Herbert Meusburger. Zeichensetzungen in Stein, Form und Farbe

14.07.2018

14.07.2018 bis 16.09.2018  Vorarlberg Museum

Die künstlerischen Anfänge des 65-jährigen Bizauer Bildhauers Herbert Meusburger sind im Bereich der Holzschnitzkunst angesiedelt. Bereits als 15-Jähriger besuchte er die Tiroler Holzbildhauerschule in Ebigenalp. Ab 1980 folgten die ersten Arbeiten in Stein. Seitdem ist Meusburger diesem Material verhaftet. Prägten zunächst Findlinge und Solitäre sein plastisches Schaffen, so rückten ab den 1990er Jahren zusehends vielteilige Granitformationen in den Vordergrund. Formalsprachlich erinnern diese skulpturalen Anordnungen etwa an die Konstruktionsweisen alpiner Block- und Almhüttenarchitekturen. Mit den von ihm angewendeten Arbeitstechniken wie etwa Aufrauhen und Glätten, Stützen und Lasten sowie Abspalten und Zusammenfügen setzt der Künstler auch inhaltliche Zeichen zur Zeit, ganz im Sinne von «Trennen & Verbinden».


Mit der Malerei hat der Bregenzerwälder Künstler eine zweite Ausdrucksform gefunden. Industriell hergestellte Grobspanplatten übermalt und überspachtelt er mit Acrylfarbe und legt die dem Material innewohnenden Strukturen durch Kratzen, Schaben und Ritzen wieder frei.

Das Vorarlberg Museum gibt in seiner Sommerausstellung anhand erlesener, markanter Arbeitsbeispiele nun einen repräsentativen Einblick in das Schaffen des malenden Bildhauers. Zentraler Ausgangspunkt der Werkschau stellt die monumentale, aus 38 Granitteilen bestehende Skulptur «Leben leben lassen» im lichtdurchfluteten Atrium des Hauses dar. Konkret handelt es sich dabei um eine „Behausung“ für bedrohte Pflanzen, die der Künstler eigens für das Vorarlberg Museum entwickelt hat. 16 horizontale und 22 vertikale Steinelemente sind hier zaunartig solcherart miteinander verflochten, dass sie eine acht Quadratmeter grosse rechteckige Grundfläche umschliessen, in der Hochmoorpflanzen aus Schönenbach und der Umgebung von Bad Reutte im Bregenzerwald wachsen. Die solcherart konstruierte skulpturale «Schutzzone» ist ein Verweis auf die zunehmende Zurückdrängung der Biodiversität unserer Natur.

Von dieser «Behausung» aus gesehen sind auf der Sichtachse nach aussen im Eingangsbereich des Museums drei weitere Skulpturen platziert, so zwei ebenfalls mehrteilige, an architektonische Verbindungsstücke erinnernde Granitformationen sowie im Bereich der Cafetaria eine Würfelskulptur. Auch der Vorplatz des Vorarlberg Museums wird von Grossskulpturen des Bizauer Künstlers besetzt. Markant die mehrere Tonnen schwere Säule «Identität» aus indischem Granit. Diese Arbeit, die bislang vor dem ORF-Funkhaus in Dornbirn gestanden ist, ist 2,8 Meter hoch und hat einen Grundriss von 1,3 mal 1,4 Meter. Auch ein «Findling», ein mächtiger Gletscherschliff, ist auf dem Vorplatz auszumachen sowie eine weitere vielteilige, modular erweiterbare Granitformation.

Letztlich präsentiert das Vorarlberg Museum auch rund 25 Gemälde Meusburgers. Sie hängen an den Wänden des Atriums, die die «Behausung» umgeben. Der Künstler setzt sich seit zehn Jahren intensiv mit der Malerei auseinander. Vom technischen Instrumentarium her gesehen stützt er sich bei diesen Wandarbeiten auf Materialien wie Acrylfarbe und Gips, die er mit Spachteln und anderen Hilfsmitteln auf OSB-Platten aufträgt. Obwohl der Bizauer die Acrylfarbe dann in vielen Schichten und Gesten anbringt, sind die «Gemälde» von feinen, dichten Strukturen und Maserungen geprägt.

Diese Strukturen sind den OSP-Platten typischerweise bereits von vornherein eingeschrieben. Mit Hilfe von Kaltnadel- und Schabwerkzeugen legt Meusburger diese sedimantiv unter den Farbschichten «wartenden» Gefüge partiell frei, indem er je nach Intention und Stimmung das eine oder andere Muster hervorhebt und verstärkt, andere wiederum unterdrückt oder schwächer anklingen lässt. Formal erinnern diese «Einschreibungen» in gewissem Sinne auch an übereinandergelagerte Halme von Stroh und Heu oder Steinkrusten. Der Künstler scheint sich sprichwörtlich die Natur ins Bild zu holen.


Herbert Meusburger. Zeichensetzungen in Stein, Form und Farbe
14. Juli bis 16. September 2018

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1
A-6900 Bregenz
T: 0043 (0)5574 46050
F: info@vorarlbergmuseum.at
W: http://www.vorarlbergmuseum.at


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 21 Uhr

 


  • Aufbau der Behausung für bedrohte Pflanzen; Foto Martin Geier
  • Herbert Meusburger: o.T., Granit, 2016
  • Herbert Meusburger: Gletscherschliff, 1992
  • Herbert Meusburger an der Arbeit für seine Granitbehausung für bedrohte Pflanzen; Foto: Martin Geier
Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1
A-6900 Bregenz
T: 0043 (0)5574 46050
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