktere.

Edda Strobl

„Bei Kubin denke ich an ‚Die andere Seite‘, an Moder, Regen, an den Demiurgen. Eine Reise mit Kubin führt in eine von wilden Schraffuren zerklüftete, phantastische Landschaft.“ (Edda Strobl)

Die wunderbare Welt der Pilze
Die Wandbemalung und dazugehörenden Grafiken illustrieren eine Episode aus einer Amerikareise, die die Künstlerin zusammen mit ihrer Freundin Barbie 1991/92 unternahm. Ihre Reisephilosophie war, sich von Geschichten und Mythen, die sie über Gegenden, Städte und Orte hörten, leiten zu lassen. In der historischen Stadt Palenque, Mexiko, wurde ihnen empfohlen, nach altem Mayaritus den Zauberpilz Psilocybe mexicana zu konsumieren. Derart berauscht besuchten sie den Tempel der Inschriften, um dort Zugang zu den Göttern zu erbitten. Als Jaguar-Göttin entstieg Strobl bewusstseinserweitert diesem Heiligtum mit dem starken Bedürfnis, die Natur im nahe gelegenen Dschungel zu ordnen. In der jüngsten Beschäftigung mit dieser Begebenheit fließen wie von selbst Ornamente und Formen der Mayakunst in Strobls künstlerisches Repertoire ein.

Anke Feuchtenberger

„Der Zustand, wenn jemand anderes durch mich hindurch zu zeichnen scheint – das ist der Moment, in dem ich mich am stärksten mit Kubins Werk verbunden fühle.“ (Anke Feuchtenberger)

Kosmos
Feuchtenbergers visuelle Sprache ist stark expressionistisch geprägt. Ihre poetischen Bilder erzeugen eine Art surreale Parallelwelt, in der die meist weiblichen Protagonistinnen oft in alltäglichen Situationen agieren. Häufig wiederkehrend sind Themen wie Liebe, Sexualität und Beziehungen. Verschiedenste Tiere – oft Schnecken, deren Ambivalenz zwischen Ekel und Schönheit sie inspiriert – bevölkern ihre Bilder.

Wolfgang
Feuchtenbergers ausdrucksstarke Arbeiten erweitern die Grenzen des klassischen Comicgenres. In der Serie Wolfgang entwirft sie eine düstere, geheimnisvolle Welt, in der zwischen Traum und Realität, Vorstellung und Wirklichkeit nicht unterschieden werden kann. Die frei entstandenen Kohlezeichnungen wurden 2017 in Wolfgang Hegelwalds Lexikon des Lebens publiziert.

Le Memorie della Menta Piperita
Die Handzeichnungen in der gleichnamigen Publikation illustrieren den poetischen Text Elena Morandos. Dieser erzählt die Erinnerungen eines kleinen Mädchens, das in der üppigen Natur Sardiniens auf einem Bauernhof aufwächst. In Feuchtenbergers phantasievollen Illustrationen wird die Figur des kleinen Mädchens als junger Hund interpretiert.

Nächtliche Begegnung
Alfred Kubin war für Anke Feuchtenberger schon zu Studienzeiten ein beeinflussender Künstler – eine „künstlerische Vaterfigur“. Bei der Lektüre von Die andere Seite „fühlte ich mich in der düsteren Stimmung, in der Atmosphäre seiner Bilder zu Hause“. Speziell für die Ausstellung in der Landesgalerie Linz malte die Künstlerin diese humorvoll-skurrile Kubinhommage, in der nicht nur unzählige Anklänge an seine Bilder und seinen Roman, sondern möglicherweise auch ein verstecktes Kubinporträt vorkommen.

Christina Röckl

„Wir würden uns im Traum begegnen. Und dabei Pingpong spielen. In Wort, Klang und Bild. Tauschen. Nichtfassbares fassbar machen. Metaphern schaffen. Wir würden reden über Hesse und Poe. Ich würde fragen, fragen, fragen. Nach Natur, Zeit und Raum. Und ob Kubin schon mal in Hüten dachte. Wir würden spazieren gehen. Im Buch. Durch Seiten. Durch Bilder. Etwas Farbe würde ich klecksen. Und er ein paar Reiter mit feinsten Wesen. Vielleicht zu zweit die Perle neu erfinden. Oder den Platzkopf mit der Seele. Und dabei den Wolken beim Ziehen zuschauen. An einem langen Vormittag.“* (Christina Röckl)

Und dann platzt der Kopf
Die Texte zu ihrem Buch Und dann platzt der Kopf entwickelte die Künstlerin in enger Zusammenarbeit mit Kindern. Diese versuchten den für sie unfassbaren Begriff der Seele in Worten auszudrücken. Ergebnis sind höchst philosophische Statements, die Christina Röckl illustratorisch umsetzte. Dabei orientieren sich diese phantasievollen, farbintensiven Bilder, die in mehreren Schichten aufgebaut sind, an der Typologie von Kinderzeichnungen. Die ausdrucksvollen Bilder visualisieren nicht nur den Text, sondern gleichzeitig eine kindliche Gedanken- und Lebenswelt.

„Es zog mich durch die Bilder...“ kubin@nextcomic
14. März bis 25. August 2019

Landesgalerie Linz
Museumstraße 14
A - 4010 Linz

T: 0043 (0)732 774482–28
F: 0043 (0)732 774482–66
E: galerie@landesmuseum.at
W: http://www.landesgalerie.at/

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  •  14. März 2019 25. August 2019 /
Elfriede Jelinek/Nicolas Mahler, Der fremde! störenfried der ruhe eines sommerabends der ruhe eines friedhofs, 2018 © Jelinek/Mahler, Carlsenverlag
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Brigitta Falkner, Strategien der Wirtsfindung, 2017, Digitaldruck © Falkner, Matthes & Seitz, Berlin
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ATAK, Daily Painting, 11.8.2008, Mischtechnik auf Papier © ATAK
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Alfred Kubin, Das Maul, um 1900, Tusche laviert auf Katasterpapier, Grafische Sammlung der Landesgalerie Linz © Eberhard Spangenberg, München / Bildrecht Wien 2019
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Franz Suess, Und Manu, 2018, Mischtechnik auf Papier © Franz Suess
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Anke Feuchtenberger, Kosmos, 2017, Acryl auf Goldpapier © Anke Feuchtenberger
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Christina Röckl, Und dann platzt der Kopf, 2014, Mischtechnik auf Papier © Christina Röckl, kunstanstifter
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Thomas Ott, Goodbye, 1995, Schabkarton © Thomas Ott / Edition Moderne, Zürich
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Blick in die Ausstellung „Es zog mich durch die Bilder...“ kubin@nextcomic, 14. März. bis 25. Aug. 2019, Landesgalerie Linz Foto: Oö. Landesmuseum, A. Bruckböck
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