Ausstellung "Die Glocken herunter in eiserner Zeit" im Vorarlberg Museum

01.12.2018

Anlässlich des Gedenkjahres 2018 erzählt das multimediale Ausstellungsprojekt “Die Glocken herunter in eiserner Zeit” von einem Teilaspekt des Ersten Weltkrieges – den unzähligen Kirchenglocken, die abgenommen und für die Waffenindustrie eingeschmolzen wurden. Der Krieg prägte den Alltag der Menschen und als plötzlich auch noch die Kirchenglocken fehlten, machte ihr Verlust deren Bedeutung für einen Ort und dessen Bewohner deutlich.


Das Ausstellungsprojekt wirft nicht nur einen ungewöhnlichen Blick auf die Heimatfront, sondern wählt auch in der Geschichtsvermittlung eine neue Methode: Die Vergangenheit wird mithilfe einer Virtual-Reality-Brille sinnlich erfahrbar. Die Ausstellung wird am Freitag, 7. Dezember um 17.00 Uhr eröffnet und ist bis 17. März zu sehen.

Kein vergleichbarer Klang hat die Sinneskultur Europas dermaßen geprägt wie Glocken. Glocken begleiten bis heute die Menschen von der Geburt bis zum Tod und markieren besondere Feste und Feiertage. Sie stellten früher ein Kommunikationssystem dar und regelten nach einem mittlerweile vergessenen Rhythmus den Alltag.

Zu Kriegszeiten war ihr materieller Wert bedeutsam. Die unerwartet lange Dauer des Ersten Weltkriegs führte zu einem Rohstoffmangel in der Kriegsindustrie. Metallsammlungen konnten den Bedarf nicht decken, also wurden Kirchenglocken herangezogen. 1916 kam der Erlass, zwei Drittel des Bestandes abzuliefern. Viele Gemeinden stellten Gesuche und baten um deren Erhalt. 1917 folgte die nächste Weisung: Nur die kleinste Glocke durfte im Turm bleiben. Rund 90% aller Kirchenglocken wurden zwischen 1916 und 1918 eingeschmolzen. In manchen Orten leistete die Bevölkerung Widerstand und blockierte den Zugang zum Glockenturm.

Die Ausstellung ist Teil eines Forschungsprojekts des Volkskundlers Thomas Felfer, der an der Universität Sussex/Großbritannien an seiner Dissertation arbeitet. Anhand der Kirchenglocken in Vorarlberg untersucht er, welche Erinnerungen, Emotionen und Klangerfahrungen mit ihnen verbunden sind. Er betrachtet sie als „Klang-Zeugen“ historischer Ereignisse.

Die Erste Republik war geprägt von Erinnerungen, Traditionen und institutionellen Praktiken des Kaiserreichs. Kirchenglocken als fester Bestandteil des Zusammengehörigkeitsgefühls waren dabei ein willkommenes Symbol zur Entwicklung einer neuen Identität. Unmittelbar nach dem Krieg wurden die Glockentürme wieder bestückt. Die 1920er Jahre markieren dabei akustisch eine besondere Zeit. Die neuen Kirchenglocken in den Vorarlberger Dörfern schufen erneut einen kollektiven Moment, doch diesmal war es ein Moment der Freude. Der Neuguss von Glocken könnte als ein Element für die Suche nach einer neuen Identität gesehen werden. Besonders «Kriegerglocken» zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs waren eine gängige Praxis und verstärken diesen Eindruck.

Die Ausstellung nimmt die sakrale Anmutung des 23 Meter hohen Atriums des vorarlberg museums auf: Ein Nachbau des Kirchturms von St. Martin in Dornbirn und die alte Glocke der Pfarrgemeinde Nüziders dominieren den Raum. Zitate und historische Fotografien veranschaulichen, wie die Bevölkerung auf Glockenabnahmen und den Abtransport auf Pferdekarren reagiert haben.

Das Verstummen der Glocken wird durch den Einsatz von Virtual Reality «sinnlich» erfahrbar. Die Besucherinnen und Besucher begeben sich mit einer Virtual Reality Brille auf eine fünfminütige Reise in den Glockenturm, können oben angekommen die Aussicht auf das Dorf genießen. Dann beginnt eine Glocke von ihrem Schicksal zu erzählen, in der Ferne das Tosen der Front, ehe sie eingeschmolzen wird und nichts übrig bleibt außer Zerstörung.


Die Glocken herunter in eiserner Zeit
Glockenabnahmen im Ersten Weltkrieg
8. Dezember 2018 bis 17. März 2019
Vernissage: Fr 7. Dezember, 17.00 Uhr

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1
A-6900 Bregenz
T: 0043 (0)5574 46050
F: info@vorarlbergmuseum.at
W: http://www.vorarlbergmuseum.at


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 21 Uhr

 

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