No Way Out - Es gibt kein Zurück

31.05.2018 Walter Gasperi

Ein Marineoffizier soll einen angeblichen KGB-Spion ausfindig und als Mörder der Geliebten des Verteidigungsministers dingfest machen. Roger Donaldson interessiert sich in seiner 1987 entstandenen Neuverfilmung des Film noir «The Big Clock» weniger für Action als vielmehr für die Kritik an Machtmissbrauch. Bei Koch Media ist der solide inszenierte, aber doch überkonstruierte Thriller auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ging es 1946 in John Farrows Erstverfilmung des Romans «The Big Clock», um das Machtverhältnis zwischen einem Verleger und seinen Krimiautor, so stehen sich bei Roger Donaldsons Neuverfilmung der Marineoffizier Tom Farrell (Kevin Costner) und der US-Verteidigungsminister (Gene Hackman) gegenüber.

Mit einer einleitenden Szene deutet der Neuseeländer ein hartes Verhör des Offiziers durch US-Beamten an, um dann sechs Monate zurückzublenden. Bei einem offiziellen Empfang lernte Farrell über seinen Freund Scott nicht nur den US-Verteidigungsminister kennen, der wenig Interesse an ihm zeigt, sondern auch die hübsche Susan (Sean Young), mit der er sogleich eine leidenschaftliche Beziehung beginnt.

Susan ist aber gleichzeitig die heimliche Geliebte des Verteidigungsministers. Als Susan diese Beziehung beenden will, kommt es zu einem heftigen Streit, in dessen Verlauf sie zu Tode stürzt. Der Verteidigungsminister will sich stellen, doch sein Berater Scott überredet ihn die Spuren zu verwischen und die Schuld dem anderen Geliebten, hinter dem sich der fiktive sowjetische Spion Juri verbergen soll, in die Schuhe zu schieben.

Diesen ausfindig zu machen, wird Farrell beauftragt, der somit gegen sich selbst ermittelt und einerseits versuchen muss zu verhindern, dass seine Identität aufgedeckt wird, andererseits Beweise für die Schuld des Verteidigungsministers suchen muss.

Nicht nur am Ende schlägt der Thriller noch eine allzu überraschende Volte, sondern auch schon zuvor fehlen Unglaubwürdigkeiten nicht. Beeinträchtigt wird der Spannungsaufbau auch dadurch, dass Donaldson teilweise doch zu wenig kompakt erzählt und sich zu viel Zeit für die Liebesgeschichte lässt.

Überzeugend ist dagegen, wie dem Blick auf die politischen Machtzentren und die Durchleuchtung der Ränkespiele und des Machtmissbrauchs der Vorrang vor Action gegeben wird. Auf diesen Fokus weist schon die phänomenale erste Einstellung hin, die den ganzen Vorspann begleitet: In langsamer Fahrt gleitet in einer Flugaufnahme die Kamera von John Alcott, der kurz nach Ende der Dreharbeiten im Alter von 55 Jahren starb und dem dieser Film gewidmet ist, vom Washingtoner Capitol zurück, öffnet immer mehr den Blick auf die US-Hauptstadt, um schließlich sich einem Haus im Wald zu nähern. Schlüssig wird diese Kamerabewegung am Ende wieder aufgenommen, wenn sich die Kamera nun von einem Privathaus entfernt und während des Nachspanns sich langsam wiederum dem Capitol nähert.

Andererseits werden die politischen Ränkespiele zwischen Verteidigungsminister, CIA und einem Senator nicht wirklich ausformuliert, sondern rücken bald zugunsten der Düpierung und Instrumentalisierung Farrells und seiner sich steigernden Notlage in den Hintergrund.

Während er zunehmend zum Handelnden wird, erscheint der Verteidigungsminister als schwache und passive Marionette seines Beraters. Diffus bleiben freilich dessen Interessen, eine angedeutete homosexuelle Liebe zum Verteidigungsminister erscheint als Motiv als wenig glaubwürdig.

Auch wenn die Figuren kein wirklich schillerndes Profil gewinnen, so sorgt das solide Spiel von Hackmann und Costner sowie der Umstand, dass konsequent aus Costners Perspektive erzählt wird, doch dafür, dass man gespannt verfolgt, wie Farrell versucht sich aus der zunehmend brenzligeren Lage zu retten.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben einem – nur englischen – Audiokommentar von Regisseur Roger Donaldson Interviews mit Kevin Costner und Sean Young sowie den Trailer und eine Bildergalerie.

Trailer zu «No Way Out - Es gibt kein Zurück»

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