10. Oktober 2019 - 6:21 / Architektur 
11. Oktober 2019 11. Januar 2020

Lois Welzenbacher ( 1889 – 1955 ) gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Architekten der Zwischenkriegszeit. Anlässlich seines 130 . Geburtstages und im Rahmen des 350-Jahr-Jubiläums der LFU Innsbruck bietet eine gemeinsame Ausstellung des aut und des Archiv für Baukunst in dem von Welzenbacher errichteten Adambräu die Möglichkeit, das überaus heterogene Werk des Architekten unter neuen Blickwinkeln zu betrachten.

Lois Welzenbacher nimmt innerhalb der österreichischen Architekturgeschichte in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Zum einen betrifft es seine Ausbildung an der Technischen Hochschule München bei Theodor Fischer, seine Affinität zum „International Style“ wie seine Tätigkeit als Architekt während der NS-Zeit, die bisher nur wenig aufgearbeitet wurde. Zum anderen ist es seine stilistische Bandbreite, die vom Klassizismus über die sogenannte Neue Sachlichkeit bis zu organischen Raumkonzeptionen reicht, aber auch Elemente des Regionalismus umfasst.

Was die zwischen 1920 und 1955 von Welzenbacher realisierten Bauten verbindet ist weniger ein formaler Stil, als vielmehr sein sensibler Umgang mit der Topografie und sein räumliches Denken. Sein Bestreben, den lokalen Kontext zu berücksichtigen, zeigt sich bereits in den frühen Projekten aus den beginnenden 1920 er Jahren. So vermitteln das Haus Settari in Südtirol mit seiner organischen Raumorganisation und Form, die einem romantischen Expressionismus verpflichteten Häuser einer Siedlung in der Reichenau in Innsbruck und die fast gleichzeitig im großstädtischen Ambiente von Wien errichtete klassizistische Villa Arnold sehr deutlich die Bandbreite und die Individualität des Architekten.

Zu den Höhepunkten im Schaffen von Lois Welzenbacher zählen die beiden in den 1930 er Jahren in Zell am See gebauten Landhäuser Buchroithner und Heyrovsky, die sich formal am „Internationalen Stil“ orientieren und betont landschaftsbezogen konzipiert sind. Insbesondere das Haus Heyrovsky, dessen Grundriss keinen einzigen rechten Winkel aufweist, gilt als Ikone des „organischen Bauens“. Zum anderen realisierte Welzenbacher in dieser Zeit mit dem Sudhaus des Adambräus einen zeichenhaften Industriebau, der ganz aus den Bedingungen des Produktionsprozesses entwickelt wurde, oder das Kurhotel Seeber, einen achtgeschossigen Turmbau mit markant auskragenden Balkonen. Dass Lois Welzenbacher mit derartigen Projekten auch international Anerkennung fand, beweist der Umstand, dass er 1932 als einziger in Österreich lebender Architekt auf der von Philip C. Johnson und Henry-Russell Hitchcock konzipierten Ausstellung „The International Style“ im MoMa in New York vertreten war.

Von den zahlreichen Projekten, die Lois Welzenbacher in Tirol und v. a. in Innsbruck realisierte, sind heute nur mehr wenige unverändert erhalten. Diese prägen jedoch – wie die beiden Hochhäuser für die Städtischen Elektrizitätswerke (heute IKB) und das Adambräu – nach wie vor das Stadtbild. Städtebauliche Projekte für Innsbruck oder für den Wiederaufbau von Wien nach dem Zweiten Weltkrieg, die weitgehend auf den Theorien Theodor Fischers beruhten, wurden allerdings weder aufgegriffen, noch realisiert.

Die Rezeption des Werks von Welzenbacher konzentriert sich in erster Linie auf seine Bauten der „klassischen Moderne“ und deren fotografische Inszenierungen durch Welzenbacher selbst. Denn er verstand es wie kaum ein anderer, seine Bauten in bildliche Ikonen übersetzen zu lassen und retouchierte einzelne Fotografien gezielt, um seinen Entwurfsgedanken besser sichtbar zu machen.

Über Lois Welzenbacher
Ein Filmprojekt von Lukas Schaller und Rainer Köberl im aut
Ein anderer Architekt der moderne im Archiv für Baukunst

Die Ausstellung „Über Lois Welzenbacher“ im Adambräu – einem seiner zentralen Bauwerke, das 2004 von Rainer Köberl, Erich Wucherer und Thomas Giner für das aut und das Archiv für Baukunst transformiert wurde – möchte dieser einseitigen Rezeption entgegenwirken. Zum einen sind Projekte zu sehen, die wenig bekannt sind, obwohl auch bei ihnen die „feine Klinge“ von Welzenbacher im Entwurf zu entdecken ist. Zum anderen werden bekannte Bauwerke unter einem neuen Blickwinkel betrachtet, der den Fokus auf architektonische Feinheiten wie etwa die subtile Transformation von historischen Elementen in die Moderne richtet.

Die von Rainer Köberl gemeinsam mit dem Fotografen und Filmemacher Lukas Schaller konzipierte Ausstellung im aut besteht aus filmischen Dokumentationen von sechzehn heute noch erhaltenen Bauten Welzenbachers. Gezeigt werden die Häuser Arnold (Wien), Baldauf und Settari (Bad Dreikirchen), Buchroithner und Heyrovsky (Zell am See), Plahl (Kitzbühel), Proxauf (Arzl), Schmucker (Ruhpolding) und Welzenbacher (Absam), die Hochhäuser für das Adambräu und die Städtischen Elektrizitätswerke in Innsbruck, das Kurhotel Seeber und eine Buchhandlung in Hall in Tirol, eine Kirche in Huben (Osttirol) und zwei Wohnbauten in Bregenz und Feldkirch.

Lange und ruhige Kameraeinstellungen vermessen den städtebaulichen oder landschaftlichen Kontext, machen Details, Oberflächenstrukturen wie Materialien sichtbar und vermitteln die spezifischen Raumdramaturgien der Gebäude. Indem sie den Blick auf weitgehend unbekannte Qualitäten lenken, möchten Rainer Köberl und Lukas Schaller zu einer Neubewertung des Werks von Lois Welzenbacher beitragen. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Modell von Innsbruck, das Lois Welzenbachers nicht realisierte städtebauliche Konzepte zeigt.

Im Archiv für Baukunst werden scheinbar gegensätzliche Entwürfe Welzenbachers – dem „anderen Architekt der Moderne“ – mit Plänen, Fotografien und Modellen einander gegenübergestellt und so die Ambivalenz zwischen Internationalität und Regionalität, Tradition und Innovation, Funktionalismus und organischem Bauen herausgearbeitet.

Integraler Bestandteil der Ausstellung ist die von Rainer Köberl initiierte Website loiswelzenbacher.at, auf der u. a. die vergriffenen Publikationen über Lois Welzenbacher von Guido Harbers ( 1931 ) sowie von Friedrich Achleitner und Ottokar Uhl ( 1968 ) digital verfügbar sein werden.

Begleitend zur Ausstellung finden Vorträge von Joachim Moroder und Dietrich Neumann, ein „nimm 3“ mit Werner Burtscher, Hugo Dworzak und Bruno Sandbichler über deren Beziehung zu Welzenbacher, eine Führung zu Welzenbachers Bauwerken in Absam und Hall sowie eine Führung durch das Adambräu statt. Außerdem wird sich eine vom Archiv für Baukunst konzipierte Publikation der Geschichte des Adambräu-Sudhauses von der Planung bis zur heutigen Nutzung widmen.

Über Lois Welzenbacher
11. Oktober 2019 bis 11. Jänner 2020

Aut. Architektur und Tirol
Lois-Welzenbacher-Platz 1
A - 6020 Innsbruck

T: 0043 (0)512 571567
F: 0043 (0)512 571567-12
E: office@aut.cc
W: http://www.aut.cc/

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  •  11. Oktober 2019 11. Januar 2020 /
Haus Settari, Bad Dreikirchen, 1922–23 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Settari, Bad Dreikirchen, 1922–23 – © Lukas Schaller (Film-Still)
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Adambräu Sudhaus, Innsbruck, 1926 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Adambräu Sudhaus, Innsbruck, 1926 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Adambräu Sudhaus, Innsbruck, 1926 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Adambräu Sudhaus, Innsbruck, 1926 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Städtische Wohnanlage, Feldkirch, 1925–26 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Städtische Wohnanlage, Feldkirch, 1925–26 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Welzenbacher, Absam, 1945 – © Lukas Schaller (Film-Still)
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Haus Baldauf, Bad Dreikirchen, 1922–23 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Baldauf, Bad Dreikirchen, 1922–23 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Heyrovsky, Zell am See, 1932 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Heyrovsky, Zell am See, 1932 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Heyrovsky, Zell am See, 1932 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Heyrovsky, Zell am See, 1932 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Schmucker, Rupolding, 1938–39 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Haus Schmucker, Rupolding, 1938–39 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Kurhotel Seeber (heute Parkhotel), Hall in Tirol, 1930–32 – © Lukas Schaller (Film-Still)
Kurhotel Seeber (heute Parkhotel), Hall in Tirol, 1930–32 – © Lukas Schaller (Film-Still)