Satan gibt ein Bankett

30.07.2018 Kurt Bracharz

Alle 28 Jahre treffen sich die Oberhäupter der 13 Familien, die aus den satanischen Blutlinien hervorgegangen sind, zu einem Bankett, bei dem der Teufel persönlich erscheint und ihnen die Vorgaben für die nächsten Jahre auf dem Weg zur Neuen Weltordnung gibt, denn auch der Fürst der Finsternis geht nur in Teilschritten vor. Seinem Ziel der Weltherrschaft kommt er durch Blutopfer, die Dezimierung der Menschheit, Chemtrails, allgemeines Chaos und den Dritten Weltkrieg näher. Von den 13 jetzt schon die Welt beherrschenden Familien sind alle Illuminaten und die meisten jüdisch; eine von ihnen kennt jeder: die Rothschilds. Die 13 Familien programmieren ihre Kinder mittels Folter, um sie zu echten Satansbraten zu machen.


In welcher Klapsmühle sitzt nun der Erfinder und Verbreiter dieser antisemitischen Schauermärchen? Nun ja, in keiner, außer Sie wollen das Internet als Irrenhaus bezeichnen (worüber man diskutieren könnte, Robin de Ruiter, um den es hier geht, hat über 77.000 Follower).

Robin de Ruiter wurde 1951 in Enschede, Niederlande, geboren, studierte in Spanien Theologie und Geschichte, arbeitete als Journalist und schrieb schließlich jene Bücher, um die es hier geht: «Die geheime Macht hinter den Zeugen Jehovas» (1994; aus der Buchbeschreibung: «Neben den Verbindungen, die zwischen den Zeugen Jehovas und der Freimaurerei bestehen, der Ausübung spiritistischer Praktiken in der Führungsspitze der Wachtturmgesellschaft und der Gebrauch tausender unterschwelliger Botschaften und satanischer Symbole in ihren Publikationen, wird zum ersten Mal ein anregender Beitrag zur ständigen Debatte um die geheimen Mächte hinter dieser gefährlichen Sekte geliefert.»), «Im Namen der Neuen Weltordnung. Der 11. September 2001 und andere Verbrechen gegen die Menschheit [Untertitelzusatz allein auf dem äußeren Titelblatt: Der Reichstag des George W. Bush]» (2004), in dem auf Seite 114 eine Behauptung vertreten wird, die jeder schon einmal gehört hat, ohne ihren Urheber Ruiter zu kennen: «Es ist bemerkenswert, dass mit der Bekanntgabe des Angriffs auf das World Trade Center durch internationale Medien die 4.500 Juden und Israelis, die in diesen beiden Türmen arbeiten, beklagt wurden. Nachdem bekannt wurde, dass an diesem Tag fast niemand von denen am Arbeitsplatz erschienen ist, wurde plötzlich nicht mehr über diese Gruppe gesprochen. Arabische diplomatische Stellen offenbarten der jordanischen Zeitung Al-Watah, daß die Abwesenheit der Israelis von ihrem Arbeitsplatz am Tag der Katastrophe auf Hinweise vom israelischen Sicherheitsapparat der Shabak basiert. Die Zeitung Jordanian al-Watan berichtet unter Berufung auf Informationen aus diplomatischen Kreisen, daß es eine Warnung des Shabak gegeben habe.», «Adolf Hitler — Chronik seiner Flucht aus Berlin mit Hilfe des Britischen Geheimdienstes» (2012, von Neonazis als «Umerziehungsliteratur in antideutschem Sinne!» eingestuft), «Wer ermordete Slobodan Milosevic ... und warum?» (2016) und schließlich «Die 13 satanischen Blutlinien. Die Ursache vielen Elends und Übels auf Erden» (1999, 2009, alle vier Bände in einem 2016). Amazon bietet derzeit 15 Titel de Ruiters an, das ältere der beiden Bücher über die Zeugen Jehovas ist vergriffen.

Obwohl sich unter Ruiters Büchern auch eines mit dem Titel «Die Köder des Satanskultes: Die Musikindustrie, Hollywood und die Illuminaten-Gedankenkontrolle» (2004) befindet, sind es vor allem Musiker, die Ruiters Lehren verbreiten: Xavier Naidoo beispielsweise singt von den Puppenspielern, zu denen der Baron Totschild gehört, Kollegah erzählt von der finalen Schlacht zwischen Gut und Böse, nach der Christen, Muslime und Buddhisten die Welt neu aufbauen werden: die Juden sind da nicht mehr dabei. Nun sind diese Musiker vielleicht nicht die hellsten Köpfe, aber ihr Publikum kriegt die Botschaften zumindest subliminal mit.

Ruiter versteht sich als katholischer Fundamentalist, wann hören wir von seiner Exkommunikation?


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