The Age of Aquarius

18.06.2018 Kurt Bracharz

Das 1968 uraufgeführte und auch fünfzig Jahre später immer wieder einmal im Fernsehen wiederholte Musical «Hair» erklärte schon im Refrain seines ersten Songs «Aquarius»: «This is the dawning of the Age of Aquarius» («Dies ist der Beginn des Wassermannzeitalters»).


Während sich seriösen Astronomen die Haare sträubten (das Wassermannzeitalter ist eine Erfindung von New Age, Astrologie und Antroposophie), verbreitete das Lied ungerechtfertigten Optimismus: «When the moon is in the 7th house, and Jupiter aligns with Mars, then peace will guide the planets and love will steer the stars.» («Wenn der Mond im siebten Haus steht und Jupiter sich an Mars ausrichtet, dann wird Friede die Planeten leiten und Liebe die Sterne steuern»).

Die Liebe steuert allerdings keine Sterne, sie kann nicht einmal Schiffe steuern. Das Flüchtlingsschiff «Aquarius» und seine beiden italienischen Begleitschiffe sind heute (Sonntag, 17. Juni) in Valencia eingetroffen. Die 629 Flüchtlinge, darunter elf Babys und sechs Schwangere, wurden von den Helfern der spanischen Operation «Hoffnung Mittelmeer» empfangen. Spanien hatte die Aufnahme der aus Seenot Geretteten angeboten, nachdem Malta, das seit der von Regierungskreisen zumindest begrüßten Ermordung einer investigativen Journalistin keinen Ruf mehr zu verlieren hat, und das mit Flüchtlingen überfüllte und finanziell pleite Italien die Landeerlaubnis verweigert hatten. Wer unbedingt einen politischen Hintergrund zum humanitären Akt der Spanier sehen will, kann darauf verweisen, dass der neue spanische Ministerpräsident zum Amtsbeginn ein starkes, international beachtetes Zeichen setzen wollte, aber man kann stattdessen auch weiter den Text von «Aquarius» singen: «Harmony and understanding, Sympathy and trust abounding, no more falsehoods or derisions, golden living dreams of visions, mystic crystal revelation and the mind's true liberation.»

Andere Lieder drängen sich einem auf, wenn man zum Thema Flüchtlinge den Kampf der CSU-Spitze gegen die drei Merkelschen Nichtse beobachtet. Die «Süddeutsche» hat das Wort wohl erfunden und meint damit die drei Negationen der deutschen Kanzlerin bezüglich der Eindämmung der Sekundärmigration: «Angela Merkel will nicht unilateral handeln, nicht unabgestimmt und nicht zu Lasten Dritter.» Die vor einer Landtagswahl am 14. Oktober stehenden bayerischen CSU-Politiker von Söder abwärts (aber geht es eigentlich tiefer? Ach ja, Dobrindt!) arbeiten offensichtlich auf das Ende der Kanzlerschaft Merkels hin, und der Bundesinnenminister Seehofer, ebenfalls CSU, hat ihnen den Ball aufgelegt. Die Sache könnte sich schon demnächst zuspitzen, wenn Seehofer explizit die Zurückweisungen an der deutschen Grenze forciert, was Merkel ablehnt. Das kann er als Innenminister tun, allerdings hat Merkel ihm zu verstehen gegeben, dass sie als Kanzlerin auf Grund ihrer Richtlinienkompetenz einen Minister bei Zuwiderhandlung gegen ihre Weisungen entlassen kann – was die Auflösung der Koalition und dann wohl auch das Ende von Merkels Kanzlerschaft bedeuten würde.

Denk ich an Deutschland in der Nacht ...


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