Der Seeräuber - The Black Swan

20.09.2018 Walter Gasperi

Henry Kings 1942 gedrehter prototypischer Piratenfilm bietet alles, was das Genre auszeichnet: ein raubeiniger Protagonist, die Liebe zu einer schönen vornehmen Dame sowie natürlich Degen- und Seegefechte. Bei KSM ist der auch durch die kühne Farbfotografie punktende Klassiker auf Blu-ray erschienen.


Lange gefackelt wird in «The Black Swan – Der Seeräuber» nicht. Unmittelbar setzt dieser Klassiker des Piratenfilms mit dem Überfall auf eine Hafenstadt in der Karibik ein. Die Piraten scheinen leichtes Spiel zu haben, werden am Abend an der Küste von den britischen Truppen aber wieder überwältigt. Kapitän Jamie Waring (Tyrone Power) wird gefoltert, doch der Pirat Henry Morgan (Laird Cregar), der eigentlich in London gehängt werden sollte, dann aber von König Karl II. begnadigt und zum Gouverneur von Jamaika ernannt wurde, rettet ihn.

Morgan will seinen Job ordentlich erfüllen und erklärt den Piraten, dass der König auch ihnen Amnestie gewährt, wenn sie der Seeräuberei abschwören und sich auf den Westindischen Inseln ansiedeln. Während Waring und dessen Leute in die Dienste des neuen Gouverneurs treten, vermutet der Pirat Leech (George Sanders) dahinter eine Falle und beschließt weiter, Beutezüge durchzuführen.

Waring bleibt aber auch aus Liebe zur vornehmen Margaret (Maureen O´Hara), der Tochter des ehemaligen Gouverneurs, auf Jamaika. Mit seinem rauen Umgang schreckt er diese aber mehr ab als sie zu erobern. Bald erweist sich die vornehme britische Oberschicht, darunter auch Margarets Geliebter, aber als heuchlerische und intrigante Gesellschaft, die Morgan und seine geläuterten Piraten mit hinterhältigen Methoden in Misskredit bringen will.

«The Black Swan – Der Seeräuber» bietet alles, was das Genre aus- oder kennzeichnet. Große Degenduelle fehlen so wenig wie Seegefechte, dazu kommen natürlich der Kampf um eine schöne Frau, der Gegensatz von kultivierter Gesellschaft und ungehobelten Piraten und schließlich im Hintergrund auch der Konflikt zwischen Spaniern und Briten.

Neben der temporeichen Erzählweise begeistert dieser Klassiker aber auch immer noch mit seinen brillanten Technicolorfarben (Kamera: Leon Shamroy), durch die der Himmel mal rot und mal blau leuchtet und sich das rote Kopftuch Warings ebenso nachdrücklich einprägt wie die Kleider Margarets oder die irreal bunten Blumen im Garten des Hauses des Gouverneurs.

Gleichzeitig zeichnet Henry Kings Film aber auch ein auffallender Paradigmenwechsel gegenüber früheren Piratenfilmen aus. Nicht durch ein Unglück oder Hinterhalt kam hier nämlich der Protagonist zur Seeräuberei, sondern entschied sich selbst aus Überzeugung für dieses Leben.

In Gegenüberstellung der vornehmen Gesellschaft und der Piraten zeigt King auch klar, wo seine Sympathien liegen. Von der Sozialisierung eines Raubeins, scheint «The Black Swan» schon zu erzählen, als Waring im vornehmen Haus des Gouverneurs einzieht, doch rasch werden hinter der Wohlanständigkeit der Oberschicht Gemeinheit und Hinterlist sichtbar. Dieser Durchtriebenheit werden die zwar wenig kultivierten, aber unverstellt agierenden Piraten gegenübergestellt und damit auch der Zivilisiertheit eine Absage erteilt.

Kein Wunder ist folglich auch, dass schließlich auch Morgan seine britische Perücke – ein treffendes Symbol für diese Verstellung – ablegt und sich wieder dem ungebundenen Leben auf See zuwendet. Und kein Wunder ist es auch, dass auch Margaret an diesem Leben Gefallen findet und schließlich zusammen mit Waring auf dem Schiff steht und in die glutrote Abendsonne blickt.

An Sprachversionen bietet die bei KSM erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf ein Booklet mit zahlreichen Fotos und einer Beschreibung des Inhalts sowie zwei Trailer und eine Bildergalerie.

Trailer zu «Der Seeräuber - The Black Swan»

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