BlacKkKlansman

28.08.2018 Walter Gasperi

Spike Lees bester Film seit langem ist ein meisterhafter satirischer Thriller, der einen leichthändigen Mix aus mitreißendem Kino und bissiger Abrechnung mit dem Kukluxklan und dem weißen rassistischen Amerika bietet. Gespart wird dabei auch nicht mit Seitenhieben gegen Donald Trump.


Aus einer ebenso wahren wie unglaublichen Geschichte entwickelt Spike Lee nach dem autobiographischen Buch von Ron Stallworth einen Lees satirischen Thriller, doch lässt er es nicht damit bewenden, sondern bettet diese Geschichte durch brillant ausgewähltes und montiertes Archivmaterial in den Kontext des amerikanischen Rassismus ein. Souverän spannt er dabei den Bogen von der Vergangenheit bis zu den rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville im August 2017 und der Reaktion von Donald Trump.

Am Beginn steht aber eine Szene aus «Gone with the Wind», die den Blick auf die Opfer der Schlacht von Atlanta bietet und gleichzeitig den Traum der Erhaltung der alten Südstaaten – und damit wohl auch der Sklaverei - beschwört. In furioser Montage von Ausschnitten aus Reden von Führern des Kukluxklan, in denen sie gegen die Bürgerrechtsbewegung der 1950er Jahre und die Aufhebung der Rassentrennung wettern und die Überlegenheit der weißen Rasse und die Notwendigkeit der Erhaltung ihrer Reinheit betonen, macht Lee prägnant das Fortbestehen des rassistischen Gedankenguts sichtbar. Erst danach setzt die eigentliche Handlung ein, die in den späten 1970er Jahren spielt.

Im Mittelpunkt steht der junge Ron Stallworth (John David Washington, der Sohn von Denzel Washington, mit dem Lee schon vier Filme gedreht hat), der als erster Afroamerikaner Mitglied der Polizei von Colorado Springs wird. Dort muss er zwar rassistische Beleidigungen hinnehmen, lässt sich aber davon nicht einschüchtern.

Gelangweilt vom Job im Archiv, bietet er an, sich in den Kukluxklan einzuschleusen, um zu ermitteln. Kann er sich freilich bei den Telefonaten als rassistischer Weißer ausgeben, muss er bei der direkten Kontaktaufnahme von einem Weißen gedoubelt werden. Gefunden wird dieser in Stallworths Kollege Philip «Flip» Zimmerman (Adam Driver), der gegenüber dem Kukluxklan freilich seine jüdische Identität verbergen und sich als radikaler Rassist und Antisemit ausgeben muss.

So entwickelt sich in diesem Doppelspiel nicht zuletzt dank brillanter Dialoge messerscharf auf dem Grat zwischen Satire und Thriller wandelndes mitreißendes Unterhaltungskino, das gleichzeitig scharf und unmissverständlich in seiner Botschaft ist.

Meisterhaft führt Lee in den Telefonaten Stallworths mit den Kukluxklan-Führern die Absurdität ihres Glaubens von der Überlegenheit der weißen Rasse ad absurdum und zeichnet die Ortsgruppe in den Treffen mit Zimmerman als Trupp von ziemlich bescheuerten, aber zweifellos brandgefährlichen Männern, die sich vor allem mit Saufen und Schießübungen beschäftigen, schließlich aber auch einen Anschlag planen.

Bissigen Spott versprüht Lee auch, wenn der schwarze Stallworth schließlich den bundesweiten Führer des KKK David Duke (Topher Grace) bei einem Auftritt in Colorado Springs als Leibwächter beschützen muss und sich einen Spaß daraus macht mit ihm zusammen ein Polaroid-Foto zu machen.

Große Spannung entwickelt «BlacKkKlansman» immer wieder aus der Gefahr der Aufdeckung des Doppelspiels, das Stallworth und Zimmerman gegenüber dem KKK führen. Stallworth muss aber gleichzeitig auch gegenüber seiner Freundin Patrice (Laura Harrier), die in der afroamerikanischen Studentenbewegung aktiv ist, seine Identität als Polizist geheim halten.

Zwei Vorgangsweisen gegenüber dem weißen Rassismus werden dabei mit Stallworth und Patrice vorgestellt. Während sie auf Demonstrationen und Aktionen gegen den weißen Rassismus setzt, glaubt er, dass man diesen von innen heraus mit Infiltration des KKK zerstören muss. In ihren Diskussionen erweist Lee dabei auch den kämpferischen Blaxploitation-Filmen der 1970er Jahre und deren Ikone Pam Grier seine Reverenz.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind – wie meist bei Lee – klar gezogen, feine Zwischentöne sind nicht seine Sache, aber ungemein dicht gewoben und mit viel Drive und Verve erzählt ist dieser wuchtige und kraftvolle Film.

Plakativ, aber packend stellt der 61-jährige Wegbereiter des New Black Cinema auch in einer Parallelmontage dem blindwütigen Rassismus des KKK dessen grausamen Folgen gegenüber: Während die Afroamerikaner nämlich bei einer Versammlung erschüttert der Schilderung eines alten Schwarzen (Harry Belafonte) vom Lynchmord an einem jungen Afroamerikaner durch eine weiße Menge im Jahre 1916 folgen, johlen die Mitglieder des KKK bei einer Vorführung von David W. Griffiths rassistischem Filmepos «Birth of a Nation» bei Popcorn und Bier. Durchaus belehrend gibt sich Lee dabei, wenn er den Erzähler auch darauf hinweisen lässt, dass «Birth of a Nation» zum Aufleben des Rassismus und der Neugründung des KKK entscheidend beitrug.

Gleichzeitig erinnert Lee mit dieser Szene aber auch an die propagandistische Wirkung von Filmen. An Kinotraditionen knüpft er dann auch mit dem Ende an, bei dem er seinen Helden und dessen Freundin wie Superhelden aus ihrer Wohnung in einen Gang stürmen lässt, während man durch ein Fenster auf den Feldern schon wieder ein Kreuz brennen sieht.

Wie «BlacKkKlansman» aber der Story Archivmaterial voranstellte, so wird schließt dieses auch den Film ab. Der Bogen wird damit von den geschichtlichen Ereignissen zur unmittelbaren Vergangenheit und zur Gegenwart geschlagen, wenn TV-Ausschnitte an die blutigen Ereignisse von Charlottesville im August 2017 und die indiskutable Reaktion Donald Trumps, der indirekt schon zuvor durch das mehrfach wiederholte «Make America Great Again» des KKK-Führers Duke präsent war, erinnern. - Gewidmet hat Lee seinen Film bewusst der weißen Heather Heyer, die bei der rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville getötet wurde, denn Opfer von Rassismus können nicht nur Schwarze werden.

Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems
TaSKino Feldkirch im Kino Rio
: Fr 21.9., 22 Uhr; Sa 22.9., 22 Uhr; Mo 24.9., 18 Uhr; Di 25.9., 20.30 Uhr (engl. O.m.U.)
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 25.10., 20 Uhr + Sa 27.10., 22 Uhr (engl. O.m.U.)

Trailer zu «BlacKkKlansman»

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