Jörg Immendorff: Für alle Lieben in der Welt

13.09.2018

14.09.2018 bis 27.01.2019  Haus der Kunst

Jörg Immendorff (1945-2007) pflegte sein Image als Künstler und harter Kerl, doch er hatte auch weiche und nachdenkliche Seiten, die man neben seinem politischen Sendungsbewusstsein in der Retrospektive «Für alle Lieben in der Welt» entdecken kann.


Mitte der 1960er-Jahre als Beuys-Schüler an der Düsseldorfer Akademie erprobt sich Immendorff zunächst als Agitationskünstler. Die Aktionen der Lidl-Akademie, die er mit seiner ersten Ehefrau Chris Reinicke entwickelt, stehen für Liebe und Frieden und den Wunsch die Welt zu verändern, sich gegen die uninspirierte und wenig geistreiche Politik in Deutschland aufzulehnen. «Lidl» ist dabei ein Kunstwort in der Tradition von Dada. Intuition und Schöpfergeist sollen durch die Aktionen befreit werden. Später steht Immendorff der KPD nahe. Einige Jahre arbeitet er als Hauptschullehrer und entwickelt eine Bildsprache, in der Wort und Bild gleichberechtig nebeneinander stehen. Unter dem Titel «Rechenschaftsbericht» entsteht ein Zyklus von Gemälden mit klarer politisch-pädagogischer Botschaft.

Erst Ende der 1970er-Jahre fasst Immendorff den Entschluss sich vollkommen der Kunst zu verschreiben. 1976 beteiligt er sich an der Biennale in Venedig und 1977 folgt schließlich der Einstieg in den Café Deutschland-Zyklus, angeregt durch Renato Guttusos Café Greco, das Immendorff in einer Ausstellung in Köln gesehen hatte. In den Café Deutschland-Bildern arbeitet sich Immendorff an der Politik seiner Zeit ab – es ist die Zeit der RAF und innenpolitischer Konflikte auf beiden Seiten der Mauer –, eine Wiedervereinigung scheint vollkommen außerhalb jeglicher Realität.

In düsteren, theaterhaften Barszenen, die von Prominenten und Künstlern bevölkert sind, stellt Immendorff sich selbst meist als Grenzgänger zwischen Ost und West dar. Neben der klaren politischen Motivation zeigen die Bilder jedoch auch Immendorffs Gedankenwelt, in der Ideen über Zeit und Raum miteinander im Dialog stehen. 1998 erfährt Immendorff, dass er an ALS erkrankt ist. Seine Welt wird dunkler und sein Werk richtet sich zunehmend nach innen. Er arbeitet bis zu seinem Tod – am Ende nur noch mit Unterstützung von Assistenten, die seine Anweisungen im Atelier ausführen.

Die Retrospektive wird ca. 200 Werke aller Schaffensphasen umfassen. Sie folgt keiner strengen Chronologie der Werke, vielmehr wird sie entscheidende Schwerpunkte der Werkentwicklung in Kapiteln darstellen.

Jörg Immendorff: Für alle Lieben in der Welt
14. September 2018 bis 27. Januar 2019

Haus der Kunst
Prinzregentenstrasse 1
D-80538 München
T: 0049 (0)89 21127-113
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E: mail@hausderkunst.de
W: http://www.hausderkunst.de


Öffnungszeiten

Mo bis So 10 – 20 Uhr
Donnerstag 10 – 22 Uhr

 


  • Wer reitet zu spät… Schwarzes Schaf, 1999/2000. Öl auf Leinwand, 350 x 600 cm; Sammlung Viehof / bzw. Viehof Collection, Foto: Lothar Schnepf, Köln. © Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
  • Für alle Lieben in der Welt, 1966. Öl auf Leinwand, 160 x 130 cm; Städtische Galerie Karlsruhe. © Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
  • Café Deutschland I, 1978. Öl auf Leinwand, 282 x 330 cm. © Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
  • Eßt deutsche Äpfel, 1965. Dispersionsfarbe auf Leinwand, 100 x 100 cm; Sammlung Wild, Heidelberg. © Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
  • Selbstporträt nach dem letzten Selbstporträt, 2007. Öl auf Leinwand, 300 x 250 cm; Nationalgalerie, Berlin. © Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
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