Die Rache des Toten - The Walking Dead

04.10.2018 Walter Gasperi

Ein unschuldig Hingerichteter wird von einem Wissenschaftler wieder zum Leben erweckt und rächt sich nun an den Menschen, die ihn auf den elektrischen Stuhl gebracht haben. - Michael Curtiz‘ durch seine kompakte Inszenierung immer noch spannender Mix aus Gangster- und Horrorfilm ist bei Schröder Media auf DVD erschienen.


Gerade einmal 63 Minuten lang ist Michael Curtiz´ 1936 gedrehter Schwarzweißfilm. Aufs Wesentliche reduziert ist jede Szene, von Anfang an gedrängt und verknappt die Erzählweise.

Weil Richter Shaw entgegen der allgemeinen Erwartung nicht davor zurückschreckte, ein Mitglied einer Verbrecherbande zu einer langjährigen Haftstrafe zu verurteilen, wollen die Gangster Shaw beseitigen. Im soeben aus dem Gefängnis entlassenen Musiker John Ellman (Boris Karloff) finden sie ein Opfer, dem sie den Mord in die Schuhe schieben können.

Prompt wird Ellman auch zum Tode verurteilt, doch kurz vor der Hinrichtung meldet sich ein junges Paar, das seine Unschuld bezeugen kann. In der Dehnung des Wartens auf die Hinrichtung und dem Umstand, dass das Gefängnis zu spät die Nachricht von der Unschuld des Verurteilten erhält ist «Die Rache des Toten» auch ein entschiedenes Plädoyer gegen die Todesstrafe.

Hier freilich gelingt es dem Wissenschaftler Dr. Beaumont (Edward Gwenn) Ellman wieder zum Leben zu erwecken. An seine Vergangenheit kann sich dieser nun aber nicht mehr erinnern, bewegt sich vielmehr wie von einer fremden Macht gesteuert durch den Alltag und sucht die Menschen heim, die für seine Hinrichtung verantwortlich waren. Gewalt muss er dabei aber nicht anwenden, denn allein schon sein bohrender Blick treibt die Betroffenen in tödliche Panik.

Bruchlos verschmelzt «Casablanca»-Regisseur Michael Curtiz in dem atmosphärisch dichten und mit seinen Schattenspielen teilweise an den deutschen Expressionismus anknüpfenden Film eine klassische Krimigeschichte, um eine Bande von gesellschaftlich angesehenen Verbrechern, die eine Stadt kontrollieren, mit Motiven von «Frankenstein». Nicht nur die Besetzung Ellmans mit «Frankenstein»-Darsteller Boris Karloff legt diesen Vergleich nahe, sondern auch die Art und Weise, wie er nach der Hinrichtung wieder zum Leben erweckt wird.

Mit Dr. Beaumont spielt zudem das Motiv des Mad Scientist herein, der die Grenzen des Erlaubten überschreitet und mit seinen Versuchen der Hybris verfällt. Wie Frankensteins Geschöpf ist aber auch Ellman kein Ungeheuer, sondern vielmehr eine leidende Seele, die sich nach Erlösung sehnt. Immer wieder sucht der von Karloff wunderbar melancholisch gespielte Protagonist deshalb auch den Friedhof auf.

Der pessimistischen Weltsicht mit dem Tod als Zustand des Friedens und der Erlösung steht andererseits wiederum der Glaube gegenüber, dass es einen gerechten, aber auch alttestamentarisch strafenden oder rächenden Gott gibt, in dessen Auftrag der aus dem Totenreich zurückgekehrte Ellman agiert.

An Sprachversionen bietet die bei Schröder Media erschienene DVD über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber über keine Untertitel. Die Extras sind mit einer Trailershow so knapp gehalten wie der Hauptfilm.

Teaser zu «Die Rache des Toten - The Walking Dead»

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