Was morgen geschah - It Happened Tomorrow

12.07.2018 Walter Gasperi

Speziell für einen Journalisten wäre es praktisch, in die nahe Zukunft blicken zu können. Dass dies freilich auch Nachteile haben kann, zeigt René Clair in seiner 1944 in den USA gedrehten romantischen Komödie. Der ebenso elegant inszenierte wie geistreiche Film ist bei Pidax-Film auf DVD erschienen.


Aus eher seichten Stoffen leichte Komödien zu formen, die vor geistreichem Witz und Esprit sprühen, war eine der großen Fähigkeiten des 1898 in Paris geborenen René Clair. Nach Erfolgen in Frankreich und England verbrachte er die Zeit des Zweiten Weltkriegs in den USA, wo ihm überraschend rasch und bruchlos der Einstieg in Hollywood gelang.

Ironisch und leichthändig reflektiert er in «It Happened Tomorrow» über die Zeit, über den Wunsch des Menschen die Zukunft zu kennen und schließlich die Erkenntnis, dass dies doch nicht so gut wäre, sondern man vielmehr im Jetzt leben und glücklich werden sollte.

Von der Feier des 50. Hochzeitstages, an dem sich das Jubelpaar streitet, weil der Mann den versammelten Kindern, Enkel und Urenkel endlich eine seit Jahrzehnten aufbewahrte Geschichte vorlesen möchte, die er bisher nie erzählt hat, da sie ihm vermutlich niemand glauben würde, blendet Clair rund 50 Jahre ins späte 19. Jahrhundert zurück und erzählt eben diese Geschichte.

Larry Stevens (Dick Powell) ist ein junger Journalist, der endlich statt Nachrufen echte Reportagen schreiben darf. Praktisch fände er es, wenn er jeweils wüsste, was am nächsten Tag geschieht, könnte er dann doch immer an den entscheidenden Orten sein und brandaktuell über die Ereignisse berichten. Ein Wahrsager und dessen Nichte (Linda Darnell), die ihm assistiert und in die sich Larry sogleich verliebt, können ihm diesen Wunsch nur scheinbar erfüllen, doch abends erhält er auf nebliger Straße vom alten Archivar Benson die Zeitung von morgen.

Larry aber wird erst am nächsten Morgen aufgrund mehrerer kleiner Ereignisse, über die man schon in der Zeitung lesen kann, klar, was er da in der Hand hält. Er nützt sogleich die Gelegenheit bei einem Überfall direkt dabei zu sein. Sein Chef ist begeistert von seinem schnellen Reporter, doch die Polizei verdächtigt ihn bald der Mittäterschaft.

Bald erkennt Larry auch, dass er mit seinem Wissen auch Geld machen kann, indem er bei Pferderennen immer auf die Siegerpferde setzt. Andererseits muss er aber auch einsehen, dass man dadurch auch vorab Dinge erfährt, die man lieber nicht wüsste, da das Wissen verunsichert, jede Leichtigkeit dem Leben und Handeln austreibt.

Locker und stilsicher spielt Clair unterschiedliche Aspekte des Wissens der Zukunft durch, bietet die Möglichkeit zur Reflexion, sorgt aber vor allem auch mit der romantischen Liebesgeschichte der bestens harmonierenden Hauptdarsteller Dick Powell und Linda Darnell für zeitlose charmante und elegante Unterhaltung.

An Sprachversionen bietet die bei Pidax-Film erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber keine Untertitel. Die Extras umfassen Trailer zu weiteren Filmen des Labels sowie ein Nachdruck der «Filmbühne» zu diesem Film, die neben Fotos, die Credits und eine ausführliche Inhaltsangabe bietet.

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