Kunstmuseum Ravensburg zeigt Filmarbeiten von Jonas Mekas

06.06.2018

Nächtliche Farbreflexe, Feuertreppen im Gegenlicht, ein Mädchen spielt Geige, eine Katze schnappt eine Maus. «I have never been able really to figure out where my life begins and where it ends. ... What it’s all about, what it all means», räsoniert Jonas Mekas aus dem Off. Der Auftakt seines Filmessays «As I Was Moving Ahead...» erklärt bereits den Zufall zum Strukturprinzip. Aufnahmen von 1970 bis 1999 aus seinem privaten Alltag fügt der damals bald achtzigjährige Filmemacher spontan zusammen, gerade so, wie er das Material in seinem Archiv vorfindet.


Im kontinuierlichen Bilderstrom offenbart sich die Schönheit des einzelnen Moments. Fragmente bewahren eine Ahnung von Glück. Da sind Trinkgelage mit Freunden, die Taufe eines Kindes, Szenen am Abendbrottisch, die eigene Hochzeit. In den persönlichen Erinnerungen scheint das Universelle auf. Die Unmittelbarkeit der Szenen verdankt sich einer kleinen Handkamera, deren Einsatz Jonas Mekas über Jahre perfektioniert hat. Unschärfen, Über- und Unterbelichtungen gehören zu seinem «gestischen Stil». Auf der Tonebene arrangiert er Off-Kommentare, Klaviermusik und Geräusche. Wind in den Bäumen im Central Park, der Straßensound von Manhattan, entfernter Lärm der Millenniumsfeiern Silvester 1999, während er allein im Schneideraum sitzt. Der Film ist auch eine Ode an New York, die Wahlheimat von Mekas. Doch die Wehmut, die den Betrachter befällt, braucht keinen konkreten Ort. Sie speist sich allein aus dem Bewusstsein für die Flüchtigkeit des Augenblicks: «This was Paradise.»

Seit den 1960er Jahren gehört Jonas Mekas zu den Schlüsselfiguren der amerikanischen Filmavantgarde. Geboren 1922 in Litauen und während des Krieges in ein deutsches Arbeitslager verschleppt, verließ er Deutschland 1949 und ging nach New York. Er ist Experimentalfilmer, Dichter und Kritiker. Freundschaften mit Robert Frank, Allen Ginsberg, John Lennon, George Maciunas oder Andy Warhol, mit denen er teils zusammenarbeitete, hatten Einfluss auf sein Werk. 1970 gründete er das Anthology Film Archive, die weltweit größte Institution für den experimentellen Film. Doch im Zentrum seiner Arbeit stehen seine radikal subjektiven Filmtagebücher, in denen er die flüchtigen Momente der >Wirklichkeit< zu intensivieren sucht. Einen «Propagandafilmer des Glücks» hat er sich selbst genannt. «As I Was Moving Ahead...» ist Jonas Mekas’ Opus magnum: sein Vermächtnis schon zu Lebzeiten.


Projektionen II - Jonas Mekas
9. Juni bis 8. Juli 2018
Vernissage: 8. Juni 18, 19 Uhr

Kunstmuseum Ravensburg
Burgstrasse 9
D-88212 Ravensburg
T: 0049 (0)751 82-810
E: kunstmuseum@ravensburg.de
W: http://www.kunstmuseum-ravensburg.de


Öffnungszeiten

Di bis So 11 - 18 Uhr
Donnerstag 11 – 19 Uhr
montags geschlossen, außer feiertags

 

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