Was ist Musik?

31.10.2018 Rosemarie Schmitt

Man schrieb das Jahr 1873 als Tolstoi seinen Roman «Anna Karenina» begann und Jules Verne seine «Reise um die Welt in 80 Tagen» beendete. Goltz entdeckte die Wirkung der Sexualhormone (Anmerkung von Frau Schmitt: in Tierversuchen!). Enrico Caruso, Max Reger und Sergej Rachmaninov wurden geboren. Der eine in Italien, der andere in der Oberpfalz und drittgenannter als Sergej Vasil'evič Rachmaninov auf dem Landgut Semjonowo im damaligen russischen Königreich. Da er selbst als Umschrift seines Namens Rachmaninoff benutzte, tue ich dies im Folgenden auch.


Bereits mit neun Jahren begann er sein Studium am Petersburger Konservatorium. Im Alter von 28 Jahren heiratete er eine Cousine und hörte Wagners Musik in Bayreuth. Was für ein tolles Leben werden Sie möglicherweise denken ... Doch Rachmaninoff hatte, was man eine perfekte schwere Kindheit zu pflegen nennt. Die Folgen ständiger finanzieller Engpässe sowie die Trennung der Eltern waren phlegmatische Leistungsschwäche. Auch unter dem Begriff Faulheit bekannt.

Er war Linkshänder, was nicht schlimm, indes auffällig gewesen sein mag. Schlimm für ihn war sicherlich die Reaktion des Premierenpublikums nach der Uraufführung seiner 1. Sinfonie! Es war 1897, der Komponist 24 Jahre alt und noch nicht verheiratet. Seine Sinfonie sei dekadent, harmonisch pervers, musikalisch hoffnungslos. Das Dirigat Glasunows sei zudem seelenlos gewesen!

Über Jahrzehnte sollen insbesondere deutsche Musikwissenschaftler Rachmaninoff als Komponist "rückwärtsgewandter Kitsch-Musik" bezeichnet haben. Autsch!

Doch ein Jahr vor seiner Hochzeit mit Natalia Satina begann seine musikalische Hoch-Zeit! Das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 schimpfte plötzlich all jene, die an Rachmaninoffs kompositorischen Fähigkeiten zweifelten, Lügner oder "Keine-Ahnung-haber"! Dieses Konzert avancierte zu einer der meistgespielten klassischen Kompositionen. Wer kennt es nicht? Wenige! Wenn auch ohne es zu wissen denn das Thema wurde zig Mal (das schreibe ich, da ich nicht weiß wie oft) als Filmmusik verwendet. Beispielsweise in Billy Wilders Film "Das verflixte siebente Jahr".

Sergej Rachmaninoff ist und bleibt als Komponist meisterhaft schöner Klaviermusik in unser aller Bewußtsein.

Ende September veröffentlichte das Label Berlin Classics die CD "The Rachmaninov Preludes".

Für die Pianistin Claire Huangci sind es Paradestücke, "um die längeren Bögen im Leben eines Komponisten besser zu verstehen." Bei Rachmaninoff und seinen 24 Préludes aus insgesamt drei Opera ist dies besonders interessant, da sie innerhalb von 18 Jahren entstanden. Diese Préludes sind ein Streifzug durch die Leidenschaften, Ekstasen, Sehnsüchte, Sinnlichkeiten, Schaffenslüste, Empörungen und Zärtlichkeiten des Komponisten.

Im Jahr 1892 legte Rachmaninoff (19 Lenze jung) nicht nur die Abschlußprüfung für Komposition ab, sondern auch den Grundstein mit dem Prélude in cis-Moll op. 3 Nr. 2, welches sich schnell zu einem seiner bekanntesten Werke entwickelte. Die stetigen Wünsche des Publikums nach Zugaben veranlasste den Komponisten 1921 zur Aussage: "Andere Préludes gefallen mir wesentlich besser." Wenn wir die Psychologie des Préludes erkennen sollen, lassen Sie es so verstehen, dass es seine Funktion nicht ist, eine Stimmung auszudrücken, sondern sie herbeizuführen." Ich bin überzeugt, Sergej Rachmaninoff wäre einer der größten Fans von Claire Huangci, könnte er nur hören ...

Das Büro für Künstler über Claire Huangci & Sergei Rachmaninoff: https://www.bkw-net.de/portfolio-item/claire-huangci

Was ist Musik? "Eine ruhige Mondnacht, das Rauschen der Blätter, entferntes Abendläuten. Das, was von Herz zu Herz geht, die Liebe. Die Schwester der Musik ist die Poesie – ihre Mutter: die Schwermut!" So erklärte Sergej Rachmaninoff die Musik – uns und sich.

Was also ist Musik? DAS ist Musik!

Herzlichst,
Rosemarie Schmitt


  • Claire Huangci, Foto: Gregor Hohenberg

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