Hard: "fish" - Die Sommerausstellung mit der Angewandten in der Galerie.Z

19.06.2018

Es ist eine lieb gewordene Tradition, in der Galerie.Z den Sommertermin Studierenden der Universität für angewandte Kunst in Wien zu überlassen. Das beiderseitige Wohlwollen fußt auf der Überlegung, einerseits jungen Talenten außerhalb des gewohnten Radius' eine Bühne zu bieten und andererseits «frischen Kunstimport» in Hard zu zeigen. Die große Beliebtheit der Exkursion an den Bodensee stellt E.R. Denk, die seit Anbeginn die Schau kuratiert, regelmäßig vor die schwierige Aufgabe, die geeigneten Kreativen auszuwählen.


Für Katerina Dimitrova aus Bulgarien, die in ihrer traditionellen Ausbildung zum «richtigen» Zeichnen angehalten worden war, stellt die unkonventionelle Herangehensweise eine Herausforderung dar. Möglicherweise gerade deswegen schlägt sie einen radikalen Weg ein. Indem sie auf jeglichen Sichtkontakt mit dem Objekt verzichtet, entkoppelt sie den Zeichenprozess von ihrer manipulierenden Einflussnahme und gewinnt damit eine für sie ungewohnte Ausdrucksfreiheit. Kontrollbefreit geht auch Sebastian Eder vor, wenn er den Stift ohne groß über die Bewegungen nachzudenken über das Papier führt. Organisch und harmonisch gemusterte Flächen zeugen von diesem spielerischen, wohltuend mühelosen Duktus.

Sukzessive verabschiedet sich hingegen der gelernte Hufschmied Ismael Pickel-Schiebel von der realistischen Abbildung eines Gegenstandes. Beginnend mit der naturgetreuen Nachbildung mäandert seine Linienführung ausgelassen dahin, um sich in ungestümer Kritzelei zu ergießen. Was er in der Zeichnung sieht, gleicht er mit einer Vorstellung ab und erlangt somit wieder Kontrolle über die entwichene Zeichnung. Ein Kompromiss, den er zeitweise einzugehen bereit ist.

Bewegungsstudien liefert Luca Mikitz. Dafür setzt er sich zu einem bestimmten Zeitpunkt, der im Titel ablesbar ist, an einen öffentlichen Ort und hält sämtliche Bewegungen mit Bleistiftstrichen mit den dazugehörigen Objektbestimmungen fest. Die verschiedenen Stärken der Striche deuten darauf hin, wie markant die Bewegungen sind. Die exakten Benennungen der vor Ort befindlichen Menschen inklusive detaillierter Zuschreibungen ergeben ein dynamisches Bewegungsprofil, das eine alltägliche Szenerie einfängt.

Um das Erfassen von Bewegungen geht es auch in Paul Spendiers Arbeiten, wobei digitale Motion Capturing Dateien den Ausgangspunkt bilden. Bei diesem Verfahren werden Bewegungen von Lebewesen aufgezeichnet und in ein von Computern lesbares Format übertragen. Schlüsselstellen werden mittels Technik in dreidimensionale Koordinaten umgewandelt, worauf der Künstler sein Augenmerk legt. Denn er reduziert jeglichen Inhalt auf diese Koordinaten, durch die Computer Bewegungen sozusagen «sehen».

Im Gegensatz dazu bezieht sich Carlos Vergara, der die Einladungskarte gestaltet hat, auf den Text «The Uninhabitable» von George Perec. Der absurde Gebrauch architektonischer Praktiken in einer industrialisierten Welt treibt den Künstler ebenso um wie Leer-Räume, die der Mensch nicht erträgt und sich berufen fühlt, sie zu füllen. Sinnliches bieten sowohl Nha Ngo und Kaya Yoo, die methodisch vielschichtig arbeiten und inhaltlich viel Spielraum für Interpretationen eröffnen.

15. Juni bis 14. Juli 2018

Galerie.Z
Landstraße 11
A-6971 Hard
T: 0043 (0)650 6482020
E: galerie.Z@cable.vol.at
W: http://www.galeriepunktZ.at


Öffnungszeiten

Di und Do 18 – 20 Uhr
Samstag 10 – 12 Uhr
und nach Vereinbarung






 

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