Der geheimnisvolle Doktor X - Doktor X

28.06.2018 Walter Gasperi

Die Jagd nach einem Serienmörder führt die Ermittler und einen Journalisten in das Laboratorium eines undurchschaubaren Arztes. Bei Hamburg Enterprises ist Michael Curtiz´ 1932 in einem frühen Technicolor-Verfahren gedrehte Mix aus Krimi und Horrorfilm auf DVD erschienen.


Auf eine Exposition verzichtet Michael Curtiz («Casablanca»). Nachts lässt er seinen Film einsetzen mit dem Versuch des Reporters Lee Taylor in das Leichenschauhaus einzudringen, in dem das letzte Opfer eines Mörders obduziert wird, der immer bei Vollmond zuschlägt.

Weil alle Morde in der Nähe des Instituts des mysteriösen Dr. Xavier begangen wurden und sich an den Opfern nicht nur Spuren von Kannibalismus, sondern auch jeweils ein Schnitt mit einem Skalpell fand, gerät dieser sowie seine Mitarbeiter in Verdacht.

Lokalaugenschein und Verhör der anderen Ärzte erhöhen den Verdacht, beschäftigt sich der eine doch mit Mondsucht, während ein zweiter über Kannibalismus und ein dritter über die Möglichkeit von Gehirntransplantationen forscht.

48 Stunden will die Polizei Dr. Xavier, dem man freilich auch selbst die Tat zutraut, Zeit geben, um den Täter selbst ausfindig zu machen. Dieser begibt sich dazu mit seinen Ärzten in ein Haus am Meer, in dem er mit einem physikalisch-psychologischen Versuch die Wahrheit herausfinden will. Ins Haus eingeschlichen hat sich selbstverständlich auch der Reporter, der unbedingt als erster die Story bringen will und zudem Gefallen an der Tochter des Doktors findet.

Sichtlich mit kleinem Budget wurde dieser Mix aus Krimi und Horrorfilm gedreht. Mit wenigen Schauspielern und im Grunde zwei Schauplätzen kommt Curtiz bei seiner Verfilmung eines Bühnenstücks von Howard W. Comstock und Allen C. Miller aus. Dialog statt Action steht folglich im Zentrum, seinen ganz eigenen und eigentümlichen Reiz entwickelt «Doktor X» aber durch das frühe Technicolor-Verfahren.

Kräftige Farben gibt es hier nicht, in fahles Licht ist die Handlung oft getaucht, Blau fehlt völlig, Sepia und Grüntöne dominieren. Eine gespenstische Atmosphäre macht sich so breit, die bestens zum Laboratorium und den sinistren Ärzten passt. In ihrer jeweiligen Fokussierung auf abwegige Spezialgebiete kann man lange jedem die Verbrechen zutrauen, bis sich einer als der Mad Scientist entpuppt.

Stehen die Ermittler zunächst im Vordergrund, rücken diese im zweiten Teil in den Hintergrund, während der Reporter an Bedeutung gewinnt. Unpassend wirken freilich die komödiantischen Momente, für die er mit diversen Scherzartikeln oder einer Abstellkammer mit Skeletten als Versteck sorgt. Gestört wird durch diese Szenen der Spannungsaufbau, der Zuschauer wird aus dem Film gerissen.

Blass bleibt auch die von Fay Wray («King Kong und die weiße Frau») gespielte Tochter des Doktors, die hier nur als Love Interest dient. Allzu abrupt bricht bei dem vor allem formal ungewöhnlichen und interessanten Krimi am Ende auch die Liebe zwischen ihr und dem Reporter aus, aber bei gut 70 Minuten Filmlänge muss eben einiges sehr komprimiert werden.

An Sprachversionen bietet die bei Hamburg Enterprises erschienene DVD nur die englische sowie die kürzere deutsche Version, aber keine Untertitel. Extras gibt es keine.

Trailer zu «Der geheimnisvolle Doktor X»

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