Food Revolution 5.0. Gestaltung für die Gesellschaft von Morgen

23.09.2018

18.05.2018 bis 30.09.2018  Kulturforum

Wie werden wir zukünftig essen, von was werden wir uns ernähren in unserer durch schwindende Ressourcen geprägten Wachstumsgesellschaft? Jeder von uns gestaltet mit seinem Essverhalten den Globus mit. Essen ist längst keine Privatsache mehr, sondern ein hochgradig politischer Akt. Das Kunstgewerbemuseum verwandelt sich in ein künstlerisch-wissenschaftlich-spekulatives Laboratorium für neue Denk- und Praxismodelle zur Zukunft des Essens und Wohnens.


Unsere Gesellschaft wird durch Essen in all seinen Facetten von der Ressource bis hin zum Konsum sozial gestaltet und konditioniert. Essen ist dabei nichts anderes als in Form gebrachtes, «designtes» Material – somit gehört «Food Design» zu den frühesten Gestaltungsaufgaben überhaupt; auch die Küche funktioniert als zentraler Ort von Gesellschaftsdesign. Entscheidend für unser persönliches Wohlbefinden und unsere Gesundheit ist auch die Frage, was und wie wir essen. Designerinnen und Designer setzen sich mit unseren Essgewohnheiten auseinander und entwickeln neue Bestecke oder Tischobjekte. Ebenso stehen die negativen Auswirkungen des Fleischkonsums zur Disposition sowie der 3-D-Drucker als neues Produktionsmittel unserer Ernährung.

Neue Technologien wie Biotechnologie oder synthetische Biologie regen zu Spekulationen über In-Vitro-Fleisch, die Modifikation unseres Verdauungssystems oder gar zu digitalem Essen an, das aus unseren persönlichen Daten generiert wird. Die Herausforderung ist immens, denn unser gesamtes Nahrungsmittelsystem sowie unsere Essgewohnheiten stehen auf dem Prüfstand. Die Ausstellung schließt sich der These an, dass wir dringend eine globale Food Revolution brauchen. Sie plädiert für die Food Revolution 5.0, die zukünftige Technologien mit alten handwerklichen Kulturtechniken des Selbermachens und kulturellem Wissen um die Besonderheit der Lebensmittelherstellung verbindet. Aufgerufen zu dieser Revolution sind wir alle: Konsum ist heute eine Frage der Verantwortung.

Die kuwaitische Designerin Hanan Alkouh hinterfragt die Möglichkeiten, unsere Kultur von Fleischproduktion und -lagerung sowie Fleischverzehr in einer fleischlosen Welt zu replizieren. Die Holländerin Chloé Rutzerveld spekuliert in ihrem Projekt «In Vitro ME» über den menschlichen Körper als zukünftigem Koproduzent von In-Vitro-Fleisch. Ganz real ist «The Hive» der österreichischen Designerinnen Katharina Unger und Julia Kaisinger, die erste Mini-Farm für essbare Insekten, die in der eigenen Küche aufgestellt werden kann. Jinhyun Jeon aus Taiwan entwirft neues Essgerät, um unsere multisensorischen Esserfahrungen zu optimieren und achtsames Essen zu fördern.

Mit dem Projekt «Volumes» – bunten Objekten, die zwischen der Nahrung auf dem Teller platziert werden – will die holländische Designerin Marije Vogelzang ebenfalls unsere Esskultur positiv beeinflussen. «Bioplastic Fantastic», ein Projekt der deutschen Designerin Johanna Schmeer forscht nach neuen Produkttypen und Nahrungsmitteln, die aus der Bio- und Nanotechnologie heraus entstehen könnten. Für den spanischen Designer Martí Guixé liegt die Zukunft in dem noch spekulativen Ernährungssystem «Digital Food»: Ein Algorithmus entscheidet aufgrund der Analyse individueller Daten über die passenden Nahrungsbausteine, die der jeweilige Nutzer aus dem Interface auswählen kann und die dann vom 3-D-Drucker je nach Bedarf produziert werden.

Die Ausstellung beginnt bereits unmittelbar am Kulturforum: Auf der Piazzetta lässt der niederländische Stadtplaner und Designer Ton Matton eine «urbane Streuobstwiese» entstehen. Die deutsche Landschaftsarchitektin Katrin Bohn transformiert zusammen mit Studierenden des Fachbereichs Freiraumplanung der Technischen Universität Berlin eine bislang ungenutzte Terrasse am Kunstgewerbemuseum in einen essbaren Garten.

Die von Claudia Banz kuratierte Sonderausstellung wurde 2017 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg gezeigt und wird für Berlin mit neuen Projekten aktualisiert und vom Architekturbüro Kooperative für Darstellungspolitik gestaltet. Sie ist in vier Themenräume gegliedert: Farm, Markt, Küche und Tisch. Angesichts schwindender Ressourcen plädiert die Ausstellung für Postwachstum und alternative Formen des «farmings» auf dem Land, in der Stadt und der eigenen Wohnung. Die vorgestellten Projekte reichen von der urbanen Streuobstwiese und einem essbaren Garten über eine Indoor-Farm bis hin zur Insektenfarm und dem Mini-Kompostierer für das Stadt-Apartment.


Food Revolution 5.0
Gestaltung für die Gesellschaft von Morgen
18. Mai bis 30. September 2018

Kulturforum
Matthäikirchplatz 6
D-10785 Berlin-Tiergarten
W: http://www.smb.museum


Öffnungszeiten

Di bis Fr 10 - 18 Uhr
Sa & So 11 - 18 Uhr

 


  • Hanan Alkouh: Sea-Meat Seeweed, 2016; © Tom Mannion
  • Chloé Rutzerveld: Edible Growth, 2014. © Chloé Rutzerveld, Foto: Bart van Overbeeke
  • Austin Stewart: Second Livestock, 2014; © Austin Stewart
  • Johanna Schmeer: Bioplastic Fantastic, 2014; © Johanna Schmeer
  • Carolin Schulze: Hase aus einer Mehlwurmpaste, 2014; © Carolin Schulze
Kulturforum
Matthäikirchplatz 6
D-10785 Berlin-Tiergarten
W: http://www.smb.museum


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Di bis Fr 10 - 18 Uhr
Sa & So 11 - 18 Uhr

 


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