US-Kultur: Immer mehr Burger Kings verschwinden

10.08.2005

Vergangenes Jahr gab es in den USA noch exakt 7956 Burger-King-Restaurants. Auch wenn die Zahl astronomisch erscheinen mag: Die Fast-Food-Hubs mit ihren Plastikschalenstühlen und gelben Linoleum-Tischen sterben dahin wie die Fliegen. Und dagegen formt sich vielerorten Protest. In manchen amerikanischen Städten wird sogar gefordert, die einstigen architektonischen Schandflecken unter Denkmalschutz zu stellen.


Eine 2004 durchgeführte Studie ergab, dass fast 60 Prozent der amerikanischen Bevölkerung keinen Burger King (BK) mehr in ihrer Nähe haben. Die im Vergleich zur Konkurrentin McDonald als «Nobelmarke» gehandelte Fast-Food-Kette verschwindet immer mehr aus dem Stadtbild. Für viele Leute eine Katastrophe, denn für sie ist das BK von Kind auf zum zweiten Esszimmer und damit zu einem Stück Heimat geworden.

«Ich kam schon als Kind hierher, als der Laden eröffnet wurde», meint eine hartnäckige BK-Verfechterin. Und: «Wo sollen denn jetzt meine Kinder hingehen, wenn sie Whopper oder Chicken Tenders wollen?» Dabei hatte BK beinahe schon die Dichte von McDonald erreicht.

Viele Gemeinden wollen dem Verschwinden der BK-Häuser jedoch nicht tatenlos zusehen. Sie kämpfen für die Erhalten der BK-Kisten, die so hässlich sind, dass sie schon beinahe wieder als schön erscheinen. So haben sich etwa in Seattle Freiwillige zu einer Bürgerinitiative zum Erhalt des Burger Kings an der Rainier Avenue zusammengeschlossen. Und Bürgermeister Greg Nickels hat den Laden daraufhin unter Denkmalschutz gestellt. In Phoenix hat Gloria Poenig eine Unterschriftensammlung organisiert, um das Bewusstsein ihrer Mitmenschen über das Schicksal vieler Budget-Restaurants zu schärfen. Geschlossene Burger Kings sind für sie traurige Zeugen der untergehenden amerikanischen Fast-Food-Kultur. Poenig: «Immer wenn ein BK schließt, stirbt auch ein Stück Amerika».

Dabei gehe es nicht nur um die Gebäude, sondern auch um die Philosophie, meint Steve Quislen, ein Anwalt für Bürgerrechte, der seit zwölf Jahren unentgeldlich für BK kämpft. Seine «Coalition To Save Our Franchise Landmarks» trifft sich jeden Sonntag im Bedford Street Burger King in Chicago, setzt sich die Papp-Krone auf und isst Bacon Double Cheeseburger: «Wir müssen für die Dinge eintreten, die unsere Gesellschaft so grossartig machen - wie Burger Kings neuen Omelet-Sandwich», so der Anwalt. Viele BK-Fans wollen es nicht zulassen, dass es dem «Home Of The Whopper» ähnlich ergeht wie schon Sambo's oder Kenny Roger's Roasters.

Das erste Burger-King-Restaurant wurde 1954 von James McLamore und David Edgerton nach dem Vorbild von McDonalds in Miami/Florida eröffnet. In den USA pflegte BK stets einen wesentlichen höheren Qualitäts- und Sauberkeitsstandard als McDonalds und ist entsprechend auch fast doppelt so teuer. In den Ländern ausserhalb der USA sind die Unterschiede nicht so gravierend.

In Europa sperrte das erste Burger King 1975 in Madrid auf. In Deutschland gibt es derzeit 454 solcher Restaurants, in Österreich deren 20 und in der Schweiz nur gerade 5. Als sich Burger King 1971 daran schickte, den australischen Kontinent zu erobern, war die Marke dort bereits eingetragen. In der Folge nannte sich die BK-Kette im Land der Kängurus einfach «Hungry Jacks».

Während also die BKs in den Vereinigten Staaten langsam aber sicher Auflösungstendenzen zeigen, wurde bezeichnenderweise erst in diesem Jahr das erste Burger-King-Restaurant in China eröffnet.


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