Abfallliteratur

24.06.2018 Haimo L. Handl
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In meiner Jugend sprach man nicht von Trash-Literatur, sondern von Schund. Und, naturgemäß, was die Schulbehörden, die Lehrer, die Pfaffen und andere Vorgesetzten verurteilten, verteufelten, verfolgten, weckte um so größeres Interesse. Irgendwie wurde die Schundliteratur dadurch unverdient aufgewertet.


Ich nahm mir also auch so billige Krimis und Liebesromane vor und war nach kurzem Lesen erstaunt, dass es sich wirklich um Dreck, billigste Pseudoliteratur handelte: die überaus stereotypen Handlungsmuster, armselig, ohne Tiefgang und Überraschungsmomente, platt gezeichnet, damit sogar die Dümmsten noch dran bleiben, die einfache Sprache, ohne jede Autoreneigenheit, simpel und austauschbar wie nur was, war mir damals schon aufgefallen und hat mich gelangweilt. Da waren die Sprechblaseninhalte von Micky Mouse oder Dagobert Duck und Daniel Düsentrieb sogar besser; ich konnte mich für beide nicht erwärmen. Obwohl viele Märchen, die ich schon früh verschlang, auch in einfacher Sprache erzählt und aufgeschrieben waren, verströmten sie einen Zauber, den die Heftchengeschichten nie und nimmer erreichten. Die Märchen waren tiefgründig, die Heftchen oberflächlich (später wusste ich sie als simpelste ungeistige Wichsvorlagen zu kennzeichnen).

Ich hatte früh zu lesen gelernt und fand interessanten Stoff im heimischen Bücherregal. Was dort nicht war, bot die Bücherei. Zu Hause gab es kein explizites Verbot der Schundliteratur, aber jedem Jugendlichen waren die Ohren voll mit den dauernden Ermahnungen der Lehrer und Pfarrer. So kurz nach dem Krieg half wahrscheinlich vielen von ihnen die Insistenz auf anerkannte, approbierte Sauberkeit zur Werteverteidigung und zur Neuetablierung von so etwas wie Kultur, die durch die Barbarei der Nazis und ihrer Mitläufer bzw. der braven Bevölkerung zu dramatisch fast alles zerstört und vernichtet hatte. Die Tragweite der Untaten und ihr kulturelles Nachwirken erfasst ich erst später. Trotzdem, damals übertrug ich das Urteil «Schundliteratur» auf die billigen Massenprodukte, die mich langweilten. Vielleicht waren sie für die vielen Ungebildeten geschrieben, so, wie die massenhaften Fotoromane die «Comics» für die schieren Analphabeten waren. Dass die Werthintergründe für die Kampagnen gegen den Schund andere waren als mein einfaches Reagieren auf Sprachdürftigkeit, beschäftigte mich damals nicht.

Nach und nach las ich neben den typischen Jugendliteraturen, also Werken, von denen allgemein angenommen wurde, dass sie die Jungen interessieren und ihnen positive Werte vermitteln, wie die Geschichten und Romane von Mark Twain, Daniel Defoe, die Bildergeschichten von Wilhelm Busch und Heinrich Hoffmann, die damals noch keine Trigger Warnings hinsichtlich politischer Unkorrektheit aufwiesen, sogar ein typisches Mädchenbuch wie «Trotzkopf» von Emmy von Rhoden war dabei, Bücher von Astrid Lindgren oder Selma Lagerlöf, deren Geschichte «Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen» mich ungemein beeindruckte und später zum dänischen Dichter Jens Peter Jacobsen führte, von dem ich heute noch einige Gedichte auswendig kenne und mich sogar an Textpassagen einiger seiner Novellen erinnere. Zu Hause waren auch Bücher von Knut Hamsun im Regal, die ich aber nach kurzem Anlesen nicht weiter beachtete. Ich probierte Peter Rosegger, den ich aber sofort zurücklegte, weil mir die Waldheimatkultur zu fremd und wohl auch zu verlogen erschien. Etwas besser erging es Ludwig Ganghofer, dessen Schwulst im christlichen Heimatgedusel mich dann aber von seinen ach so schönen Geschichten (damals wusste ich noch nichts von seiner kriegsbegeisterten Haltung) entfremdete. Fast alle ländlichen Autoren meiner Heimat lagen mir fern, konnten weder meine Neugierde noch mein Hunger nach Literatur stillen (von Franz Michael Felder las ich damals leider nichts; er wäre vielleicht eine Ausnahme geworden).

Aufgewachsen in einer Kleinstadt war mir «das Land» düster, zurückgeblieben, feindselig. Die Schulfreunde und deren Familien, die ich besuchte, pflegten eine Kultur, die nicht meiner entsprach. Ich erinnere mich, wie der Vater der Frau, die ich leider sehr früh mit 20 Jahren heiratete, sich heftig dagegen wandte, dass ich Nietzsches Werke, das Teufelszeug des Antichristen, daheim hatte. Nach und nach färbte die dumpfe, engstirnige, bornierte Landkultur mit ihrem Gemisch von Weihrauch, Prozessionen und schwätzenden Kirchgängern in mir das Schreckbild einer Unkultur, die sie ja in vielen Aspekten auch war.

Über das Theater kam ich zur dramatischen Literatur und über diese zur Literatur der Nachkriegszeit, insbesondere aus England und Frankreich. Nur langsam öffnete sich die deutsche Literatur für Modernisierungen und Reinigungen nach dem Blutbad der Nazibarbarei. Es war ein Glücksfall, da die Bücher aus Frankreich und England bzw. den USA übersetzt bekommen zu können (damals konnte ich noch kein Englisch). Das war neuer Wind, das war neue Sprache, das schien mir qualitativ hochwertig. Kein brauner Sumpf, kein Nachwehen aus dunklen Wäldern, sondern Urbanität, wenn auch mit Problemen. Aber Paradiese suchte ich nicht, diese Zeit war mit den Märchen vorüber.

Da waren also D. H. Lawrence, Virginia Woolf, Elizabeth Bowen oder, als Olympier, James Joyce, dessen Portrait mich an meine kurze Internatszeit in Tirol bei den Serviten erinnerte, die ich noch schrecklicher in Erinnerung hatte, als er erzählte. Da waren auch Graham Greene oder Aldous Huxley und George Orwell oder Somerset Maugham und Katherine Mansfield. Das Theater hatte mich ganz gefangen genommen und Autoren wie Samuel Beckett, John Osborne, Harold Pinter, Tom Stoppard einerseits oder Eugène Ionesco, Arthur Adamov, Alfred Jarry, Jean Cocteau, Antonin Artaud (damals von mir extrem überschätzt, wie ich heute meine), Jean Tardieu oder Jean Genet. Das mischte sich mit den Existenzialisten, vor allem Jean Paul Sartre und seiner Partnerin Simone de Beauvoir, Albert Camus, Boris Vian, und dann auch anderen Autoren aus Spanien, Italien und sogar Deutschland oder Polen, wie z.B. Fernando Arrabal, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Wolfgang Hildesheimer, Franz Xaver Kroetz. Als theoretische Begleitung half Martin Esslin. Über die deutsche Zeitschrift «Theater heute» hatte ich auch Sławomir Mrożek oder Jerzy Grotowski kennengelernt. Der Romanist Hugo Friedrich erklärte in seinem Taschenbuch von Rowohlts deutscher Enzyklopädie die neue Lyrik und vermittelt mir die Welt französischer und italienischer Poetik; sein umfangreiche Buch «Epochen der italienischen Lyrik» steht heute noch, neben anderen Büchern von ihm, in meiner Bibliothek.

Wenn ich zurückschaue bemerke ich, dass ich kein Fan von Karl May war, wenig von Edgar Allen Poe las, weniges von Gertrude Stein, mehr von Mary McCarthy, Henry Miller, einiges von Philip Roth, John Updike, Kurt Vonnegut, Thomas Pynchon, Sylvia Plath, William S. Burroughs, Hubert Selby, Norman Mailer, die Autoren der Beat Generation, klar doch (Kerouac, Ferlinghetti, Ginsberg, Orlando u.a.). Die meisten konnten schreiben und beherrschten ihre literarische Sprache. Ab den Siebzigerjahren las ich die Amerikaner und Engländer im Original; endlich konnte ich die mitreißende Schönheit der Gesänge von Ezra Pound auf mich wirken lassen, T. S. Eliots Sprachmelodie wertschätzen oder den Witz in den kargen aber kunstvollen Dialogen von Becketts Figuren genießen.

Über die Zeit entwickelten sich meine Ansprüche und Forderungen an Sprachvermögen, Sprachempfindsamkeit und –sensibilität, die ich durch keine pseudoegalitären Einwürfe mindern wollte, die mir auch unter dem Vorwurf des Elitarismus erstrebenswert waren und blieben. So konnte ich einerseits das hochentwickelte Deutsch eines Schopenhauer oder Nietzsche schätzen, andererseits die Literarität von Freud anerkennen, wogegen die fachlich vielleicht geschulten, sprachlich aber holprigen Autoren einfach abfielen. Kultivierte und sprachkundige Autoren wie George Steiner oder Theodor Adorno bzw. Paul Valéry oder Karl Kraus und, später, weil in meiner Jugend ich zu unkritisch den vermeintlich kritischen Vorgaben der 68er folgte und daher Joseph Roth, Hugo von Hofmannsthal oder auch Ernst Jünger und Rudolf Borchardt links liegen ließ, eben besagter Rudolf Borchardt, begeisterten mich und vermittelten tiefe Eindrücke, machten Denkprozesse klarer, schälten verborgene Schönheiten heraus, die mich wiederum befähigten, einige Klassiker «neu» oder «frisch» zu lesen, mich ihrer Sprachwelt anzunähern, seien es die Welten der Weimarer Klassik von Goethe oder die von Hölderlin. Ich lernte zu unterscheiden zwischen Werk und Person, zwischen Biographie, Lebenswelt und Sprache. Da öffneten sich Werke wie die Göttliche Komödie von Dante, obwohl mir die Figur des Autors nicht sympathisch war, was auch auf Hölderlin zutrifft. Aber ob einer oder eine ein Ekel war, ein arroganter Schnösel, wiegt weniger als das Produkt seiner oder ihrer Sprachmeisterschaft. Borchardt muss furchtbar anstrengend gewesen sein, Benn ein erzkonservativer Typ mit Nazischlagseiten und völkischem Gedankengut; aber viele seiner Gedichte gehören zum Besten deutscher Lyrik, die ich nicht missen möchte. Hölderlin hat nationalistisch als «deutscher Jakobiner» sich geäußert. Aber das unterminiert nicht seine einsame Höhe, die er als Dichter erklomm. Und ob Goethe ein systemaffirmierender Geist war, wiegt nicht im Vergleich zu seinem Werk, seiner Weltäußerung.

Je höher die Qualität, desto mehr Toleranz gegenüber der Person des Autors, desto breiter und tiefer die Freude, die Wertschätzung, weil er in seinem Werk hinsichtlich der Qualität intolerant, unbeugsam war. Es sind die Bequemen, Bornierten, Dummen, oberflächlich Geschäftigen, die mich nerven und enttäuschen und ärgern. Das Hohle, Stereotype, aus Unvermögen Beschränkte stört und widert mich an. Ich kann an den Schreien, dem Geblöke, den Sklavensprachen keinen Gefallen finden. Das ist und bleibt Schund und Trash und Abfall.

«Ist das Literatur – oder kann das weg?» fragt in typischem Kanakendeutsch die aus Leipzig (Jahrgang 1966) stammende Autorin Susann Klossek in einem Artikel, der kürzlich im Literarischen Monat (Schweiz) Ausgabe 32, erschien. Gleich nach dem einladenden Titel lautet der erste Satz ganz programmatisch und symptomatisch für die herrschende Unbildung:

«Wer den Trash nicht zu schätzen weiss, ist die anspruchsvolle Literatur nicht wert. Wer hat das gesagt? Ich. Trash hat ebenso eine Daseinsberechtigung wie jede andere Art von Literatur, ob sie sich nun Erotica oder Pulp nennt, Pop oder Beat – oder ihr hochkulturelle Weihen zuteilwerden, woraufhin sie dann unter »Kunst« firmiert – eben weil es jemand als solche bezeichnet hat.»

Zuerst einmal, Trash nicht zu mögen heißt nicht, ihm die Daseinsberechtigung abzusprechen. Der lieben Leipzigerin geht es ja darum, dass man den Trash schätzen müsse, damit man die anspruchsvolle Literatur hochwerten könne. Das ist so unlogisch oder blöd wie jene Vulgärküchenpsychologie die meint, man müsse Gewalttäter sein, foltern und morden, um das Gegenteil, den «Gesunden» oder «Normalen» richtig schätzen zu können. Was aber, wenn es beim Groben, Blöden, Ungestümen bleibt? Frau Klossek tut so, als ob die Elite das Wort führe und die armen, einfachen Menschen ihres Rechtes beraubt werden, das Dumme, falsch Einfache, Abfällige, Abfallartige, eben den Schund und den Trash, zu konsumieren. Das Gegenteil ist der Fall. Und es ist nicht neu. Vor 201 Jahren schrieb der italienische Dichter Giacomo Leopardi aus seiner Geburtsstadt Recanati an Pietro Giordani (30.4.1817):

«Hier, mein liebenswürdigster Herr, ist alles Tod, Mangel an gesundem Menschenvertand, Dummheit (…) Die Vokabel ‚Literatur‘ hat man nie gehört. Die Namen Parini, Alfieri, Monti, Tasso und Ariost muß man kommentieren. Es gibt keinen Menschen, der sich bemühte, etwas zu werden, keinen, dem die Bezeichnung ‚Ignorant‘ merkwürdig schiene.»

Seit dem 2. Weltkrieg hat sich die Kultur- und Bewusstseinsindustrie besonders auf die Massenkonsumenten und ihre niederen Geschmäcker ausgerichtet; das Ungebildete, schier Ungeformte breitet sich wie eine Pandemie aus und erlaubt es den davon nicht Infizierten kaum noch Nahrung zu finden. Denn, so Frau Klossek, das ehemalige DDR-Kind:

«Aber was gibt es Schöneres, als Geist und Verstand abzuschalten und nach ein, zwei Gin Tonics in einen Groschenroman einzutauchen? Schlecht geschrieben von einem Arzt, dem irgendwann die Patienten abhandengekommen sind.»

Ja, die einfachen Gemüter. So simpel sind sie zufriedenzustellen. Die Sehnsucht nach Abschalten, nach Zerstreuung war und ist nicht nur im ausbeuterischen Westen gegeben, sie grassierte auch im Realsozialismus. O Jammer, o Schreck. Es herrscht das Programm GEIST UND VERSTAND abschalten. Trash culture! Die passt in unsere Wellness- und Spaßkultur. Trash-Pornos, Trash-Filme, Trash- oder Reality-TV (wie eindrucksvoll hier reality mit trash gekoppelt wird!) Trash-Music, Trash-Art, Trash-Lit.

Nur, der essentielle Unterschied zum wirklichen Trash, zum Abfall, ist, dass der inszenierte Trash Wert hat und teures Geld kostet. Die zerschliessenen Designerjeans sind nicht armselig abgetragen, sie sind kunstvolle Designprodukte der Als-Ob-Welt. Trash-Art von anerkannten Künstlern ist am Markt zu Hochpreisen gehandelt und in X Auktionen und Museumsausstellungen als Trash besonderer Art geadelt. Trash ist nicht gleich Abfall sondern mehr genialer Einfall für Profite. Der artige Trash erscheint wie der auf den ersten Blick als kultiviert Erscheinende, der erst bei näherem Blick die Täuschung, den Betrug offenbart. Vordieser Folie ist der gewöhnliche Trash der Fernseh-Serien und Schundliteratur zu kontrastieren. Die Unterschichtler nehmen den Trash wie ihn Frau Klossek als Glücksbefriedigung beschrieben hat im Akt der Abschaltung. Trash ist die billige Droge der Dummen.

Es gibt zudem Zwischenstufen. Auch sonst gebildete Kritiker und Vermittler entblöden sich nicht, hie und da nicht nur mit Stilblüten peinlich aufzufallen, sondern richtig dummes Zeug zu schwätzen, vielleicht, weil sie zu sehr die Maximen des Aufmerksamkeitsmanagement beachten. So las ich vom deutschen Kritiker und Kulturvermittler Denis Scheck in der WELT vom 20.6.2018 die bemerkenswerte Aussage «Diese Autorin nicht zu lesen, ist reiner Masochismus». Bumm! Ätsch, Aua! Früher, als die Trash-Lit noch Schundliteratur genannt wurde, meinte man unter Anderem: «Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß.» Nix da. Scheck kommt und sagt das Gegenteil. Masochismus nicht als transitive Aktivität. Nein, schon das Nichtwissen, die Abstinenz, ganz zu schweigen von der intendierten Ablehnung, wird als Masochismus gebrandmarkt. Herr Scheck weiß, er und wir leben als Perverse in einer widernatürlichen Gesellschaft, wovon uns sein Rat, wie der des früheren Oberlehrers, zu retten vermag: folge mir, lies, und komme über den Masochismus hinaus. Vielleicht sollte das auch Frau Klossek bedenken, wenn sie so unvorsichtig den niederen Freuden frönt, einfach Geist und Verstand bei Alkohol abzuschalten? Herr Scheck wird noch deutlicher:

«Dorothy L. Sayers zu vergessen, grenzt nicht bloß an kulturelle Barbarei. Dorothy L. Sayers zu vergessen, ist literarischer Masochismus, denn man betrügt sich um eine der vergnüglichsten Lektüreerfahrungen überhaupt.»

Nach der Nazibarbarei und der darauffolgenden der hinkenden Vergangenheitsbewältigung jetzt die fortauernde des literarischen Masochismus, allein, weil die Ignoranz einen ums Vergnügen bringt. Klingt wie von einem obsessiven Sektenprediger, der die anderen, die Ungeweihten, Fernen, Ungläubigen unbedingt missionieren, überzeugen will. Allerdings verstehe ich die Logik seiner Aussage nicht ganz. Er redet von «vergessen». Aber vergessen kann man nur, was man einmal wusste. Auf die Autorin und ihre Krimis übertragen hieße das, dass sie ehedem gelesen worden waren, dann aber vergessen wurden, was einen Skandal darstellt, einen Akt des Masochismus in der Verweigerung möglicher Vergnügungserfahrungen.

Mir drängt sich ein Gedanke von Paul Valéry auf:

«Welche Schande, zu schreiben, wenn man nicht weiß, was Sprache, Wort, Metapher sind, Gedankenübergänge und Wechsel im Ton; wenn man die Struktur der zeitlichen Folge eines Werks und die Voraussetzungen für seinen Schluß nicht begreift, kaum das Warum kennt und schon gar nicht das Wie! Die Scham darüber, eine Pythia zu sein...»

Das kennt der Literaturkenner sicherlich. Aber er scheint es in seinem Masochismusgefummel vergessen zu haben. Kennt Frau Klossek diesen Satz, diesen Autor? Sie hat zwar nicht Romanistik studiert, aber Germanistik und Slawistik. Andererseits: Literatur auch gehobener Schriftsteller ist doch nicht nur Professionellen vorbehalten! Valéry hat auch geschrieben, was wie ein Programm klingt:

«Mit Sorgfalt zu schreiben und zu denken ist eine Anstrengung gegen die Durchschnittssprache.»

Was, wenn aber der Durchschnitt oder das Untere das Ziel ist, wenn Abschalten von Geist und Verstand die angenehmste Kulturübung bilden? Dann haben Autoren wie Valéry eben nichts mehr zu sagen. Auch andere, die als ELITÄR verschrien sind, haben zu schweigen. Für das Schweigen im Walde und in den Städten bedarf es der Trashigen. Alle anderen stören nur. Wie Susann Klossek im Schlusssatz klar befindet:

«So oder so: die zwei elementarsten Fragen zur Schundliteratur lassen sich immerhin recht eindeutig beantworten: Wer druckt das Zeug? Und wer wird es lesen? Millionen, liebe Literaturfreunde, Millionen!!!»

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