Buchtipp im Mai 08

10.05.2008 Irene Selhofer

Der Franzose Philippe Frey durchquert alleine in Etappen mit jeweils zwei Kamelen die Sahara von der Ost- zur Westküste. Der Ehrgeiz, dies als erster Mensch alleine zu leisten, treibt ihn durch alle Widrigkeiten. Er zieht durch Gebiete, die nur die Schmuggler kennen, droht zu verdursten, verliert für Tage das Augenlicht. Er gerät in Aufstände, Putsche und Bürgerkriege, steht vor verminten Wasserstellen und vergifteten Brunnen.


Trotz meiner Wüstenbegeisterung weiss ich nicht so recht, warum sich der gute Mann immer wieder beklagt, sich vor Patrouillen verstecken zu müssen, wo er doch streckenweise keine Visa- und keine Routengenehmigungen hat. Als er von Nomaden beklaut wird, ist er sooo enttäuscht, weil die Einheimischen ihn nicht als Botschafter der Völkerverständigung wahrnehmen...

Die Kamele sind ihm sein Ein und Alles, trotzdem verrecken sie, weil er zu spät im Jahr unterwegs ist. Davon abgesehen beschreibt er die unterschiedlichen Dünenlandschaften, Wüstenarten, die Tier- und Pflanzenwelt in sehr schönen Bildern - stilistisch kein Raoul Schrott aber gut lesbar. Gerade zu Zeiten von mediengehypten Entführungen kann man genau nachlesen, was man nicht tun soll, wenn man sich in die Wüste aufmacht; mit dem Unterschied, dass er sich doch so gut auskennt, um sich helfen zu können – und das Glück hat, auf keine Mine zu treten.

Frey, Philippe: Der weisse Nomade
Quer durch die Sahara vom Roten Meer bis zum Atlantik
Unionsverlag, 2008, 252 S., EUR 15,40

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