Das Verfahren ist eingestellt, vergessen Sie´s....

02.08.2018 Walter Gasperi

Ein Architekt kommt nach einem Unfall mit Fahrerflucht in Untersuchungshaft. Im Gefängnis lernt er ein durch und durch korruptes von der Mafia gelenktes System kennen, bei dem er schließlich auch selbst mitspielt, um schneller entlassen zu werden. Damiano Damianis 1971 gedrehter packender Thriller ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Das Gefängnis ist die Welt dieses Films, in dessen Strukturen will Damiani unübersehbar die Verhältnisse in Italien spiegeln. Erst ganz am Ende verlässt der Film, der durch diese Engführung Dichte und Spannung entwickelt, folglich auch diesen geschlossenen Raum.

Nach einem Autounfall, bei dem ein Fußgänger getötet wurde, wird der Architekt Vanzi (Franco Nero) in Untersuchungshaft eingeliefert, bekennt sich aber unschuldig und hofft bald entlassen zu werden. Kommt er zunächst in eine Zelle mit zahlreichen anderen Häftlingen, von denen er sich bedroht fühlt, kann er durch Schmiergeld eine Verlegung in die Krankenstation erreichen. Dort verschafft ihm der Arzt – wiederum natürlich gegen finanzielle Leistung – ein Stelldichein mit einer Frau, ehe er in eine Zelle mit einem Häftling verlegt wird, der einem inhaftierten mächtigen Mafiosi mit seiner Zeugenaussage gefährlich werden könnte.

Damiano Damiani, der als Spezialist des italienischen Politthrillers gilt und nicht nur die Serie «Allein gegen die Mafia», sondern auch Klassiker wie «Der Tag der Eule» oder «Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert» inszenierte, erzählt konsequent aus der Perspektive des Architekten. Mit dem charismatischen «Django»-Darsteller Franco Nero ist dieser ideal besetzt. Er steht für den Durchschnittsbürger, der in diesem System der Korruption und Gewalt, schließlich aus Feigheit auch selbst korrupt wird, um Nachteilen aus dem Weg zu gehen.

Wie Vanzi sich nämlich zunächst mit Geld Vorteile verschafft, wird er schließlich auch helfen einen Mord zu vertuschen, um rasch aus der Haft entlassen zu werden. Nichts steht damit dem Urlaub mit der Familie auf einer Luxusjacht im Wege, auch die Erinnerung an den traurigen Blick der Tochter des Ermordeten, die ihn im Hafen anspricht und nach dem Tod ihres Vaters befragt, wird wohl bald verblassen.

Damiani erzählt schnörkellos und dicht, zeichnet ein atmosphärisch starkes Bild des Gefängnislebens und übt auch scharfe Kritik an den dortigen Zuständen. Misshandlung oder Folter von Häftlingen wird hier ebenso angesprochen wie die Korruptheit der Aufseher, die dem Mafiosi, der hier die Fäden zieht, erst ermöglichen in der Anstalt einen Mord zu verüben.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die italienische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen neben einer Bildergalerie und dem italienischen Trailer ein knapp 30-minütiges Featurette, in dem der Regieassistent, der Cutter und ein Schauspieler über die Entstehung des Films, die Besetzung, die Zusammenarbeit und Arbeitsweise Damianis und den Schnitt sprechen.

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