Die Teufelsbrigade - Distant Drums

18.10.2018 Walter Gasperi

Ein Trupp von Soldaten muss sich 1840 durch die Sümpfe Floridas durchschlagen und wird gleichzeitig von feindlichen Indianern verfolgt. – Raoul Walshs 1951 gedrehtes Western-Remake seines Kriegsfilms «Objective, Burma!» ist bei Schröder Media auf DVD erschienen.


Raoul Walsh gehört zu den ganz großen Regisseuren des klassischen Hollywood-Kinos. In unterschiedlichsten Genres vom Western über den Gangster- und Kriegsfilm bis zur Komödie hat er Meisterwerke gedreht. Der Stoff des Kriegsfilms «Objective, Burma!» (1945), in dem sich Errol Flynn als US-Captain mit seinem Trupp, verfolgt von japanischen Soldaten, durch den Dschungel Südostasiens nach Indien durchschlagen muss, hat ihn offensichtlich so fasziniert, dass er ihn sechs Jahre später im Westerngewand nochmals verfilmte.

Untypisch für einen Western spielt «Die Teufelsbrigade – Distant Drums» aber nicht im amerikanischen Westen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sondern in Florida während des zweiten Seminolenkriegs (1835 - 1842). Statt Prärie und Berge bestimmen so folglich auch Sümpfe und Dschungel die Landschaft, statt auf Pferden sind die Protagonisten zu Fuß oder per Boot unterwegs.

Erzählt wird vorerst aus der Perspektive von Leutnant Tufts (Richard Webb), der durch den Dschungel zu Captain Quincy Wyatt (Gary Cooper) vorstößt. Dieser soll mit ausgewählten Soldaten eine Festung, in der die feindlichen Seminolen Waffen erhalten, sprengen und anschließend per Boot ins sichere Gebiet zurückkehren.

Der erste Teil des Plans gelingt, doch die Rückkehr per Boot wird durch einen Angriff der Indianer verhindert, sodass sich der Trupp, der von den Seminolen verfolgt und immer wieder angegriffen wird, durch die Everglades durchschlagen muss.

Das ungewöhnliche Setting, für einen Western ungewöhnliche Details wie eine steinerne Festung oder die Bedrohung durch Alligatoren verleihen «Die Teufelsbrigade - Distant Drums» ebenso einigen Reiz wie die schon unrealistisch kräftigen Farben. Da leuchtet der Dschungel in sattestem Grün, mit türkisfarbenem See und weißem Sandstrand wird ein Paradies beschworen, in unterschiedlichste Schattierungen von Dunkelblau ist eine Nacht auf einem See getaucht.

Der Nachspann vermerkt zwar, dass Teile des Films an Originalschauplätzen gedreht wurden, doch gleichzeitig stört bei vielen Szenen die ausgesprochen schwache Rückprojektion, die das Aufkommen von Atmosphäre immer wieder verhindert.

Negativ fällt auch die eindimensionale Zeichnung der Seminolen als blutrünstige Wilde sowie die oberflächliche Handlung und Figurenzeichnung auf. Reichlich Action und äußere Handlung wird mit Bedrohungen durch die Natur von Alligatoren bis zu Schlangen und Angriffen der Indianer zwar geboten, gruppendynamische Prozesse und Konflikte innerhalb von Wyatts Trupp kommen dagegen zu kurz.

Ganz auf Gary Cooper, der diesen Captain souverän spielt, zugeschnitten ist dieser Western. Nur er gewinnt etwas Profil, bietet am Ende in einer der stärksten Szenen des Films auch Einblick in seine eigene Geschichte, während Tufts, der doch zunächst als Erzähler fungiert, völlig in den Hintergrund tritt. Völlig anonym bleiben die Männer Wyatts, auch sein Scout Monk bleibt blass, und auch Mari Aldon kann nicht wirklich Interesse für die blonde Judy, die bei der Einnahme der Festung befreit wird, wecken. Kaum mehr als optischen Aufputz und wenig glaubwürdiges Love-Interest bietet diese Frauenrolle.

Sicherlich nicht zu den großen Filmen Walshs gehört «Die Teufelsbrigade - Distant Drums» somit, bietet aber immerhin leidlich spannende Unterhaltung. Wirklich interessant wäre aber ein Vergleich dieses Films mit dem als Vorlage dienenden «Objective, Burma!», der zu den Klassikern des Kriegsfilms zählt.

An Sprachversionen bietet die bei Schröder Media erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf den Trailer zum Film.

Trailer zu «Die Teufelsbrigade - Distant Drums»

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